Beim Value Investing gehts um Qualität und nicht um Schrott


New York, 14. Februar 2011

Ich schreibe hier in diesem Blog immer mal wieder über sehr spekulative Ideen. Da ich gerade eine eMail-Anfrage zum Thema Pennystocks erhielt, möchte ich eines klarstellen: Value Investing hat mit hochspekulativen Papieren wenig zu tun. Es geht vielmehr darum, Müll-Aktien zu vermeiden und stattdessen Qualität billig einzusammeln. Also passen Sie auf, keine Schrottbuden zu kaufen, nur weil der Kurs vielleicht tief im Keller notiert. Es kann sein, dass sich die Aktie nie mehr erholt. Wenn nun eine Aktie von 50 Dollar auf 13 Dollar abgestürzt ist, muss das kein Value-Papier sein. Es kann sein, dass der Markt auf ein fundamentales Problem reagiert. Es handelt sich hingegen um Value-Papier, wenn der innere Wert der kollabierten Aktie viel höher als 13 Dollar liegt. Sie müssen als Value-Investor auch die reine Aktie in den Hintergrund stellen. Stellen Sie sich eher vor, Sie kaufen das ganze Unternehmen. Wenn Sie wie ein Großinvestor denken, handeln Sie sicherlich überlegter. Ab und an kommt es vor, dass ein Großkonzern auf Pennystock-Niveau zurückfällt. Die Citigroup notierte beispielsweise bei rund einem Dollar. In solchen Fällen muss man sich als cleverer Anleger die Frage stellen: Kann die Bank die Krise überstehen und gesund aus ihr hervor gehen. Viele Super-Investoren müssen auch in ihrer Karriere auf die Nase fallen, bevor ihnen der ganz große Durchbruch gelingt.
Das Value Investing geht zurück auf die 1930er Jahre. Benjamin Graham und David Dodd, beide Finanzprofessoren an der New Yorker Columbia University, entwickelten diese besondere Methode der Aktienauswahl. Im Kern ist die Grundidee einfach: Es geht um Rahmendaten. Hierzu zählen die Gewinne, die Dividenden, das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und die Kapitalflussrechnung. Alles, was am Markt zu Unrecht abgestraft wird, ist demnach ein Value-Papier. Was ich Ihnen mit auf den Weg geben will: Fokussieren Sie sich für Ihre Altersvorsorge auf Qualität. Wenn ein Qualitätsunternehmen wie Exxon, BP oder Toyota wegen eines Unglücks abgestraft wird, kann es sich um eine Riesenchance handeln. Geduld und Durchstehvermögen sind verdammt wichtig. Nehmen Sie auch nicht zu früh Ihre Gewinne mit. Ein Unternehmer gibt auch nicht so schnell seine Firma her. Er fühlt sich dem Betrieb sehr verbunden. Wer Lust auf ein paar heiße Pennystocks als Beimischung hat, warum denn nicht? Ein Schwerpunktthema würde ich mit solchen heißen Papieren allerdings nicht in meinem Depot schaffen.
Neuere Vertreter der Value-Analagephilosophie sind der New Yorker Investor Mario Gabelli, die beiden Professoren Bruce Greenwald und Joel Greenblatt sowie der Autor Phil Town.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Beim Value Investing gehts um Qualität und nicht um Schrott

  1. Max

    Hallo.

    Teilweise wird dem Value – Investing vorgeworfen, dass es ein wenig unzeitgenoessig ist, da gerade Unternehmen wie Google zwar Wertvoll sind, in der Bilanz diese Werte aber nur weniger zur Geltung kommen. Finden sie man kann Grahams Methoden auch 2011 noch guten Gewissens verwenden?

    Am Ende Ihres Textes verweisen sie auf Phil town, der sich auch als Value – Investor bezeichnet. Ich habe seine Buecher gelesen (sehr repetetiv!), er verweist auf ganz klare Kennzahlen: ROCE MUSS so und so viel sein. EK MUSS mindestens so und so viel sein. Wie stehen sie zu einem solch starren System, kommen da die weniger greifbaren Werte, auf die sich beispielsweise Buffett beruft, nicht etwas unter die Raeder? Bzw. wie stehen sie zu Phil town?

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Max, zu Ihrer Frage mit Phil Town: Er ist wohl eher für Börsenneulinge geeignet. Er kann schöne Anekdoten erzählen und bringt das Value Investing anschaulich rüber. Wer mal in seine Bücher schauen möchte, am besten in die Bibliothek gehen! Für Fortgeschrittene ist das zu leichte Kost. Phils Leben ist imposant. Soldat in Vietnam, danach Touristenführer am Grand Canyon – mit langem Zottelhaar. Der Typ hat eine Story ähnlich wie Jim Cramer, der arbeitslos in seinem Auto mit einer Knarre herumlungerte und es dann später zu großem Reichtum gebracht hat. Beide sind verrückte Typen.
    Beim „Value Investing“ sollte man in der Tat Aktien intensiv mithilfe von Kennzahlen unter die Lupe nehmen. Dann läuft man nicht Gefahr, Aktien zu kaufen, die zu teuer sind. Google ist ein schönes Beispiel. Das Ding ist meiner Meinung nach ambitioniert bewertet. Die Suchmaschine wird mit dem 6,8-fachen Umsatz und dem 4,3-fachen Buchwert taxiert. Das ist recht teuer. Ok, es gibt dafür schöne Wachstumsraten, eine super Marktstellung, eine starke Marke und satte Margen. Google ist aber keine Value-Aktie. Unter den Kennziffern gibt es eine unüberschaubare Masse. Mit dem Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) bin ich vorsichtig. Diese ominöse Zahl wird gerne herumgereicht. Ich benutze ganz gern den Überschuss. Statt immer nur auf das Ergebnis und das Ebitda zu schauen, finde ich die Kapitalflussrechnung aussagekräftig. Da zeigt sich die wahre Lage eines Unternehmens. Denn es gilt der Spruch: „Profits are an opinion, only cash is a fact.“ Mit anderen Worten wird beim Überschuss viel hineininterpretiert, man kann das Ergebnis tendenziell in eine Richtung manövrieren. Der Cash Flow ist dagegen Fakt! Die Verschuldung schaue ich mir natürlich ebenfalls an. Und das KGV, KBV etc. Ich finde eine feste Kennziffer wie Phil Town sie festzurrt, ist nicht hilfreich. Es hängt immer von der Situation, von der Branche und den Perspektiven ab. Am besten Sie schauen sich die Kennziffern innerhalb des Sektors an. Und vergleichen die Player miteinander.

  3. tim schaefertim schaefer

    Achso, Max ich hatte noch was ganz vergessen. Dem „Value Investing“ wird immer wieder vorgeworfen, es sei unzeitgemäß. Ich halte das für Quatsch! Denn die Bewertung einer Firma hängt grundsätzlich vom Gewinn und den Perspektiven ab. An der Wall Street gibt es zudem so viele „Experten“, die immer wieder behaupten, dass „Buy and Hold“ heute nicht mehr funktionieren würde. Warum ist dann Warren Buffett einer der reichsten Menschen der Welt, wenn seine Methode angeblich nicht mehr funktioniert? Das ist alles dummes Zeug. Viele, die das behaupten, wollen einem was verkaufen. Einen Fonds, ein Daytrading-System, den Service einer Vermögensverwaltung etc. Ich rate, immer die Interessen der Personen unter die Lupe zu nehmen, die Sachen in die Welt setzen.

  4. Max

    Hallo,

    vielen Dank fuer Ihre Ausfuehrungen! Immer wieder bin ich ueberrascht, welche Behauptungen aufgestellt werden um immer mehr ahnungslose Anleger in wildeste Biotech – Fonds und alternative Investments zu locken.

    Vielleicht faellt es vielen schwer, die ganze Materie „einfach“ zu halten, also statt einem Studium der Bilanz und des Unternehmensumfeldes (in diesem Zusammenhang habe ich habe schon sehr gute Erfahrungen mit direkten Gespraechen mit IR – Vertretern gemacht…!)hochmathematische Computermodelle benutzen, die schnellen Reichtum verheissen.

    Schoenes Wochenende!

  5. tim schaefertim schaefer

    Ja, die meisten Biotechs scheitern. Es ist ja fast wie in Las Vegas. Man weiß nie, ob eine Biotech-Bude einen Wirkstoff durch alle Phasen bringt. Wenn selbst die Pharmariesen Probleme haben, neue Medikamente auf den Markt zu bringen, spricht das Bände. Es gibt für viele Krankheiten bereits zugelassene Medizin. Die FDA fragt sich immer: Warum soll ich ein neues Produkt auf den Markt lassen, wenn wir bereits ein erprobtes haben? Die Risiken mit neuen Dingen sind der Gesundheitsbehörde einfach zu groß. Und so bleibt der Markt begrenzt. Daher geht es den großen Pillendrehern so schlecht. Der Sektor ist sehr problematisch.
    Auch bei all den Mini-Rohstoff-Explorern schaffen es die wenigsten bis zur Produktion. Es gibt mehr als 100 Betriebe, die angelich die „Seltenen Erden“ fördern wollen. Vielleicht schaffen es nur sechs von ihnen. Und ob die dann alle ihre Milliardeninvestitionen jemals zurückverdienen werden, wage ich zu bezweifeln. Viel Wind, wenig Substanz.

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