Barnes & Noble, Borders: Kampf um die Herrschaft über die Bücher


New York, 3. Februar 2010

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Die zwei Buchhändler Barnes & Noble und Borders Group kämpfen ums Überleben. Besonders scheint Borders in der Bredouille zu stecken. Denn es wird am 1. April (kein Aprilscherz) ein Kredit in Höhe von 42,5 Millionen Dollar fällig. Börsianer zweifeln, ob der Händler das Darlehen zurückzahlen oder refinanzieren kann. Der Kurs ist unter die magische 1-Dollar-Marke gefallen. Ein weiteres Alarmzeichen ist, dass der Borders-Chef zurückgetreten ist. Borders ist nur noch 56 Millionen Dollar (akt. Kurs 94 Cent) an der Börse wert trotz eines Jahresumsatzes von 3,2 Milliarden Dollar.
Dagegen scheint die Lage bei Barnes & Noble noch recht solide zu sein. Der Börsenwert kommt immerhin auf gut einer Milliarde Dollar (aktueller Kurs 19,25 Dollar). Interessant ist nun, dass eine Übernahmeschlacht um Barnes & Noble entbrannt ist. So will der Investor Ronald Burkle seinen Anteil von bislang 19 auf nun 37 Prozent erhöhen. Als die geplante Anteilsaufstockung am Montag publik wurde, explodierte der Barnes & Noble-Kurs um 18 Prozent. Der Milliardär Burkle will mit aller Gewalt Aktien einsammeln. Seine Investmentfirma Yucaipa meldete die Absichten an die Börse und per Brief an den Aufsichtsrat. Die Gründerfamilie Riggio hält 37 Prozent des Grundkapitals und hat eine Giftpille hinterlegt, um sich vor anderen Aktionären zu schützen. Mehr als 20 Prozent soll kein anderer Anteilseigner halten dürfen, so die Regelung der Riggios. Burkle will sich dagegen zur Wehr setzen. Er bezeichnet die Abwehrmaßnahme als unfair.
Ich glaube, dass Burkle schnell seinen Bestand ausbauen will, bevor der Erzrivale Borders die Tore schließt. Denn dann dürften die Marktanteile des Konkurrenten zum Großteil auf Barnes & Noble entfallen. Wobei Sie auch berücksichtigen müssen, dass das traditionelle Buchgeschäft unter Druck gerät durch die neue E-Book-Readers von Amazon.com. Anderen Firmen wie Google oder Apple arbeiten ebenfalls intensiv an neuen e-Readers. Burkle hält trotz der elektronischen Buchlesegeräte Barnes & Noble für unterbewertet. Nun müssen Sie zum Börsenwert von rund einer Milliarde noch 300 Millionen Dollar Finanzschulden addieren. So ergibt sich ein Enterprise Value von 1,3 Milliarden Dollar. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) ist in der Tat mit 0,2 günstig. Sprich für einen Dollar Umsatz müssen Sie nur 20 Cent als Aktionär hinblättern. Ebenfalls ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 1,1 billig. Mit anderen Worten billigt die Wall Street nur zehn Prozent mehr als das reine Eigenkapital dem Unternehmen zu. Mit 15 erscheint mir jedoch das Gewinnvielfache (KGV) zu teuer.
Wenn Sie mich fragen: Ich würde keines der beiden Papiere derzeit kaufen. Es ist einfach zu unsicher. Und der Markt scheint langfristig unter Druck zu stehen. Vielleicht fusionieren ja auch beide Konkurrenten. Ob das langfristig hilft, die Dauerkrise durchzustehen, ist fraglich. Bei Borders ist der größte Aktionär die Investmentfirma Pershing Square Capital Management mit 17,7 Prozent. Hinter dem Investor verbirgt sich William Ackman. Ackman hält große Stücke auf den Einzelhändler Target. Außerdem ist er bei McDonalds, Wendys und Ceridian engagiert. Übrigens spendet Milliardär Ackman bereitwillig für wohltätige Zwecke. Heute veranstaltet er beispielsweise mit befreundeten Hedgefondsmanagern und Milliardären eine Vortragsreihe in Manhattan. Die günstigste Eintrittskarte kostet 1.000 Dollar. Der Erlös geht an eine Kinderstiftung. Falls Sie sich für das Meeting der Superreichen interessieren, hier ist der Link. Mehr zum Kampf um die Herrschaft über die Bücher finden Sie in der Dienstagsausgabe des „Wall Street Journals“.


tim schaefer (Author)

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