Banken stehen vor Erholung, das Schlimmste scheint überstanden


New York, 2. März 2012

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Rund um den Globus zeichnet sich bei den Banken nach jahrelangem Siechtum eine Bodenbildung ab. Jedenfalls deuten das die Aktien-Charts an. Mit Sicherheit kann man das natürlich nie sagen, aber es gibt zumindest ein paar Indizien, die für eine Erholung der Finanzhäuser sprechen.
1. Die Konjunkturkrise ist zum großen Teil durchgestanden. Die kritischste Phase nach dem Untergang von Lehman Brothers hat die Branche abgehakt. Wer dieses Chaos überlebt hat, ist jetzt aller Voraussicht nach über dem Berg.
2. Die Staaten standen (und stehen) den großen Banken zur Seite, wenn es darauf ankommt. Die EZB schießt kurzfristig massenweise Cash in die Bilanzen der Geschäftsbanken, wenn es brennt, wie sich vor wenigen Tagen gezeigt hat. Als die Commerzbank Ende 2008 in eine kritische Phase geriet, beteiligte sich Berlin an dem zweitgrößten deutschen Institut. Das stabilisierte die Situation. Es ging schließlich darum, Kunden, Anleger, Mitarbeiter und im Endeffekt das gesamte Finanzsystem zu festigen. Sie müssen wissen, dass neben harten Fakten die Psychologie der Menschen während einer Weltwirtschaftskrise die zentrale Rolle spielt. Kernaufgabe des Staates ist es in Panikphasen daher immer, für Ruhe (und nicht Angst) zu sorgen. Leider haben das bis zum heutigen Tag nicht alle einflussreichen Politiker begriffen.
3. Die großen Baustellen sind längst bekannt. Die Bilanzprobleme der Banken sind diskutiert worden und im Kurs eskomptiert.
4. Nun erhöhen die Institute ihr Eigenkapital. Kosten werden gekürzt, Töchter verkauft, frisches Kapital beschafft.
5. Die nötigen Abschreibungen auf Staatsanleihen von Wackelkandidaten wie Griechenland sind längst vorgenommen worden beziehungsweise bekannt. Wie Sie wissen, sitzt manch ein Bankhaus auf einem riesigen Berg kriselnder Staatsanleihen.
Oben habe ich den Chart der Deutschen Bank eingefügt. Der Kursverlauf sieht vielversprechend aus. Vorstandschef Josef Ackermann kann, wenn er zur Hauptversammlung den Stab an seine beiden Nachfolger übergibt, sicher sein, dass das Schlimmste überstanden ist. Die Turbulenzen des Jahres 2008 sind in den Frankfurter Zwillingstürmen abgehakt. Selbst die Schadenersatzforderungen von Kunden, die hypothekenbasierte CDO-Papiere kurz vor dem Platzen der Immobilienblase in den USA gekauft und mit diesen Investments hohe Verluste erlitten haben, sind publik. An vielen Stellen versuchen Leute wie Ackermann, zügig die größten Probleme vom Tisch zu bringen, um endlich nach vorne blicken zu können. Die Fortschritte sind sichtbar. Es sind massive Fortschritte.
So verhandelt die Deutsche Bank derzeit exklusiv mit dem New Yorker Vermögensverwalter Guggenheim Partners. Die Frankfurter wollen ihre Vermögensverwaltung, die 400 Milliarden Euro managt, abgeben. Die Gespräche ziehen sich schon recht lange hin, sie wurden aber erst jetzt bekannt. Bei solchen Verkaufsprozessen wird üblicherweise ein Preis von 1,6 Prozent der verwalteten Assets bezahlt. Sprich 6,4 Milliarden Dollar sind bei einem Deal für Josef Ackermann drin. So kann er seine Bilanz stärken. An der renommierten Publikumsfondsgesellschaft DWS will Ackermann zumindest in Europa und Asien festhalten.
In dem Chart oben habe ich das Kurs-Buchwert-Verhältnis der großen Banken aufgelistet. Ich habe die Zahlen gerundet. Sie sehen, dass nur Wells Fargo mit 1,3 deutlich über dem Eigenkapital notiert. HSBC gibt es derzeit zum reinen Buchwert (1,0). Die anderen Häuser sind mit einem erheblichen Discount zum Eigenkapital zu haben. Gewiss kann es noch das eine oder andere enttäuschende Quartal geben. Wer aber einen langen Zeithorizont verfolgt, der sollte sich bei den Dickschiffen einmal umschauen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Banken stehen vor Erholung, das Schlimmste scheint überstanden

  1. willihope

    ja die bodenbildung sieht gut aus und spätestens jetzt sollte man schon sich umsehen!

    ich halte seit langem db, bnp, bsch, citi, boa, zusätzlich habe ich jetzt bestände in unicredit und erste group aufgebaut.

    bis auf 2 positionen sind alle aus dem minus ins plus (bis zu 12%) zurückgekehrt!

    was soll man sagen, wer sie nicht hat wenn sie fallen der hat sie auch nicht wenn sie steigen! 🙂
    kostolany sagte richtig, an der börse wird mit dem hintern geld verdient! bei einem richtigen invest muss man einfach von seiner idee überzeugt bleiben und das tief aussitzen!

  2. Matthäus Piksa

    Ich finde, die Notenbankpolitik handelt nach folgendem Prinzip: „Wenn du in einem Labyrinth oder einer Pyramide bist und nicht weißt wo der Ausgang ist, dann musst du tiefer eindringen.“ – Zur Erläuterung damit es keine Missverständnisse gibt: In diesem Fall meint Pyramide/Labyrinth das komplexe kapitalistische Wirtschaftssystem und die Handlungsanweisung tiefer einzudringen steht für das Anwerfen der Gelddruckmaschine.

    => Die Idee dieses Problemlösungsansatzes habe ich aus dem Film „The International“ mit Naomi Watts und Clive Owen. Der Film handelt von einem Interpol-Agenten und einer NewYorker Staatsanwältin, die sich auf die Spuren der Machenschaften einer international tätigen Großbank begeben und hat zugegebenermaßen einen leicht verschwörerischen Touch ohne aber auf die Nerven zu gehen.
    Auf der Internetseite http://www.imdb.com hat der Film nicht die allerbesten Rezensionen, ich habe ihn aber bereits zwei Mal gesehen und fand ihn nicht zuletzt wegen der Actionszene im nachgebauten Guggenheim-Museum sehr spannend! Ein Must-Have-Seen für jeden der sich für das Thema Finanzen begeistert. http://www.accesshollywood.com/first-look-recreating-the-internationals-guggenheim-museum_video_970561

    Gruß Matthäus!

    P.S.: Ich denke auch, dass die Börsen, jetzt da die deutschen Sparpolitiker ein für alle mal besiegt sind, auf lange Sicht nur eine Richtung kennen werden. Und zwar den nach oben!

  3. tim schaefertim schaefer

    @ willihope, das ist mutig mit den Banken und lustig beschrieben. Klar braucht man als Value-Jäger viel Geduld.

    Ich bin der gleichen Meinung: Wer Zeit und die Nerven hat, warum nicht jetzt rein? Die Banken werden regelrecht „gehasst“. Viele notieren zum halben Buchwert. Allerdings ist noch einiges an Sanierungsarbeiten (und Dividendenausfällen) zu befürchten.

    Was mich manchmal wundert ist, dass die Vorstände keinerlei Aktien privat kaufen. Bei der Deutschen Bank kauft niemand privat, da wird eher verkauft. Das ist schon erstaunlich…

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus,
    danke für den Filmtipp. Das sieht spannend aus bei den Dreharbeiten in der verfallenen Halle. Das Guggenheim in NYC ist in der Tat ein kultiges Schnecken-Haus. Allein das Gebäude an sich ist einen Besuch wert.

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