Banken im freien Fall, Gold im Höhenrausch


New York, 18. Juli 2011

In Washington sind die Verhandlungen über die Lockerung des Limits für Neuverschuldung ins Stocken geraten. Bis zum 2. August muss eine Lösung her. Es scheint, als ob die Republikaner und Demokraten mit dem Feuer spielen. Die Verhandlungen ziehen sich hin. An der Börse herrscht Sorge. Der Dow Jones sinkt. Gleichzeitig schnellt der Goldpreis auf über 1.600 Dollar je Unze. Wahnsinn! Handelt es sich um eine Situation wie damals beim Untergang von Lehman Brothers? Hätte die Regierung seinerzeit die marode New Yorker Investmentbank gerettet, wäre die Panik an den Märkten wohl ausgeblieben. Kommen Präsident Barack Obama und die Republikaner nicht zu Potte, kann ein neues Desaster drohen. Ich gehe nicht davon aus. Die Politiker dürften Vernunft walten lassen und nach einer Lösung suchen. Gottes Mühlen mahlen langsam in der Hauptstadt. Das mögen die Börsianer ganz und gar nicht.
Brutal unter die Räder gerieten vor allem die Banken in den vergangenen Wochen. Praktisch befinden sich alle Institute auf Talfahrt. Ob Goldman Sachs, JPMorgan oder Citi – die Kurse sind allesamt tief im Minus. Am schlimmsten abgestürzt ist das führende Haus, die Bank of America. Die Aktie ist ein Trümmerhaufen und notiert mittlerweile unter zehn Dollar. Jetzt haben wir das Einstiegsniveau von Hedgefondslegende John Paulson bei der Bank of America erreicht. Es gibt Mahner, die munkeln, ob Paulson aussteigen muss und weiteren Druck auf den Kurs ausüben könnte. Für Anleger mit Geduld halte ich die Finanzindustrie für aussichtsreich. Obgleich es Jahre dauern kann, bis die Bilanzen wieder glänzen. Wer dem Braten mit den ausgebombten Banken nicht traut, der wartet am besten ab, bis die Insider im großen Stil die eignen Aktien kaufen. Das würde ich als ein überzeugendes Kaufsignal werten. Große Zukäufe der Vorstände habe ich in den vergangenen Tagen noch nicht gesehen. Bei der Bank of America gab es in den vergangenen Monaten hier und da vereinzelt Zukäufe, aber der große Deal war nicht darunter. Beispielsweise hier, hier und hier. Bei der Citi und anderen Banken gab es ebenfalls erste vorsichtige Orders. Vielleicht fließen bald größere Summen. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Was den Banken zu schaffen macht, sind regulatorische Reformen. Überdies ist die Finanzlage der Verbraucher weiterhin wackelig, weil der Arbeitsmarkt nicht in Schwung kommt. Zuletzt stieg die Arbeitslosenquote von 9,1 auf 9,2 Prozent. Nur langsam erholt sich die US-Wirtschaft. Es wird Jahre dauern, bis die Arbeitslosenquote auf einem soliden Niveau angekommen ist. Selbst jene, die in Lohn und Brot stehen, leiden: Viele amerikanischen Arbeitnehmer müssen ihren Gürtel enger schnallen. Es gibt abgespeckte Boni, die Chefs schießen weniger Geld für die Krankenkasse und Altersvorsorge zu. Die Jobs sind nach wie vor nicht wirklich sicher. Langfristig dürfte sich aber die Lage aufhellen. Man braucht an der Börse einfach Geduld. Aber nicht nur in den USA brennt es, auch in Europa. So hat sich der Kurs der Commerzbank dieses Jahr halbiert. Die gelbe Bank befindet sich im freien Fall. Bleibt zu hoffen, dass kein neues Lehman-Drama irgendwo auf dem Globus los geht. Ich gehe jedenfalls nicht davon aus. Gold ist ein sicherer Hafen – derzeit jedenfalls. Wenn ich mir all die Krisenherde anschaue, dann ist wohl Gold mit 1.600 Dollar je Unze regelrecht günstig taxiert. Griechenland, USA, Irland, England, Italien, Spanien, Portugal, China und so weiter. Nicht zu vergessen all die Kriege und Aufstände in Libyen, Irak, Afghanistan, Ägypten… Nirgendwo zeichnen sich schnelle Lösungen ab. Kurzum einen Goldpreis von mehr als 2.500 Dollar halte ich für möglich.


tim schaefer (Author)

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