Banken: Der Ruf ist ruiniert


New York, 24. Juli 2012

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„Es dauert 20 Jahre, um eine gute Reputation aufzubauen und fünf Minuten um sie zu ruinieren. Wenn Du darüber nachdenkst, wirst Du anders handeln.“ Wissen Sie, von wem das Zitat stammt? Von Warren Buffett. Von dem Börsengenie gibt es so viele herrliche Lebensweisheiten.
Auf Buffett hätten wohl besser die Banker gehört. Die haben ihren Ruf komplett ruiniert. Wer glaubt noch einem Banker? Wie groß ist das Vertrauen in der Bevölkerung? Es hat brutal gelitten. Nach dem Platzen der Immobilienblase, nach den dubiosen Hypothekenpapieren (CDOs), nach Insiderskandalen, dem Libor-Zins-Betrug, nach den abgestürzten Aktienkursen, angeschlagenen Bilanzen, kaputten Immobilienfonds?
Der Finanzbranche geht es so wie der Automobilindustrie in den 1970er Jahren in den USA. Auf einmal stagnierte es, die Amerikaner verloren die Freude an den heimischen Fahrzeugen und kauften lieber japanische oder deutsche Autos. Seither kämpfen die US-Autohersteller vergebens um ihr Image. Praktisch seit 40 Jahren!
Ich frage mich, wer die Lücke der angeschlagenen Universalbanken dies- und jenseits des Atlantiks schließen kann? Die Japaner wohl kaum. Sind es die kleinen regionalen Banken? Oder gelingt den Schlachtschiffen doch noch der Anschluss?
In Deutschland ist die Commerzbank auf dem besten Weg ein Pennystock zu werden. Es ist einfach erschreckend zu sehen, wie viel Porzellan hier zerschlagen worden ist und wie sich der Vorstand gleichzeitig eine fette Gehaltserhöhung genehmigt hat. Es ist kaum zu glauben, was sich in den Vorstandsetagen abspielt. Es fehlt einfach das Fingerspitzengefühl. Wenn die Geschäfte wieder besser laufen, haben die Aktionäre gegen ein höheres Gehalt sicherlich nichts einzuwenden.
Bei den Flaggschiffen wie der Deutschen Bank frage ich mich, ob es ihnen nicht doch gelingt, den Turnaround einzuläuten – spätestens wenn die Europäer endlich ihre Staatsschulden und Konjunkturkrise in den Griff bekommen. (Die Hoffnung stirbt zuletzt.)
Oder nehmen Sie die Citigroup. Die New Yorker verdienten im vergangenen Jahr über elf Milliarden Dollar nach Steuern. Nur eine Handvoll Konzerne erwirtschaftet mehr Geld. Vielleicht sind es zwölf oder 15 Unternehmen in den USA. Mehr aber nicht. Insofern ist die Börsenbewertung mit 74 Milliarden Dollar für die Citi schon ein Witz. Es ist eben die Unsicherheit. Die Sorge vor neuen Horrornachrichten, die den Kurs drückt. Die Citi notiert fast 60% unterhalb des Buchwerts. Ähnlich niedrig ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei der Deutschen Bank.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Banken: Der Ruf ist ruiniert

  1. willihope

    ja totale sauerei die fetten lohnerhöhungen bei der commerzbank!
    hat der aufsichtsrat das abgesegnet? vermutlich bekommen die sauberen herrn jetzt auch mehr „aufwandsentschädigung“!
    wieso aber geht das durch wenn der staat da beteiligt ist?

    da muss ich raus bei nächster gelegenheit, wenn das management den laden zur selbstbedienung betreibt dann will ich da nicht investiert sein!

    citi und db sind recht günstig zur zeit, habe letzte woche auch wieder nachgelgt, natürlich jetzt im minus aber auf jahresfrist gesehen – was solls! 🙂

  2. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    Es ist natürlich nicht die alleinige Schuld von Herrn Martin Blessing, dass die Commerzbank derart abgestürzt ist. Das muss ich fairerweise sagen. Es ist nur schade, dass zu einem wirklich ungünstigen Zeitpunkt das Gehalt massiv erhöht wird. Das versteht doch kein Aktionär.

    Die Aktie jetzt auf diesem ausgebombten Niveau zu verkaufen – ich weiß nicht so recht? Ich versuche es in diesem Blog grundsätzlich zu vermeiden, Aktien zum Kauf oder Verkauf zu empfehlen.

    Ja, der Staat als Commerzbank-Großaktionär (25%) hat der Gehaltserhöhung zugestimmt.

    VG
    Tim

  3. GertGert

    Was mich ganz generell an sehr großen Konzernen stört, ist die Tatsache, dass die defakto niemanden mehr gehören, wenn es keinen Großaktionär gibt. Der Vorstand verfährt (fast) nach belieben. Der Aufsichtsrat hat keine Ahnung, ist in Interessenskonflikten verstrickt oder unterliegt politischer Einflussnahme. Der „normale“ Aktionär hat keinerlei Einfluss, obwohl ihm in Summe der Laden gehört. Das kann doch nicht gut gehen.

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Gert,

    das stört mich auch.

    Familienunternehmen planen langfristig, sie haben meiner Meinung nach mehr Verständnis für den „kleinen Mann“.

    Bei den Großkonzernen ohne wichtigen Aktionär verliert das Management in der Tat schnell das Gespür, was die Kleinaktionäre bewegt.

    VG
    Tim

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