Bankbilanz: Ein Buch mit sieben Siegeln


New York, 23. August 2013

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Vor fünf Jahren flog uns die Finanzkrise um die Ohren. Massenarbeitslosigkeit, Konkurse, Panik, Kursbeben. Ausgelöst wurde das Desaster durch rücksichtslose Zockerei, Schuldenmacherei und Intransparenz. Ja, ein Schuss Gaunerei war mit dabei. Libor-Betrug, Steuertricks, CDO-Schwindel und so weiter.
Unsere Banken versprechen, sie wollen besser werden. Der Kunde steht wieder im Mittelpunkt. Ethik. Nicht mehr der schnelle Reibach.
Ist es besser geworden? Keine Ahnung. Ich hoffe mal. Ich blicke jedenfalls nicht durch. Wenn ich mir den Geschäftsbericht der Deutschen Bank anschaue, verstehe ich nur Bahnhof. 500 Seiten. Endlose Zahlenkolonnen. 322 Tabellen. Kauderwelsch.
Ich frage mich, wo der Nutzen sein soll. Wo ist die Transparenz geblieben? Die Frankfurter bringen bestimmt nächstes Jahr einen Bericht heraus, der 1.000 Seiten umfasst. Was machen die eigentlich? Nicht mehr ganz normales Banking? Die Regulierung hat versagt, weil kein Mensch den Kram versteht.
Bei der Konkurrenz ist die Intransparenz ähnlich ins Kraut geschossen. Die Commerzbank hat 359 Seiten gefüllt. Sie hat noch Luft nach oben mit Blick auf den Seitenumfang.
Ich finde, in einer komplexen Welt sind einfache Fakten gefragt. Alles andere ist sinnlos.
Grundsätzlich sind Banken rund um den Globus nach der Finanzkrise aus Value-Gesichtspunkten günstig. Manch ein Riese notiert weit unter Buchwert.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Bankbilanz: Ein Buch mit sieben Siegeln

  1. Lennart

    Hi Tim,

    genialen Blog den Du hier hast, bin echt nen riesen Fan!

    Was ich nicht so ganz nachvollziehen kann, ist Deine Überzeugung, dass Banken, welche explizit Investment-Banking betreiben, unter Value-Gesichtspunkten günstig sind. Woher will man das wissen, wenn man die Bilanzen nicht mal mehr ansatzweise nachvollziehen kann? Der Buchwert ist unter diesen Umständen ja nicht wirklich belastbar… Müsste man nicht ehrer sagen: Investment-Banken sind völlig unberechenbar?

    Viele Grüße
    Lennart

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Lennart,

    danke für das Lob. Das ist eine gute Frage.

    Ich denke, unsere Banken werden nach dem Knall im Jahr 2009 besser von den Regulierern durchleuchtet.

    Es stimmt, wir Privatanleger können nicht durchblicken. Wie kommt die „Tier 1-Kapitalquote“ zustande? Wie viel Geschäft sichert die Münchener Rück ab? Wie wird das Eigenkapital ermittelt? Wie viel Risiko steckt in der Bilanz?

    Zum Beispiel hat die Deutsche Bank seit langer Zeit eine extrem niedrige Eigenkapitalquote. Führende US-Banken haben hier deutlich mehr Substanz zu bieten.

    Aber: In jeder Schwäche liegt grundsätzlich eine Chance. Eine schlechte Reputation kann verbessert werden. Es ist viel Arbeit nötig und dauert lange.

    Fazit: Ich kann es nicht beurteilen. Verstehe nur Bahnhof. Ich besitze keine DB-Aktien.

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