Aufstieg und Fall von Apple: Wenn die Herde rennt


New York, 5. März 2013

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Erst kam der kometenhafte Aufstieg. Was folgte, war der Kollaps. Die Apple-Aktie zeigt eindrucksvoll: Auf dem Börsenparkett spielen die Gefühle verrückt. Rational lässt sich im Endeffekt nie ein Kursverlauf erklären. Denn die Gefühle spielen immer eine Rolle. Es ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Gier und Angst.
Es war viel Euphorie im Spiel. Steve Jobs wurde geradezu vergöttert. Keine Frage, Jobs war ein außergewöhnlicher Mensch mit bahnbrechenden Ideen. Doch schläft die Konkurrenz nicht. Nun scheinen die Ideen vorerst auszubleiben.
Als der Hype im Gange war, raste die Apple-Aktie immer schneller auf neue Rekordhöhen. Ein Hedgefonds nach dem nächsten ging an Bord. Alle waren happy. Pensionskassen, Privatanleger, Fondsmanager. Sie stiegen ein, weil es eben alle taten. Es war schick, Apple im Depot zu haben. Mit so einem tollen Firmennamen sah das Portfolio einfach besser aus. Es bekam Glanz, etwas Modernes. Wie der Porsche vor der Villa war Apple ein Statussymbol für jedes Depot. Es war am Ende viel heiße Luft in dem Kurs, es war ein Momentumtrade. Nichts weiter. Eine Trendfolge.
Das kann eine Zeitlang wie eine Goldgrube sein. Solange stetig neue Anleger auf den Zug springen, lässt sich Geld im Schlaf verdienen.
Irgendwann kommt es zur Überhitzung. Fundamental lässt sich die Bewertung ab einem bestimmten Punkt nicht mehr rechtfertigen. Wenn neue Anleger fehlen, die zugreifen, entweicht schnell die Luft. Das geht so schnell, dass man kaum reagieren kann.
Wenn ein paar mächtige Anleger vom fahrenden Zug springen, kann die Herde fluchtartig flüchten. Es waren die wichtigen Hedgefonds in dem Titel versammelt. Sie bunkerten zig Milliarden. Ein paar wenige zittrige Geldzauberer reichen aus, um einen massiven Druck auszulösen.
Bedenken Sie, dass Konsumelektronikanbieter seit Jahrzehnten ständig pleite gehen. Es ist fast wie bei der Airlineindustrie. Jedenfalls handelt es sich um ein beinhartes Geschäft mit dünnen Margen.
Denken Sie an abgestürzte Kurse von Blackberry, Nokia, Dell, Loewe AG… An Pleitefälle wie Grundig. Bei Fernsehgeräten, PCs, Druckern oder Handys sind die Margen nicht so üppig im langen Schnitt.
Hinzu kommt bei Apple: Das Genie Jobs ist gestorben. Diese außergewöhnliche Kreativität fehlt.
Praktisch bietet jeder Hardwarehersteller jetzt Tablets und Smartphones an. Die Preise werden von Tag zu Tag billiger, während die Produkte leistungsstärker werden.
Was lernen wir daraus? Wenn eine Aktie von allen regelrecht geliebt wird, sollten Sie vorsichtig werden, an den Ausstieg denken. Erinnern Sie sich noch an EM.TV oder an AOL während der Dotcom-Blase?
Eine Schlüsselfrage bei Apple ist: Wann endet die Panik? Ein Boden hat sich im Chart noch nicht ausgebildet.
Die viel zitierten 130 Milliarden Dollar in der Kasse sind ja gar nicht netto verfügbar. Es liegt der Löwenanteil des Geldes im Ausland. Ohne hohe Steuernachzahlungen (Strafgelder) lässt sich das Cash nicht in die USA zurückholen.
Foto: Pressefoto vom Kreml. Rechts auf dem Foto ist Steve Jobbs, links Dmitri Medwedew, Ministerpräsident der Russischen Föderation, zu sehen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Aufstieg und Fall von Apple: Wenn die Herde rennt

  1. willihope

    erst bei rund 200 dollar ist apple „normal“ bewertet!

    die die bei 700 dollar eingestiegen sind werden ihr geld nie wieder sehen, die deutsche telekom lässt grüssen.

  2. Martin

    Apple bilanziert relativ konservativ im Vergleich zu anderen Technologieunternehmen wie z.B. Groupon. Als ich das letzte Mal in die Bilanz geschaut habe, wurde die bei Rückführung des Cash zu zahlende Steuer bereits als Verbindlichkeit ausgewiesen. Das ist ein sehr billiger „Kredit“ und zudem kann der Cash sich im Ausland auch schön akkumulieren z.B. kann Apple auch im Ausland Assets kaufen.
    Muss man denn zum Aktienrückkaufen das Geld unbedingt in die USA bringen? Bei Dividenden ist es klar.

  3. stevoxx

    Wie wahr Tim.
    Ich erinnere mich nur zu gut an EM.TV, welche gleichzeitig mein Einstieg in die Aktien waren. Als Neo-Student stieg ich am Höhepunkt des Hypes ein und konnte live mit ansehen wie mein Geld weniger und weniger wurde…
    Irgendwo habe ich einmal den Auftritt von Kostolany in einer NDR-Talkshow gefunden. Diese ab und zu anzuschauen kann sehr hilfreich sein:
    Kostolany

  4. Michael C. Kissig

    Apple hat seine Innovationskraft eingebüßt. Aktuell heißt es noch, man werde die Ideen und Produkte, die noch von Steve Jobs' stammten, bis Ende 2014 voranbringen und dann eigene, neue innovative Produkte lancieren. Naja… bisher gab es lauwarme Warmups bekannter Produkte, man könnte es als Face-Lift bezeichnen. Innovativ sieht anders aus. Und anders als bei Smartphones mit Touchscreen würde Apple bei TV-Geräten in einem knallharten und margenschwachen Markt antreten und nicht als Trendsetter allen anderen eine Nasenlänge voraus. Und mal ganz ehrlich: was braucht man eine iWatch? Noch ein Gerät, das mir die gleichen Daten (oder sogar nur einige davon) anzeigen kann, wie iPhone, iPad etc? Damit kanibalisiert man nur seine margenstarken eigenen Produkte. Kann man sich bei den Zahlen zu iMac oder MacBook ansehen, wie das iPad dort Schneisen in die Verkaufszahlen zieht (auch wenn andere Hersteller noch ärger getroffen werden).

    Apple war einfach viel zu hoch bewertet, das eingepreiste Wachstumstempo konnte das Unternehmen gar nicht dauerhaft bringen. Nun findet eine Neubewertung statt und die tut weh. Aber wer hätte Apple denn noch kaufen sollen? Tim hat es ausgeführt, die Großen war längst massiv investiert, die Kleinanleger auch. Und wenn alle Apple-Aktien haben, wer kauft dann die übrigen? Denn nur dann steigt doch der Kurs. Als ein paar Große angefangen haben zu verkaufen in einem käuferleeren Apple-Markt, gings rasant bergab. Und das war, als der Apple-Hype (bzgl. der Produkte) noch voll intakt war. Das ist jetzt nicht mehr der Fall, Apple ist nicht mehr unangreifbar und unverwundbar. Die Konkurrenz hat aufgeholt und ist teilweise an Apple vorbeigezogen. Und die Kunden fragen sich, weshalb sie für zweitklassige Produkte einen so hohen Preis bezahlen sollen. Nur wegen des Logos und des – nicht mehr ganz so tollen – Images? Doch wer ans Wechseln denkt, lernt schnell die negative Siete des Apple-Systems kennen: es ist abgeschottet. Die vielen Apps und Downloads, die kriegt man nicht ohne wweiteres (eigentlich gar nicht?) auf Produkte der Konkurrenz. Und das ist genau so lange egal, wie man im Apple-Himmel auf Wolke Sieben schwebt. Setzt der Rausch aus, kommt die Ernüchterung. Und nicht selten schlägt das in Ärger um, weil man dann merkt, wie abhängig man von Apple geworden ist und wie schamlos die einen ausbluten.

    Ich schreibe dies übrigens an einem MacBook Pro (das ich allerdings ausschließlich mit Win7 betreibe). Mein iPhone habe ich nach wenigen Monaten wieder verkauft und bin zurück zu meinem BlackBerry gewechselt. Die weigen Macken mit der iClound, doppelten Terminen, gekillten Kontakten, verschwundenen Emails etc. war ich schnell leid. Und ich werde mir sicherlich kein iCar zulegen, kein iTV und auch kein iKlo.

    Unterm Strich werde ich nicht in Aplle investieren. Das Risiko ist zu groß und um die Produkte zu kaufen, brauche ich nicht Aktionär zu sein. Es gibt massenhaft Aktien, die ggü. Apple ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen. Wozu also in eine drittklassige Aktie investieren?

  5. Anna

    Ich habe mal in meinen Unterlagen gekramt:
    Apple
    Kauf am 7.12.05 für 62,49 Euro
    Verkauf am 8.5.07 für 76,40 Euro
    Im Juli 06 war der Kurs auf ca. 50 Dollar abgestürzt. Deshalb war ich froh als der Wert wieder stieg und habe mich zwecks Schadensvermeidung getrennt.

    Wenn ich heute das betrachte, dann hätte ich halten sollen und bei 500 Euro verkaufen müssen und den ganzen Gewinn einstreichen können.
    Aber: Hätte der Hund nicht …, hätte er den Hasen erwischt.
    Apple war für mich eine Depotleiche. Aber man soll die Leichen ruhen lassen, manche werden wieder sehr lebendig. Ich habe einige Beispiele.
    Die paar Zehntel Performanceverbesserung bringen es m.E. nicht.
    VG Anna

  6. Peter

    Bin seit 1986 Apple Nutzer. Es will mir bis heute nicht in Kopf wieso irgendjemand, irgendwo nur auf die Idee kommen könnte Windows zu benutzen

    Apple ist eine Irre Cashmaschine. Den IW sehe ich bei ca. 600 USD. Einstieg mit einer Sicherheitsmarge von 50 % bei 300 USD.

  7. stevoxx

    ja, das i wurde doch recht inflationär…..
    ipod, iphone, icar, itv, ipad…….
    Da passt der Werbespotaus dem Jahre 1984 wohl nicht mehr ganz…..
    think different sieht anders aus.

  8. Graf Dracula

    @Peter

    Den nutzen von Windows halte ich auch für fraglich. Was konkret hat das mit der Firma Apple zu tun? Die Antwort ist mir durchaus bekannt, Du spielst auf MacOS an. Allerdings ist das nicht der einzigste Weg, an Windows vorbeizukommen. Genau dies wurde allerdings von der Fa. Apple gerne suggeriert.

    Bei mir läuft ein Debian-basiertes Betriebssystem. Und damit bin ich sehr zufrieden, weil mir weder die Firma Microsoft noch die Firma Apple vorschreiben kann, welche Software ich nutzen kann und möchte 🙂 Das ist für mich think different… 🙂

  9. StefanStefan

    Ihr vergesst, dass der Durchschnitts PC-Nutzer eben seit Jahren an Windows Produkte gewöhnt ist. Die wenigsten sind in der Lage (oder Willens) ein anderes System wie z.B. Linux zu benutzen. Außerdem ist man damit Außenseiter und hat immer mal wieder mit Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen. Mit Word, Excel und Power Point kommt man in der ganzen Berufswelt prima zu recht.

    @ Anna:
    Das ist aber echt bitter, dass du so früh verkauft hast. Ich finde es immer viel schlimmer solche Kursanstiege zu verpassen als auf Verlusten zu sitzen. Das hält mich auch schon lange davon ab meine elendigen Allianz Aktien zu verkaufen. Obwohl es vielleicht besser wäre…

    Für mich kommt Apple als Investment absolut nicht in Frage. Egal zu welchem Preis. Ich traue mir nicht zu zu sagen wann sie billig sind und wann bzw. ob sie wieder nach oben drehen. Nach unten ist viel Luft drin. Siehe Nokia…

  10. Markus

    Ich glaube so langsam kommt man wieder in die Region wo man von einem mehr oder weniger fairen Preis sprechen kann. Allerdings immer unter der Annahme dass es auch in Zukunft noch genügend Innovationen gibt die das Wachstum aufrechterhalten…

  11. Graf Dracula

    @Stefan:

    Jepp. Und vielen fehlt schlicht und einfach eine gehörige Portion Neugierde. Nicht allen wird es spass machen, zig Mailclients auszuprobieren und sich dann für den zu entscheiden, welcher dem Nutzer am meisten zusagt. So bin ich fan von Sylpheed geworden, weil es nicht mehr kann als nötig und für meine Begriffe sehr einfach und intuitiv zu handhaben ist.

    @Markus

    Schwer einzuschätzen. Das grösste Problem dürfte sein, dass der Erfolg von Apple auf extrem wenigen Produkten beruht und dieser sich genauso schnell wieder verflüchtigen kann, wie er kam. Das ist in der Branche eher die Regel denn die Ausnahme.

  12. Martin

    Apple hat jetzt ca. 0% Wachstum bzw. Margenrückgang eingepreist. Es kann aber noch schlimmer kommen und der Umsatz schrumpfen, obgleich es sich bei Smartphones noch um einen Wachstumsmarkt handelt. Ich habe z.B. noch kein Smartphone sondern spezialisierte Geräte wie PC, Tablet, Handy, Navi, Uhr, Fernseher, Kamera, Laptop, Wecker etc.

  13. stevoxx

    Habe gerade diese wirklich hervorragend gemachte Präsentation zu Steve Jobs gefunden, die den Visionär Steve Jobs deutlich macht. Lohnt sich anzuschauen!
    Link Präsentation

  14. Christian

    Und die Herde läuft schon wieder in die Gegenrichtung …
    Ich persönlich glaube nicht, dass Apple noch viel tiefer sinkt, aber den idealen Einstiegszeitpunkt wird man auch hier wieder erst Monate später erkennen! [Wer einen charttechnisch geradezu idealen Einstiegszeitpunkt sucht, sollte sich Eon anschauen, die 12,50 Euro haben sich als unüberwindlich erwiesen; andererseits ist hier das Aufwärtspotential auch eher begrenzt …]
    Die Äußerungen von Michael Kissig kann man möglicherweise als Kontraindikator sehen, ähnlich hat er sich vor etwa einem Jahr auf seinem Blog über meine damalige Empfehlung RIM geäußert!

    Abgesehen davon, warum unbedingt die Smartphonefabrikanten kaufen? Haben im Goldrausch nicht auch die Schaufelhersteller am meisten profitiert? Wie wäre es also mit auf die Smartphones spezialisierten Chipherstellern und -designern wie ARM Holdings? Der Wert ist zwar extrem hoch bewertet (erwartetes KGV für 2013 bei etwa 51!), aber sein Geld wert. Ich jedenfalls bin seit drei Jahren extrem zufrieden mit der Kursentwicklung … [Der Wert hat sich in dieser Zeit bequem verfünffacht!]

    Und Tim – weiter so, die Richtung stimmt!

    Christian

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