Assetblasen so weit das Auge reicht


New York, 12. Februar 2013

Das billige Geld der Zentralbanken, das gemeinhin als Gelddruckerei bezeichnet wird, treibt alle wichtigen Assetklassen auf immer neue Höhen. Staatsanleihen stehen hoch im Kurs. Experten warnen vor einem Platzen der Blase bei den Anleihen. Aktien eilen auf Rekordstände. Gold hat einen euphorischen zwölfjährigen Wettlauf hinter sich. In Westeuropa boomt der Immobilienmarkt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Die Liquidität sucht ständig nach neuen Wegen.
Weil sich mit Cash keinerlei reale Rendite erzielen lässt, macht es ja durchaus Sinn, die Liquidität zu investieren. Unter dem Kopfkissen oder auf dem Sparbuch setzt man seine Ersparnisse in der Tat der Inflation aus. Das Geld fließt derzeit überall hin. Sogar seltene Kunstwerke erleben eine Jahrhundertrallye. Die Menschen haben eben Angst vor der Inflation.
Nur ist in diesem gegenwärtigen Assetboom (Gold, Immobilien, Aktien, Anleihen, Kunst) Vorsicht geboten. Sie sollten nicht in eine Assetklasse wie etwa Aktien zu 100 Prozent hineinstürmen. Es ist ratsam, das Vermögen auf mehrere Pfeiler zu verteilen. Seien Sie umsichtig.
Ich habe mein Vermögen zu 40 Prozent in Aktien, zu 50 Prozent in Immobilien und zu zehn Prozent in Liquidität gebunkert. Innerhalb der Aktienkategorie habe ich eine breite Streuung in Länder (Währungsräume) und Branchen (Energie, Software, Lebensmittel, Finanzdienstleistung) vorgenommen. Ich finde, meine Allokation ist einigermassen ausgeglichen. Wenn eine Assetklasse zusammenbrechen sollte, habe ich andere sichere Häfen zur Verfügung.
Wir befinden uns in einer sehr volatilen Zeit. Es kann jederzeit ein Assetballon platzen. Es gibt keinen Vollkaskoschutz vor einem Crash. In einem solchen Fall wären Sie schlecht beraten, wenn all ihr Geld genau in dieser einen betroffenen Assetklasse stecken würde, die abstürzt.
Gleichzeitig ist es meiner Meinung nach ratsam, so wenig Umschichtungen wie möglich vorzunehmen. Zu Nervosität oder Hektik besteht niemals ein Grund. Überlegen Sie intensiv, bevor Sie große Entscheidungen treffen. Ich würde immer Experten (eventuell aus der Familie, dem Freundeskreis) hinzuziehen.
Wenn ich mir die Situation in Deutschland anschaue, wäre ich vorsichtig mit Neuengagements im Immobilienmarkt. Es gibt erste Hinweise für eine Übertreibung.
Ich rate grundsätzlich davon ab, sich bis unter die Halskrause zu verschulden und auf Pump in Aktien oder Immobilien zu investieren. Ich finde, vor Schulden sollte jeder Respekt haben – auch wenn die Zinsen gerade extrem niedrig sind.
Ich fand den Rat von Ray Dalio merkwürdig, ein Darlehen aufzunehmen und sofort das Geld in Assets zu investieren. Ich schätze den New Yorker Hedgefondschef, aber in diesem Punkt stimme ich nicht mit ihm überein. Sie müssen wissen, dass Dalio den größten Hedgefonds der Welt betreibt. Was er sagt, hat eigentlich Hand und Fuss. Regierungen vertrauen ihm unglaubliche Summen an.
Anders ausgedrückt leuchtet mir es ein, in Spanien oder Italien in einem Küstenabschnitt, der von der Rezession hart getroffen wurde, Immobilienkäufe zu erwägen. Vielleicht sind Mallorca oder Ibiza ein Schnäppchenparadies geworden. Wer sich dort umschaut, sollte ein Insider sein und das Objekt vernünftig nutzen oder vermieten können.
Für einen Amerikaner macht es womöglich Sinn, in Florida oder Las Vegas zuzuschlagen – in Gegenden, die besonders heftig abgestürzt sind. Hier gibt es massenweise Insolvenzfälle.
Mit einer besonders großen Hypothek jetzt in Frankfurt, Stuttgart oder Hamburg auf Shoppingtour zu gehen, halte ich indes für brisant. Bis zur Halskrause würde ich mich nie verschulden. Schon gar nicht würde ich Haus und Hof verwetten.
Übrigens ist in Arizona eine regelrechte Jagd auf insolvente Immobilien ausgebrochen. In manchen Regionen ist in dem Wüstensaat jedes 509. Haus von einer Pleite betroffen. Das sollte uns alle zum Nachdenken bringen. Ein paar clevere TV-Leute haben aus den Versteigerungen eine TV-Dokumentation entwickelt.
Es ist schon erschreckend, wenn wir uns überlegen, dass weltweit 197 Millionen Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Weitere 39 Millionen Menschen kommen hinzu, die schlicht aufgegeben haben, nach einem Job zu suchen. 7,8 Prozent sind in den USA arbeitslos, in der Eurozone sind es 11,8 Prozent. Nach wie vor steckt die Weltwirtschaft in großen Problemen.
Der New Yorker Fed-Chef William Dudley hatte sich Ende 2012 in einer Gastrede vor Studenten der „Pace Universität“ fürchterlich über die hohe Arbeitslosigkeit in den USA beklagt. Ich erlebte seine Rede in der Uni und war beeindruckt, mit welch harschen Worten er die Tragödie auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt beschrieb. Diese Finanzkrise hat viele Leben, viele Familien ruiniert.
Dass inmitten dieser Tragödie das Geld nach neuen Anlagechancen sucht, löst schon ein merkwürdiges Gefühl in mir aus. Es ist seltsam. Des einen Leid ist des anderen Freud.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Assetblasen so weit das Auge reicht

  1. Peter

    So schön Immobilien auch sind, das Thema ist nicht ganz einfach, wenn man wie ich keine Hypothek aufnehmen will (und als Freiberufler auch gar keine bekommen würde). Während jedermann 0,0000000000000000000001 Prozent (wahrscheinlich fehlen ein paar Nullen) von einem börsennotierten Unternehmen kaufen kann, kauft man Immobilien ganz oder gar nicht – es sei denn, man betrachtet REITs als Immobilien-Investment. Also habe ich zwangsläufig nur Aktien und Liquidität, weswegen ich mich ein bisschen unterdiversifiziert fühle…

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Peter
    Sorgen machen würde ich mir keine. Solange Du keine Kreditpakete zum Spekulieren aufnimmst und solide Aktien besitzt, ist das kein Problem meiner Meinung nach. Wichtig ist, im Depot ein wenig Streuung zu haben.

    Sollte es zu einer Korrektur an der Börse kommen und die Kurse um 15 % absinken, einfach aussitzen. Nicht nervös werden. Eher dazu kaufen.

    VG
    Tim

  3. Martin

    Ich habe 95% Aktien und 5% Cash.

    Mit Aktien decke ich allerdings auch Immobilien ab, da dies billiger als Fonds (kein Ausgabeaufschlag, Kurs unter NAV) und besser diversifiziert als Einzelobjekte ist. Auch decke ich mit Aktien Rohstoffe ab, indem ich in Firmen mit Reserven investiere. Das kann wegen konstanter Fixkosten eine gehebelte Wette auf steigende oder konstante Rohstoffpreise sein. Denn die Rollkosten und die Komplexität von Futures für die Rohstoffanlage mag ich nicht so und für diversifizierte physische Anlagen fehlt es mir an Kleingeld.

    Selbst Anleihen werden z.B. durch Investition in konservative Rückversicher oder in Investmentfirmen unter NAV bei mir abgedeckt. Bei Apple sind z.B. auch Anleihen der USA mit drin. Ansonsten ist mein Depot weltweit gestreut, wobei Euroanlagen durch meinen Homebias mehr als 1/3 ausmachen.

  4. Thomas

    Hallo Herr Schäfer,

    zu den Immobilien auf Mallorca bzw. Ibiza möchte ich als langjähriger Wahl-Mallorquiner folgendes anmerken: Hier sind die Immobilienpreise keineswegs durch die Krise gesunken. Von Schnäppchen sind wir weit entfernt.

    Viele Objekte stehen teilweise seit 10 Jahren leer (also seit Zeiten vor der Krise) und die Besitzer wollen einfach nicht im Preis runter gehen. Sie haben viel Zeit. Meiner Meinung nach verkennen sie die Situation sogar.

    Immobilien sind hier nach wie vor überteuert, dafür dass die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist, besonders bei Jugendlichen. Dennoch geht es den Balearen wesentlich besser als dem Rest des Landes. Nur in Katalonien ist die Wirtschaftskraft noch höher. Der Tourismus ist nach wie vor extrem stark und mildert sie wirtschaftlichen Schwierigkeiten ab.

    Nur gibt es auch in Spanien einen Länderfinanzausgleich, der dafür sorgt, dass die Balearen einen großen Teil ihres erwirtschafteten Einkommens im Tourismus nach Madrid abtreten müssen.

    Schnäppchen findet man vermutlich eher auf dem Festland in Küstennähe.

  5. Kayo

    Sagt mal, ihr „Diversifizierer“, haltet ihr eure Auslandswerte in Euro oder in der Währung des Heimatlandes ?
    Ich meine, ist es besser beispielsweise eine Mc Donalds in Euro oder in Dollar zu haben ?

  6. Thomas

    @Kayo

    Wenn du eine ausländische Aktie kaufst, hast du immer die Auslandswährung als Risiko oder Chance. Im Depot zeigts dir halt die Aktie als EUR Wert an.

  7. Martin

    @Kayo: Würde da Kaufen, wo es nach Kosten am günstigsten ist. Die deutschen Broker nehmen üblicherweise noch ca. 0,25% Umrechnungsgebühren von Dollar in Euro und Handeln an ausländischen Börsen ist in der Regel teurer als in Deutschland. Dennoch kann der Kurs aufgrund eines niedrigeren Bid/Ask Spread besser sein als in Deutschland. Im Endeffekt macht es keinen großen Unterschied. US-Aktien würde ich z.B. in Deutschland nur kaufen wenn auch gerade die US-Börsen geöffnet sind, da dann der Spread geringer ist.

  8. Larry

    Kayo kauf in D und wenn deine Position in MCD mal so groß ist, dass du sie nicht mehr problemlos in D handeln kannst dann beauftrage deine depotführende Bank die Stücke auf US-Lagerstelle umzubuchen und gebe die Order in den USA auf! 🙂

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog
    Genau. Wertpapierkredite können einen in den Ruin treiben. In den USA gibt es genug Beispiele von großartigen Unternehmern, die über einen Kredit in eine Notlage gerieten.
    Etwa der Gründer des Erdgasgiganten Chesapeake Aubrey K. McClendon.

    @ Martin
    Das klingt sehr clever.

    @ Thomas
    Danke für den Insiderhinweis mit Mallorca bzw. Ibiza. Vielleicht ist es so, wenn diese Insellagen seit Jahren wegen der Krise stagnieren, dass sie in einem „normalen wirtschaftlichen Umfeld“ kräftig anziehen könnten.

    Thomas, Sie kennen sich dort besser aus als ich. Ich habe in dem Blogeintrag das einfach mal so von mir gegeben. Warum ich das tat? Deshalb: In New York wird es so meiner Meinung sein. In Manhattan stagnieren die Preise seit Jahren wegen der Wirtschaftskrise. Bekommt die Konjunktur endlich Rückenwind, denke ich, dass die Quadratmeterpreise in der Millionenmetropole durch die Decke gehen. Weil es eben nur begrenzten Wohnraum gibt. NYC ist eine enge Halbinsel. Dort ist fast jeder Quadratmeter bebaut. Auch lässt sich die Küstenlage in Spanien ja nicht ausdehnen.

    @ Kayo
    Ich würde also nicht nur deutsche Unternehmen ins Depot legen, sondern auch andere. Etwa US-Werte. Gerade derzeit macht es Sinn, wegen des starken Euro darüber nachzudenken, US-Werte abzustauben. Ich würde die US-Aktien ganz normal über eine deutsche Bank kaufen. Eine Order direkt an der New Yorker Börse aufzugeben ist nicht nötig, das kostet nämlich in der Regel mehr Gebühren.

    @ Larry
    Danke. Sehr gut.

  10. StefanStefan

    @ Martin:

    Danke. Wieder was gelernt. Ich wusste nicht, dass Bid/Ask geringer ist wenn die US Börsen geöffnet haben. Hatte mich bei meinem letzten Wells Fargo Kauf noch über den großen Spread gewundert…

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