Arme US-Rentner! Buffett-Trick: So sparen Sie sich steinreich


New York, 25. März 2011

Viele aus der kommenden Rentner-Generation müssen in ärmlichen Verhältnissen leben. Die staatliche US-Rentenversicherung, Social Security genannt, leistet nach einem Arbeitsleben nur eine Grundabdeckung. Eine durchschnittliche Monatsrente beträgt 1.177 Dollar. Auf das Jahr hochgerechnet sind das lausige 14.124 Dollar. Ein Witz! Die Armutsgrenze liegt für einen Single bei 10.890 Dollar in den USA. Im Klartext leben die künftigen Senioren nahe an der Armutsgrenze. Viele haben sich nämlich nicht privat abgesichert. Es herrscht Flaute. Es ist traurig zu sehen, wie die reichste Volkswirtschaft ihre Senioren behandelt. Eine neue Umfrage brachte zu Tage, dass 25 Prozent der Babyboomer gar keine Ersparnisse für das Rentendasein hat. 26 Prozent gab an, über gar keine Barmittel zu verfügen. Und in wenigen Jahren beginnt für diese Menschen das Rentenalter. Die New York Times hatte einen interessanten Fall geschildert. Oft bedeutet das Altersarmut. In Supermärkten können Sie hier Rentner antreffen, die die Regale mit Dosen auffüllen. In Solarien putzen sie die Liegen. Sie stehen in Ladengeschäften oder sitzen in Call Centern. Mein Rat, wenn Sie nix angespart haben: Fangen Sie sofort an. Man braucht ja gar nicht so viel anzusparen, um sich die Rente ein wenig aufbessern zu können. Angenommen, Sie haben 120.000 Dollar über die Jahre zurückgelegt. Sie haben die Kohle in mehrere hochsolide Standardtitel investiert. Die Dividendenrendite bringt Ihnen, sagen wir, vier Prozent per annum ein. Das macht zusätzliche 4.800 Dollar im Jahr oder 400 Dollar im Monat. Das Gute an diesem Aktiensparmodell: Sie würden als Rentner noch nicht einmal die Ersparnisse aufzehren. Das ist ein schönes Sicherheitspolster ganz nebenbei. 120.000 Dollar als Ersparnis kann zunächst für manch einen Leser sehr viel erscheinen. Das ist es aber gar nicht. Sie brauchen nur Geduld und Disziplin in der Ansparphase. Wenn Sie 20 Jahre lang 250 Dollar im Monat zurücklegen bei einer Miniverzinsung von drei Prozent (was extrem wenig ist), dann kommen Sie nach 20 Jahren schon auf 83.000 Dollar. Der Zinseszinseffekt macht es möglich! Erhöhen Sie die Sparleistung ein wenig und liegt der Zinssatz einen Tick höher, tendiert die Ablaufleistung Richtung 120.000 Dollar.
Am besten bauen Sie nach der Buffett-Methode Ihr Vermögen auf. Kern dieser Anlagephilosophie ist es nur in grundsolide Unternehmen zu investieren. Buffett vermeidet mit aller Macht, einen Verlust zu machen. Konkret heißt das: Eine Aktie wie Google oder Apple ist natürlich herrlich. Diese beiden Unternehmen haben einen riesigen Marktanteil und alles scheint super zu laufen. Dafür sind aber die Bewertungen (KGV, KBV etc.) für Buffett viel zu hoch. Einfach zu teuer für den Meister. Das mag er nicht. Er sucht super-niedrige Bewertungen stattdessen. Zudem meidet er nach Möglichkeit irgendwelche heißen Wetten. Buffett mag keine Turnaround-Kandidaten. Der Super-Investor würde keine Minenaktie kaufen. Er stuft dies als zu zyklisch ein. Er kauft am liebsten kontinuierlich agierende Traditionskonzerne oder Familienbetriebe mit einem niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Er achtet auf eine hohe Qualität der Produkte, zufriedene Kunden, ein gutes Management. Zu viele Schulden in der Bilanz mag Buffett gar nicht. Wenn das alles stimmt, dann steigt der beste Anleger aller Zeiten ein – und nie mehr aus. Diese Strategie sollten Sie umsetzen! Sie scheint recht einfach. Uns Börsianer fällt es leider so schwer, diese simplen Aspekte in die Tat umzusetzen. Denn wir sind soziale Wesen. Wir lassen uns von Trends, von unseren Freunden, Nachbarn, Bekannten beeinflussen. Und die mögen eben Aktien wie Baidu, Google, Apple und so weiter. So ist es leider. Ein weiteres Problem sind unsere Gier-Gefühle. Die Masse kauft lieber eine Aktie, die in Turbulenzen steckt und bei 1,00 Dollar notiert, als eine, die 40 Dollar kostet und solide läuft. Wir blenden gerne die Risiken völlig aus und sehen immer den nächsten Hochprozenter vor uns. Investieren müsste in der Schule gelehrt werden. Aber wer bildet unsere Lehrer aus? Der Staat? Hat jemand eine Ahnung, ob das Rentnerdasein in Deutschland viel besser aussieht? Ich vermute mal, dass es etwas mehr in Deutschland gibt. Aber das Problem in Deutschland ist ja, dass die Bevölkerung schrumpft. Zudem ist das Interesse an der Börse in Deutschland gleich Null. Ich verstehe das gar nicht. Da lief wohl was in der Ausbildung falsch.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Arme US-Rentner! Buffett-Trick: So sparen Sie sich steinreich

  1. tim schaefertim schaefer

    Von einer Blog-Leserin erhielt ich folgende Infos per Emails zur Rentensituation in Deutschland. Vielen Dank für die Daten: Auch bei uns sieht die Lage düster aus. Armes Deutschland! Vor allem die Frauen schneiden schlecht ab. So beträgt die Durchschnittsrente für Frauen 485 Euro. Männer kassieren 950 Euro im Monat. Problematisch ist dabei, dass die Lebenserwartung der Frauen höher liegt. Frauen kassieren 19 Jahre lang Rente, Männer 15. Wer nicht für sich selbst sorgen kann ab einem Alter von 65 Jahren, der erhält eine Grundsicherung. Das sind 364 Euro monatlich, plus Kosten für die Unterkunft. Das ist nichts anderes als der Hartz-IV-Satz. Ich nenne das Altersarmut. Es ist traurig zu sehen, wie wenig die staatliche Rente abwirft. Wer nicht Vorsorge trifft, der wird leiden müssen. Ich erhielt außerdem eine lange Email zum Thema chinesischer Unternehmen, die an der New York Stock Exchange, Nasdaq und an der Deutschen Börse notiert sind. Mein Rat: Diese Aktien sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Noch eine Bitte: Ideal ist es natürlich, wenn Sie Ihre Fragen oder Kommentare in diesem Blog in der Rubrik Anmerkungen äußern, dann können auch die anderen Leser den Gedankenaustausch mit verfolgen.

  2. Hubsen

    Hallo Tim,

    die Aktienansparmethode können Sie in Ländern wie Deutschland und Österreich vergessen. Hier regiert das „sichere“ Sparbuch mit der rein nominellen Einlagensicherung und die (Er-)Lebensversicherung (mit mehr Verträgen als Einwohner!).

    Aktienvorsorger/Fondssparer werden hierzulande als böse Spekulanten tituliert und steuerlich trotz höherem Risiko ebenso bestraft/ „verkestet“ wie sichere Sparbuchzinsgewinner(in DE glaube ich,sogar etwas höher, dafür jedenfalls etwas intelligenter geregelt und fairer als in Österr., da mittels echter Vermögenszuwachssteuer, welche diesen Namen auch verdient. In Österreich ohne Verlustvortrag!! -> hier wird auch die bloße Verlustaufholung trotz Gesamtverlustsumme Jahr für Jahr besteuert).
    Bei Aktien und Fonds jeweils 25% KEST-Besteuerung auf die Gewinne.

    Soweit zur privaten Vorsorgeförderung als zusätzliche Absicherung in der Pension.

    Trotz hoher Steuerbelastung dürfte die breit gestreute Ansparvariante von Qualitätsaktien (aller Wirtschaftsräume) trotz Rückschlagsrisiko, immer noch wesentlich vernünftiger als Ansparform sein, als eine Erlebensversicherung, wo gar nur etwa 85% der Einzahlungen überhaupt veranlagt werden. Außer der Anspardisziplinierung ist keinerlei Vorteil zu erkennen – und eine (falls überhaupt benötigte) Ablebensversicherung + Fondsansparplan (ohne fette Beraterprovision) ist trotz Steuernachteil (im Vergleich zur Versicherungsbesteuerung) in den allermeisten Fällen wesentlich ertragreicher.

    Das Sparbuch ist nur etwas für rasch realisierbaren kfr. Bargeldbedarf. Aber niedrige Sparzinsen und mittlere Inflation ergeben einen regelmäßigen Zinsverlust (der Zinseszins „hilft“ somit beim Vermögensabbau). Und an die 100.000€ Einlagensicherung im wirklichen Krisenfall des Finanzsektors glauben nur Superoptimisten, die meinen der Staat regle sowieso Alles für sie und natürlich bloß zu ihren Vorteil.

    Hohe Sparbuch-Bargeldbestände machen den Schuldenabbau des Staates über eine „natürlich unverschuldete ;-)“ Inflation/Geldentwertung natürlich umso attraktiver.

    Wenn man die Meinungen insbesonders der Sozialisten in Österreich verfolgt gewinnt man den Eindruck:

    „Aktien-Risiko darf niemals lohnen“

    …auch nicht zur Vorsorgezwecken, denn dafür gibt es ja das einlagengesicherte Sparbuch…;-)
    ,wo man die Besitzer herrlich still und leise enteignen kann, ohne selbst groß in Verdacht als Verursacher zu geraten.

    Beste Grüße nach N.Y!
    Hubsen

  3. tim schaefertim schaefer

    Hubsen, danke für Ihre Zeilen. Nun die Einstellung der Menschen gegenüber dem Aktiensparen lässt sich wohl nicht kurzfristig ändern. Ich frage mich, wie sollen die Bürger positiv über den Kapitalmarkt denken, wenn die Politik sich hierfür nicht stark macht. Es ist ziemlich viel Porzellan zerschlagen worden. Denken Sie nur an den Börsengang und Kapitalerhöhung der Deutschen Telekom. Es scheint, als ob geradezu alle möglichen Produkte gefördert werden. Auch steuerlich! Nur nicht die Direktanlage in Aktien. Leider! Dabei ließe sich so die Altersarmut am besten bekämpfen. Sie haben Recht: Mit Sparbuch- und Versicherungs-Mentalität kommen die Menschen nicht weit.

  4. Hubsen

    Die Gründe für die Sparbuch/Lebensversicherungsdominanz sind:

    Einerseits die anerzogene fehlende Eigenverantwortung (natürlich auch großteils basierend auf staatlich geduldeter mangelnder Wissensbildung) –
    so frei nach dem Motto:
    „Der Staat muss uns alle im Verlustfall auffangen“ (sei es Spareinlagensicherung, Griechenlandanleihen, Ein Fonds der Pleite geht etc.),
    und damit einhergehend auch ein falsches Sicherheits-Denken, wo man nicht begreift, das Sicherheit immer auch geringere Gewinnchancen bedeutet und meistens auch mit Zusatzkosten verbunden ist.
    Und wer nichts wagt auch selten was gewinnen kann.

    Der zweite Grund sind natürlich die finanziellen Eigeninteressen der Banken/Versicherungen, der Versicherungverkäufer, des Fondsmanagements und seiner Angestellten … und deren erfolgreiche Lobbyingtätigkeit und erfolgreiche Produktpropaganda.

    Die wollen ja selbst möglichst hohe Gewinne machen und nicht dem Kunden vorrangig eine neutrale Beratung zu dessen Gunsten angedeihen lassen, weil ja fast alle Berater von den hohen Produktprovisionen leben.
    Und ob sich gute Berater mit der kundenorientierten Honorarberatung durchsetzen werden wird sich zeigen… Dafür sind viele zu knausrig oder zu unsicher wer den nun wirklich ein guter Berater ist, und ja auch nicht dem Kunden die 100%-Garantie bieten und die letztliche End-Entscheidung abnehmen kann.

    Ach ja, selbst im Zertifikatebereich dominieren – wie kan es anders sein – die Garantiezertifikate – Das diese Garantie auch mächtig Performance kostet verdrängt man lieber…

    Ich habe heute mal ein Short Zertifikat Knock Out open end mit über 40% Sicherheitsabstand auf Baumwolle probiert, weil der Baumwoll-Preis fast auf das 3-fache der letzten Jahre gestiegen ist. Mal sehen (keine Anlageempfehlung – denn jeder muss selbst sich eine Meinung bilden!)
    Aber vielleicht fallen langfristig viele T-Shirts, Hemden, Jeans und Bettwäsche für mich ab :-))

    Beste Grüße nach N.Y.!
    Hubsen

    und andererseits die erfolgreiche Lobby

  5. tim schaefertim schaefer

    Hubsen: Sie treffen mal wieder den Nagel auf den Kopf. In unserer Bevölkerung ist in der Tat die extreme Risikoabneigung ein Problem. In der Finanzwissenschaft spricht man von Risikoprämie. Es handelt sich um ein schönes Zubrot, das wir als Anleger erhalten, wenn wir Risiken eingehen. Diese Prämie wird auch als Überrendite bezeichnet. Im Klartext: Wer Risiken in Kauf nimmt, erhält einen Mehrertrag dafür – eine smarte Vorgehensweise natürlich vorausgesetzt. Wir haben aber gleichzeitig das Phänomen des Zockertums an der Börse: Das sind Menschen, die extreme Risiken eingehen. Denken Sie an solche Trader beispielsweise, die Insolvenzfälle für 20 Cent je Aktie einsammeln und auf ein Wunder hoffen. Beispiel: Als Washington Mutual pleite ging, war die Hölle in der Aktie los. http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1140302-305621-305630/washington-mutual-groesste-sparkasse-der-usa-chancen-risiken

  6. Hubsen

    Hallo Tim,

    die Zocker die Pennystocks einsammeln und extreme Risiken eingehen halte ich nicht für ein so großes Problem, da die meisten Hasardeure dabei ihr Vermögen – früher oder später – selbst eliminieren. Aber wenn sie nach einem großen Glückzocks aussteigen können, sei ihnen das Vermögen auch gegönnt (erinnert mich an Roulette, wenn man laufend nur immer auf eine einzige Zahl setzt).

    Kommte es für den nachhaltigen Tradingerfolg doch vielmehr auf die richtige Mischung an:
    – auf eine gute subjektive Chance-Risikoverhältnis-Einschätzung beim Kauf,
    – auf die zum eigenen Tradingsystem und – vermögen passende Positionsgrößenbestimmung, um keine zu hohen Einzelrisiken pro Aktienkauf einzugehen und auch bei Totalausfällen von Trades nicht zuviel Kapital zu verlieren (um nicht bei 50% Verlust 100% gewinnen zu müssen um den Ausgangsbetrag wiederverdient zu haben)
    – auf beim Kauf bereits festgelegte Verlustbegrenzung (echte oder gedankliche Stopp-Loss Grenzen) der einzelnen Trades (denn selbst fundamental gute Aktien kann es auch mal unvorbereitet treffen – Kundenwünsche, Technologien, Lösungen, Märkte, rechtl. Rahmenbedingungen etc. ändern sich eben) und Verluste auszusitzen wirkt auf die Psyche und damit aufs Gesamtsystem zermürbend.
    – Gewinnabsicherungsmaßnahmen wenn ein vernünftiges Chance/Risikoverhältnis nach Kursanstieg nicht mehr gegeben ist (z.B. mittels Trailing Stopp Loss).

    Eine größere Gefahr für die Investoren geht meiner Meinung nach von den Blendern aus, die es viel zu oft bis ganz nach oben schaffen und dort dreist Anlegerinteressen hintergehen (Madoff-Pyramidenfonds, Petrikovic – Immofinanz und Meinl – Meinl Europ. Land mit nicht genehmigten, verschleierten Kursstützungkäufen. Bestechliche EU-Abgeordnete die für Geld jede Lobbyismus egal welcher Art betreiben etc…
    Zumeist Personen die lange Zeit von der Finanzwelt, (von der politischen Partei) hochgefeiert/hochgelobt wurden und nach Aufdeckung der Machenschaften die Aktien, Fonds, (den Ruf politischer Institutionen) in existenzgefährdende Turbulenzen bringen.
    Die diesbzüglich viel strengeren Regelungen und Strafrahmen wie in den USA täten auch hier vorbeugend gut.

    Beste Grüße nach N.Y. und viel Erfolg bei der Finanzblog-Wahl!
    Hubsen

  7. Hubsen

    Erläuternd zum Thema Sparbuch vs. Aktien und dortige Stopp-Loss -Verlust/Gewinnabsicherungsmöglichkeiten:

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/meingeld/646601/Bei-Aktien-auf-Nummer-sicher-gehen?_vl_backlink=/home/wirtschaft/boerse/meingeld/index.do

    Leser-Kommentar bezüglich illiquide Aktien und „Stop Limit“ auch sehr sinnvoll.

    Wie heisst es so schön richtig (wenn auch nicht immer so leicht umzusetzen wie dahergesagt):

    Verluste begrenzen!! – Gewinne laufen lassen!

    …oder eben alternativ: Unspektakuläres „Buy & Hold“ (aber dann nur im sehr breit gestreuten Fondsportfolio, über Länder, Branchen, Unternehmnsgrößen, Rohstoffe, Edelmetalle, Anleihen…) mit ETFs oder (Spezial)-Fonds.

    Aber möglichst nirgendwo bei neuen Höchsständen (oder nahe daran) beginnen. Denn Vieles neigt dazu zum langfristigen Durchschnitt zurückzukehren.

    Beste Grüße!
    Hubsen

  8. tim schaefertim schaefer

    Hubsen, danke für den Link. Sehr interessant! Ich habe schon mit Stopp-Loss-Aufträgen gearbeitet. Greife aber auf dieses Instrument nicht mehr zurück. Ich sage Ihnen auch warum: So kaufte ich vor der Rezession, es war vor dreieinhalb Jahren, eine Lebensmittelkette. Der Kurs rauschte 40 Prozent wegen der Wirtschaftskrise unter meinen Einstandskurs. Ich war natürlich nicht begeistert darüber. Meine Strategie war nun, die Verluste auszusitzen. Ich wartete einfach ab. Was soll’s, sagte ich mir. Wird schon wieder. Jetzt steht der Kurs 42 Prozent über meinem Einstandskurs. Das Warten hat sich also gelohnt. Was ich damit sagen will: Geduld zahlt sich aus, wenn Sie auf grundsolide Qualitätsaktien setzen. Diese finden Sie im DAX, MDAX, SDAX, S&P 500 und Dow Jones zuhauf. Die Kurse erholen sich in der Regel alle wieder. Selbst aus den schlimmsten Krisen arbeiten sich viele Konzerne wieder heraus. Mit General Motors könnten Sie nun ein Negativ-Beispiel anführen, aber solche Pleiten sind die Ausnahme. Wenn ich nun einen Stopp-Loss-Kurs bei meiner Lebensmittelkette nach einem Kursverlust von 15 Prozent gesetzt hätte, dann wären 15 Prozent meines Einsatzes futsch gewesen. Am besten ist es natürlich in der Krise einzusteigen. Wenn alle glauben, dass Sie total verrückt sind. Dann liegen Sie genau richtig. Conclusio: Meine Strategie ist Buy and hold.

  9. Hubsen

    Hallo Tim,

    ihr Optimismus in Ehren, aber das klingt für mich ein wenig nach der unbegrenzten Wachstumsphilosophie, wo – überspitzt formuliert – die Bäume tatsächlich noch in den Himmel wachsen (.. zwar von kleinen und größeren Krisen unterbrochen, aber letztlich nur als kleine Verzögerung auf dem Weg der Charts „durch die Decke der Büros“)

    In der Realität herrscht aber (neben den wachstumsbegrenzenden endlichen Rohstoffen) ein beinharter Verdrängungswettbewerb, wo selbst das Bessere schon der Feind des Guten ist.
    Klar kann sich hier so manche Quasi-Monopolstellung (Big Player, Blue Chips) besser und länger behaupten.. und wo mehr Geld dahinter, da greift auch das Lobbying um die Monopolstellung weiter abzusichern (probates Druckmittel: Arbeitsplätze).

    Doch zurück zu Ihrem Beispiel:
    Mit 15% Verlust auszusteigen ist keine Schande, denn einmal eine Aktie fix gekauft kann es von da an IN JEDE! Richtung weitergehen.
    Und Aussteigem um dann nochmals 20-25% tiefer wieder einzusteigen hätte ihren heutigen Erfolg noch viel mehr erhöht.

    Persönliche Überzeugungen und Hoffen sind nämlich wirkungslos und eine persönliche Bindung an eine Aktie ist sogar gefährlich kontraproduktiv.

    Einzig durch zusätzliche Infos/Erfahrung etc. kann bei der Aktienauswahl auf die subjektive Gewinn-/Verlustverhältnisabschätzung Rücksicht genommen werden, in der Weise, dass die Gewinnchance viel höher (zumindest doppelt – besser 3x 4x so hoch) ausfällt, als das Verlustrisiko bis zum vorab festgelegten Stoppkurs.

    Und wenn man bei dieser subjektiven Einschätzung öfters recht behält als man sich geirrt hat, dann kann man an der Börse mit Einzelinvestments auch lfr. gewinnen.

    Wer aber einen großen Brocken des Vermögens auf manche einst sehr erfolgreiche Firmen (insb. nahe deren Höchsständen) gesetzt hat, kann sowohl reich geworden sein ODER wartet heute noch auf deren Comeback und auf die Aufholung seiner Verluste:

    GM, Daimler, Deutsche Telekom, AUA, Swiss-Air hatten wir ja schon…

    Mehr Beispiele gefällig:
    Eastman Kodak, Goodyear (aus dem DOW vor 30 Jahren) ..und beide gibt es noch.

    … viele der ehemaligen „Neue Markt“-Unternehmen, wo mangels Erfolg gleich ganze Index wieder aufgelöst wurde

    Besitzer vieler deutscher Solar-und Alternativenergieaktien (z.B. Q-Cells)

    Sony (mit dem Walkman der vom MP3-Player abgelöst wurde) aktuell Nokia, die den Smartphonetrend verschlafen haben.

    Ja Apple ist nahezu von den Toten wiederauferstanden, aber ob dies auch Sony und Nokia nochmals so eindrucksvoll gelingen kann ist zumindest sehr fraglich (und selbst dann bleibt die Frage: in wieviel Jahren dies gelingt?).

    zum Schluss auch ein paar meiner größten persönlichen Verlustbringer („Lehrgeld“):
    Thiel Logistik, „mündelsicheres Betongold“ wie: Meinl European Land (=Atrium), Immofinanz/east

    und ein Mega-Unglück/Skandal/technologische Umwälzung/Betrugsfall etc. etc. ist immer mal möglich, wo es vorher auch keiner erwartet hätte:
    Enron, Madoff-Fonds, AvW, aktueller: BP, Tepco …
    Bei manchen hat es dann geheissen:
    Buy & Hold & Out

  10. tim schaefertim schaefer

    Hubsen, ich versuche, Leute wie Warren Buffett in meiner Vorgehensweise zu kopieren. Er legt seinen Schwerpunkt auf die Aktienauswahl. Hat er sich für eine Firma entschieden, bleibt er grundsätzlich dabei. Wenn Sie mal schauen, was er in seinem Portfolio hat, dann sind das oft Marktführer beziehungsweise Monopolisten. Etwa seine Eisenbahngesellschaft. Würde es Sinn machen, neben eine bestehende Gleisanlage eine neue zu bauen, um zu konkurrieren? Wohl kaum. Oder nehmen Sie Coca-Cola. Mit dem Rivalen Pepsi beherrscht das Brauseimperium den Weltmarkt, es handelt sich um ein Duopol. Die Margen sind prächtig, neue Konkurrenten können die beiden Riesen praktisch kaum die Butter vom Brot nehmen. Allein die Infrastruktur, die beide Konzerne aufgebaut haben von der Logistik über die Abfüller bis hin zum Marketing, das lässt sich kaum wiederholen.
    Bei den von Ihnen gewählten Beispielen fanden Sie eine gigantische Verschuldung vor: Deutsche Telekom, General Motors, Thiel Logistik etc. Buffett achtet neben der exzellenten Marktstellung auf eine blitzsaubere Bilanz. Seine Firmen sind in der Regel frei von Nettoschulden. Aber glauben Sie mir: Ich mache auch Fehler an der Börse. Gewaltige sogar. Insofern bin ich um Ratschläge dankbar. Nun noch was zu den Stop-Loss-Orders zum Schutz vor weiteren Kursverlusten: Glauben Sie, dass wenn jemand vor 25 Jahren BASF- oder Deutsche-Bank-Aktien gekauft hat, er heute seinen Bestand mit einem Stopp-Loss-Kurs absichern sollte? Wenn also die BASF- oder Deutsche-Bank-Aktie von nun an 15 Prozent sinken sollte, müsste der gesamte Bestand verkauft werden? Ich sehe darin ehrlich gesagt keinen Sinn. Denken Sie an die Transaktionskosten, die Steuern und all das. Wenn Ihre Firma ein schwaches Quartal vorlegt, dann sind Sie jedesmal Ihre Position wieder los. Ich werde einen neuen Blogbeitrag zu dem Aspekt der Quartalszahlen schreiben. Danke für Ihren Hinweis. Buffett verhält sich bei seinen Kernbeteiligungen wie Coca-Cola, American Express oder Wells Fargo wie ein Unternehmer. Er kann jederzeit aussteigen, tut es aber nicht. Er geht mit seinen Aktien durch dick und dünn. Beste Grüße aus Washington DC

  11. Hubsen

    Hallo Tim,

    konsequent zu Ende gedacht…wozu sollte man den Altmeister Warren Buffett eigentlich noch kopieren wollen, wenn man doch viel einfacher gleich DIREKT in seine „Berkshire Hathaway“-Aktie investieren kann? …insbesonders wenn das Vertrauen in einen einzigen erfolgreichen Investor derart groß ist.

    Schließlich hat ein Warren Buffet noch zusätzlich einen RIESENVORTEIL -> einen viel direkteren und früheren Zugang zu relevanten Informationen über attraktive Investitionsobjekte (Zahlen, Vorhaben, Strategie, persönlicher Managementeindruck, etc.) den man als Privatinvestor NIEMALS erreichen kann.

    Auch erinnere ich mich gut ähnliche Value-Strategien und dabei an die Fondsperformance meines damals hochgelobten Templeton Global Growth (jetzt umbenannt auf Templeton Global Euro Fund – warum wohl?) welcher weltweit unterbewertete Wertpapiere mit aussichtsreichen Perspektiven selektiert hat (sogar nach dem antizyklischen Grundsatz, d.h. in pessimistischen Zeiten günstig einzusteigen und in optimistischen Zeiten mit Gewinn zu verkaufen).

    Und vergleicht man diesen früheren „konservativen Buy & Hold Value-Starfonds“ mit den jetzigen „neueren“ Fonds eines Edouard Carmignac FR0010148981 so sieht man in 10 Jahren den Riesenunterschied in der Performance -> von über 120%!! Outperformance.

    siehe hier:
    http://www.fondsweb.de/fondsvergleich/US8801991048-FR0010148981

    Die Berkshire Hathaway-Aktie liegt hier in 10 Jahresvergleich immerhin noch um ca. 20% besser als Templeton.

    Interessant ist aber auch, dass der Russell 2000 Index (USA Small Caps) auf die letzten 10 Jahre gesehen sogar noch ca. 10% besser als Berkshire Hathaway-Aktie abschneidet.

    Tja, was ist heute noch sicheres Investment … 🙂

    Die neue Generation von Fonds, die den Investionsgrad radikal herunterfahren kann, von Aktien flexibel in Anleihen und Bargeld umschichten kann und nicht an fixe Indices und Branchen gebunden ist, scheint sich, in der Hand einzelner Könner, vorerst zu bewähren.

    Beste Grüße nach Washington DC!
    Hubsen

    PS: und zur Deutschen Bank: Mit Stopp-Loss hätte man sich den Absturz von Kurs über 100 in 2007 auf unter 20 anfangs 2009 (entspricht ca. demselben Kurs wie 1991) wohl erspart. Wer 2000 bei Kurs über 80 einstieg muss heute 11 Jahre später immer noch 100% Kurs aufholen bloß um keinen Verlust zu haben.
    Wer vom Höchskurs nur 15% Rückfall geduldet hätte, wäre bei Stoppkurs 89 zumindest mit 10% Gewinn ausgestiegen.
    Was klingt da besser?

  12. tim schaefertim schaefer

    Hubsen, so jetzt bin ich wieder zurück in NYC. Ich war ein paar Tage in Washington DC, habe dort das Kirchblütenfest am See genossen. Sie haben ja mit Ihren Einwänden durchaus Recht. Klar, warum nicht ein paar Berkshire-Aktien kaufen? Ist im Kern wie ein großer US-Fonds mit extrem niedriger Kostenstruktur. Keine Frage: Buffett hat einen guten Draht zu den Vorständen und Mächtigen. Selbst wenn der Milliardär den Präsidenten sprechen will, ist das kein Problem. Sofern die vielen Biographien stimmen, meldet sich der Starinvestor in vielen Fällen vor einer Beteiligung gar nicht beim Management. Er liest sehr viel und entscheidet sich für eine Aktie auf Basis der offiziellen Unternehmensberichte. Er analysiert freilich umfassend die Branche, Preisentwicklung und Konkurrenzsituation. Das war beispielsweise so bei seinem Einstieg bei Coca-Cola. Ein Nachbar arbeitete zwar bei dem Brausehersteller, aber ob der Insiderwissen hatte, keine Ahnung… Bei anderen Investments wie ConocoPhillips basiert seine Entscheidung ebenfalls aufgrund der offiziellen Informationen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Seitdem ich die Buffett-Strategie in meinem Depot umsetze, sieht die Performance gut aus. Jeder sollte natürlich seinen eigenen Investmentstil entwickeln. Wenn Sie eine „Mist“-Aktie wie die Hypo Real Estate erwischt haben, wäre natürlich ein Stopp Loss ein herrliches Instrument gewesen zur Verlustbegrenzung. Sie haben eine exzellente Marktkenntnis. Ich danke Ihnen für Ihre Beiträge.

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