Arbeitslose, Milliardenverluste und gescheiterte Ehen


New York, 12. Januar 2009

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Horror! Von Januar bis Dezember 2008 fielen 2,6 Millionen Arbeitsplätze in den USA weg. alles in allem im vorigen Jahr weg. So viele wie zuletzt 1945. Und das war in der Tat ein Ausnahmejahr, der Zweite Weltkrieg war vorüber und viele Fabriken (Rüstungsindustrie) schlossen. Außerdem kehrten die Soldaten nach Hause zurück – ohne Job. 1945 verloren 2,75 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz, also mehr als 2008. Zweidrittel der Wirtschaftsleistung in den USA stemmen die Konsumenten derzeit. Entsprechend leidet die Ökonomie. Eine kurzfristige Erholung ist nicht in Sicht. Der miserable Arbeitsmarkt und die Immobilienkrise werden das Jahr 2009 prägen. Ich rechne damit, dass wir bald die traurige Grenze von zehn Prozent bei der Arbeitslosenquote knacken. Derzeit liegen wir bei 7,2 Prozent, im November waren es noch 6,8 Prozent. Erst 2010 dürfte sich die Lage bessern.
Die schlimme Rezession zeigt, dass die deutschen Tugenden ihre Berechtigung haben. Etwa das schwäbische Motto: „Schaffe, schaffe Häusle baue“. Die Deutschen sind große Sparer, während die Amerikaner eine negative Sparquote haben. Im Land der unbegrenzten Möglichkeit war es geradezu schick, sich zu verschulden. Durch die jetzige Krise werden die Amerikaner gezwungen, ihre Verhaltensweise zu ändern.
Der Madoff-Skandal bewegt die Gemüter. Ein Bekannter erzählte mir, dass Madoff ein 15 Millionen Dollar teures Ferienhaus an der Ostspitze von Long Island, in Montauk, besitzt – einen Steinwurf von seinem Haus entfernt. Die Wut ist in New York enorm über den Milliardenbetrug des Hedgefondsmanagers. Eine Dozentin der New York University (NYU) erzählte mir am Wochenende, dass an der Uni die Beschäftigten sich Sorgen machen würden, nachdem die Hochschule 24 Millionen Dollar durch Madoff verloren hat. Ob NYU nun in Turbulenzen gerät? Sind Kündigungen denkbar? Gut möglich, dass sich auch die Rezession negativ auf die Uni auswirkt.
Nun hat es auch Wal-Mart erwischt. Der Einzelhändler warnte vor einem enttäuschenden vierten Quartal! Nur ein paar Discounter und Billigläden boomen noch. In New York stehen massenweise Geschäfte leer. Auf meinem Foto sehen Sie ein Plakat. Ein verzweifelter Hilferuf nach einem Nachmieter. Das kann dauern – inmitten der schlimmsten Krise seit der großen Depression.
Das Wall Street Journal verbreitet immer öfter persönliche Geschichten von Menschen, die in der Krise ihr Hab und Gut verlieren. In der Freitagausgabe berichtete das Blatt auf Seite eins (!) von dem Ehepaar Chuck Bidwell und Jennifer Guarino. Beide Manager kämpfen derzeit um das Überleben ihrer Lederwarenfabrik. Die Ehe ist bereits gescheitert.


tim schaefer (Author)

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