Apple, Palm, Research in Motion: Wohin geht die Reise?


New York, 27. Februar 2010

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Der helle Wahnsinn ist die Apple-Aktie. Seit März kletterte der Kurs von 83 auf zuletzt 204 Dollar. Umsatz und Gewinn befinden sich auf Rekordkurs. In der Kasse hortet Steve Jobs nun 40 Milliarden Dollar. Und es wird immer mehr Cash. Nun hat der Gründer angekündigt, das Pulver trocken zu halten. Weder Dividenden noch Aktienrückkäufe stehen auf Jobs Agenda. Er bevorzugt die Sicherheit des Cashs. „Wenn Du Risiken eingehst, ist es so, als ob Du in die Luft springst. Wenn das schief geht, dann ist es gut zu wissen, dass der Boden nicht weit entfernt ist.“ Mit dieser merkwürdigen Umschreibung machte Jobs auf einer Analystenkonferenz deutlich, dass er das Geldpolster auf keinen Fall anrühren will. Lediglich 25 Geschäfte in China will er im laufenden und nächsten Jahr eröffnen. Das dürfte aber freilich nicht allzu viel kosten. Trotz der super Produkte (iPhone, iPod, iTouch …) und blendenden Geschäfte würde ich jedoch nicht mehr die Aktie kaufen. Die Börsenwaage zeigt 185 Milliarden Dollar an. Wenn Sie hiervon das Cash und die Finanzschulden abziehen, verbleibt ein bereinigter Börsenwert von 160 Milliarden Dollar. Dem steht ein Umsatz von 47 Milliarden gegenüber. Also beträgt das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) 3,4. Sie zahlen somit den 3,4-fachen Umsatz. Mir ist das zu teuer. Jedoch ändert das nichts an dem erstklassigen Management und Unternehmen. Und es kann sogar gut sein, dass der Kurs weiter nach oben läuft.
Während bei Apple die Geschäfte brummen, kommt der Smartphone-Hersteller Palm nicht voran. Am Donnerstag crashte die Aktie um 20 Prozent. Am Freitag setzte sich die Talfahrt fort. Der Kurs verlor abermals saftige 6,7 Prozent auf 6,09 Dollar. Grund für das Kursdesaster war eine Gewinnwarnung von Vorstandschef Jonathan Rubinstein. Ursprünglich hatte er einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar im laufenden Geschäftsjahr angekündigt, welches im Mai endet. Aber das scheint kaum mehr möglich zu sein. Der geplante Quartalsumsatz von 409 wurde auf nun allenfalls 310 Millionen Dollar eingedampft. Die Produktneuheiten Pre und Pixi kommen einfach nicht an. Dagegen gehen bei Research In Motion die Blackberrys und bei Apple die iPhones wie geschnitten Brot weg. Analysten senkten reihenweise ihre Daumen für Palm. Palms Börsenwert kommt nach dem Kurskollaps auf nur noch eine Milliarde Dollar. Wenn Sie den Netto-Cash-Bestand von rund 200 Millionen berücksichtigen, beträgt der bereinigte Marktwert lausige 822 Millionen Dollar. Ein Witz! Der Umsatz dürfte 1,4 bis 1,5 Milliarden Dollar einspielen. Für einen Aufkäufer wird Palm jetzt interessant. Als hungrig gilt der PC-Bauer Dell. Die Kriegskasse ist prall gefüllt. Auf rund sieben Milliarden Dollar Nettocash (nach Abzug von Finanzschulden) sitzt Steuermann Michael Dell. Warten wir es ab. Für mich ist Palm trotz der Übernahmegerüchte kein Kauf. Zu hoch ist der Verlust, zu ungewiss die Zukunft.
Übrigens ist es gerade wieder in, Akquisitionen mit neuen Aktien zu bezahlen. So kaufte der Öl-Dienstleister Schlumberger den Konkurrenten Smith International mit Aktien im Wert von elf Milliarden Dollar. Selbst Warren Buffett zahlte 40 Prozent des Kaufpreises für die Eisenbahn „Burlington Northern Santa Fe“ in Aktien. Und zudem stimmte der Starinvestor zu, seine Berkshire-Hathaway-Aktie (Class B) zu splitten, was er bislang strikt abwies. Seit dem Jahr 2001 war der Cash-Anteil bei Transaktionen branchenweit nicht mehr so niedrig – es sind derzeit rund 40 Prozent. Im Jahr 2007, also bevor die Krise ausbrach, da wurden noch 77 Prozent des Kaufpreises mit Barmitteln abgewickelt. Aktien sind in den USA als Akquisitionswährung auch aus steuerlicher Sicht interessant, weil dann die alten Anteilseigner keine Steuern auf den Papier-Gewinn bezahlen müssen.
Was ist ein weiterer Grund für den Aktienpapier-Boom bei Transaktionen? Finanzierungen über Banken sind schwierig zu bekommen. Cash ist zudem in den Köpfen der Vorstände nach wie vor „King“. Das Polster möchten sie aus Sicherheitsgründen nicht aufgeben. Man weiß ja nie. Und Verkäufer lassen sich gerne mit Aktien bezahlen, weil sie eventuell weiteres Kurspotential sehen.
Seit sechs Monaten wuchs die Wirtschaft endlich wieder in den USA. Dennoch werden so gut wie keine Jobs geschaffen. Seit dem Einsetzen der Rezession wurden 8,4 Millionen Jobs vernichtet. Am Freitag schloss der Dow-Jones-Index mit einem Miniplus von 4 Pünktchen bei 10.325 Zählern.


tim schaefer (Author)

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