Apple: Blase oder Value-Papier?


New York, 1. März 2012

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Die Apple-Aktie läuft und läuft und läuft. Sehen Sie sich den Apple-Kurs-Verlauf in der Graphik an. Aktuell notiert der Titel bei 542 Dollar. Der Börsenwert erreicht 505 Milliarden Dollar. Kein anderes Unternehmen rund um den Globus bringt mehr Gewicht auf die Waagschale. Alles, was der verstorbene Steve Jobs anfasste, scheint zu Gold zu werden. Sein Nachfolger Tim Cook knüpfte nahtlos an den unglaublichen Erfolg Jobs an.
Die Frage ist: Kann dieser Erfolg so ungebremst weiter gehen? Kann das rasante Umsatz- und Gewinnwachstum sich in diesem Tempo fortsetzen?
Eines Tages wird es zu einer Abschwächung kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Frage ist nur: Wann?
Denn die Konkurrenten werden Apple das Feld nicht überlassen. Rivalen wie Microsoft oder Google arbeiten intensiv an Konkurrenzprodukten. Eines Tages wird ein anderer Tech-Konzern die Führung übernehmen. Nur momentan ist eben keiner weit und breit zu sehen, der Apple die Trendsetterrolle abnehmen könnte.
Auf Basis der geschätzten Gewinne für das Geschäftsjahr 2012/13 beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ca. 11. Das ist in der Tat günstig. Sogar Börsenaltmeister Benjamin Graham hätte bei dieser Kennziffer nichts einzuwenden. Hingegen wäre Graham beim Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 5,5 abgeneigt. Denn Graham würde allenfalls das bis zu 1,5-fache des Buchwerts bezahlen wollen.
Wenn wir uns die anderen Kennziffern anschauen, ist die Bilanz ein Meisterwerk. Die Eigenkapitalrendite kommt auf fürstliche 45 Prozent. Besser kann ein Vorstand das Geld für seine Aktionäre kaum arbeiten lassen. Wo gibt es denn ein vergleichbares Unternehmen? Das ist extrem selten. Die operative Marge beträgt 33 Prozent, die Nettoumsatzrendite 25 Prozent. Auch das ist der helle Wahnsinn. Hinzu kommen 100 Milliarden Dollar Cash.
Was mich etwas stutzig macht, ist diese allgegenwärtige Euphorie. Alle loben Apple. Keiner warnt vor einem Abflachen dieser Begeisterung auf Seiten der Kunden. Wenn jeder ein Apple-Produkt hat, ist das doch nichts mehr Besonderes. Apple lebte all die Jahre davon, etwas Revolutionäres, etwas völlig Neues zu sein. Wenn aber jeder Laden jetzt Apple-Artikel ins Sortiment nimmt, dann kommt eines Tages der Overkill. Es wäre fast so, als ob Puma, Porsche und Chanel ihre besten Produkte fortan bei Aldi verkaufen ließen. In Manhattan macht jedenfalls an jedem Eck an Apple-Laden auf. Zusätzlich nehmen immer mehr Einzelhändler Teile des begehrten Sortiments auf. Ich glaube die Kunst für Apple besteht jetzt darin, nicht die breite Masse zu adressieren, sondern die Produkte zu verknappen (mittels Preisschraube und Lieferzeit).
Von den im laufenden Monat erfassten Analysten (insgesamt 57) rät nur ein einziger zum Verkauf der Aktie. Auch das macht mich stutzig. Ein weiterer Analyst sagt „Underperform“. Bloß drei geben das vorsichtige Votum „Halten“ ab. Die überwiegende Mehrheit der Banken empfiehlt entweder „Strong Buy“ oder „Buy“. Schon komisch, dass hier kaum ein Institut wenigstens etwas auf Distanz geht, zumindest mit einem neutralen „Halten“-Votum.
Was meinen Sie? Ist Apple eine tolle Value-Aktie oder nicht? Ich bin ehrlich gesagt etwas hin- und hergerissen.
PS: Ich nutze viele Apple-Produkte und bin von ihnen begeistert. Design, Qualität und Kundenbetreuung sind einfach unschlagbar.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Apple: Blase oder Value-Papier?

  1. Aktienkaufen.net Team

    Eine Rückfrage: Warum kaufen Sie denn Apple Produkte? Weil sie exklusiv sind? Weil sie knapp sind? Weil Apple Produkte etwas besonderes sind?

    Ich glaube für die meisten Kunden ist ein Mac einfach eine bessere Alternative zu Windows. Meiner Meinung nach wird Apple so gut verkauft, weil die Geräte so effizient sind.

    Ich sehe nur Grund zur Panik, wenn Microsoft (oder ein anderer Player) bessere Software produziert und das wird nicht einfach werden.

  2. Constantin

    Hallo,

    eins ehr schöner Artikel. Einzig die Aussage, Tim Cook würde natlos an die Erfolge von Stev Jobs anknüpfen macht mich stutzig.

    Man kann sagen was man will, aber der wirtschaftliceh Erfolg von Apple war an Steve Jobs und seinen Innvationsdrank gekoppelt. Dies bedingt auch eine Entwicklungspipeline, deren Produtkzyklus zumindest mir nicht bekannt ist.

    Es wäre also phänomenal gewessen, hätte Tim Cook zunächst nicht an den Erfolg anknüpfen können, dafür hätte er schon ein extrem schlechter Manager sein müssen.

    Etwas polarisierend könnte man also behaupten, Apple ist die Wette auf die Innovationsfähigkeit eines kürzlich abgelebten Managers. Daran allein kann man vielleicht noch wetten, aber auch dann wenn es um eines der börsenschwergewichte überhaupt gibt, welches keine saubere Historie hat? Ich würde es nicht tun.

  3. Mario

    Hallo Tim,

    ich bin der Meinung, dass der Hype vorbeigeht. Wenn ich mit meinem Sohn (24) darüber spreche dann weiß ich, dass er die Produkte einzigartig findet, sie jedoch nicht (mehr) kaufen würde. Der Preis schreckt ihn nicht so sehr ab wie die Tatsache, dass (fast) jeder so ein IPhone/Mac besitzt und er die Leute fragt warum sie so etwas besitzen. Dei meisten Menschen können es jedenfalls nicht technisch beantworten. Er sagte mir einmal, das ein Mac super verarbeitet und technisch aufeinander abgestimmt ist. Die Komponenten sind allerdings nicht so hochwertig wie in einem „normalen“ PC. Ich bin kein Techniker und muss dieses erst mal so glauben. Natürlich kann es noch eine Weile weitergehen.
    Auf der anderen Seite ist es mit den Tatzenjacken (Jack Wolfskin) bei mir genauso. Kaufen werde ich mir eine solche Sachen nicht. Immerhin gibt es schon zu viele die damit rumlaufen. Dafür bin ich zu individuell.
    Vielleicht deshalb ein Grund warum gewisse Leute antizyklisch Aktien kaufen und behalten.

  4. Tobias

    Hallo Tim!

    In meinen Augen ist das eindeutig ein Hype. Apple ist im Moment das wertvollste Unternehmen der Welt. Wenn ein Unternehmen erstmal an dieser Position ist, wo soll es noch hin wachsen? Wo soll das Wachstum ohne Steve Jobs herkommen? Warum sollte ich mir ein iPhone kaufen, wenn jeder eins hat und ich damit nicht mehr hip und individuell bin.
    Warum sollte ich mir ein iPhone kaufen, wenn ich (in Kürze) ein vergleichbares Gerät von Samsung, Huawei oder ZTE bekommen könnte? Wozu eine Apple-Prämie auf den Produktpreis bezahlen, nur damit der Apfel aufgeklebt wird? Warum sollte die technische Überlegenheit auf ewig bestehen bleiben?

    Früher oder Später (vermutlich eher früher aus den oben genannten Gründen) wird es zum Absturz kommen. Und dann will ich als Value-Investor nicht im Boot sitzen. Da gibt es z.B. Konsumgüterhersteler aus dem Dow Jones, mit denen man nicht von Hypes oder technischen Entwicklungen abhängt und trotzdem, vor allem langfristig gut Geld verdient.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Aktienkaufen.net Team

    Ja, ich kaufe Apple, weil ich die Produkte (Mac, iPod…) für gut halte. Klar. Und weil der Kundenservice (Reklamation) super ist. Bei mir war der Service bis dato einwandfrei.

  6. tim schaefertim schaefer

    Hi Mario,

    danke für die Anmerkung. Interessanter Gedanke mit dem Verhalten der Kinder und der Tatzenjacke.

    Die jungen Konsumenten suchen in der Tat ständig nach neuen Dingen. Irgend etwas, was eben kultig und besonders ist. Massenware ist sicherlich nicht hipp.

    Es gibt übrigens in New York etliche Investoren, die laden regelmässig Schüler und junge Erwachsene ein und führen dann mit denen ausführliche Gespräche. In den Interviews wollen die Investoren Trends erkennen. Was die Kids kaufen und für gut halten, das kaufen dann die Hedgefondsmanager an der Börse. Ich war schon bei solchen Diskussionen mit Schülern dabei. Ich fand das total spannend, wenn die Kids über Facebook, Twitter, Apple, bestimmte Kleidungsmarken, Filme, Spiele und Restaurantketten plaudern.

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Tobias,

    die Wahl des konservativen Konsumgüterherstellers kann ich nachvollziehen. Klar! Das würde Buffett wohl auch so machen.
    VG
    Tim

  8. david.mpo

    Hey Tim,

    mit etwas Verspätung schaffe ich es auch noch zu diesem Artikel Stellung zu nehmen. Erst einmal ist es wirklich ein schöner Artikel, hatte auch schon überlegt einmal Apple auf meinem Blog zu behandeln, aber habe es zeitlich einfach noch nicht geschafft.

    Meine prinzipielle Kritik haut in die gleiche Kerbe wie der Kommentar von Constantin. Prinzipiell haben sie sehr gute Produkte entworfen aber dies hauptsächlich wegen eines guten Managements. Steve Jobs ist jetzt aber nicht mehr und daher wird es sich wohl erst in ein paar Jahren zeigen, wie das neue Management so sein wird.

    Ein weiteres großes Problem, was ich mit Apple habe, ist dass sie einfach keine stark gefestigte Marktstellung haben, sondern permanent innovativ sein müssen. Apples Produkte sind alle irgendwo ersetzbar (Gute Produkte sind kein echter langfristiger Wettbewerbsvorteil).

    Positiv für Apple spricht allerdings, dass sie mittlerweile eine echte Macht auf der Seite des Einkaufs sind. Was man beispielsweise am Macbook Air sieht. Hier schafft es aktuell die Konkurrenz einfach nicht vergleichbare Laptops zu günstigen Preisen auf den Markt zu bringen. Apple schafft es hier durch die hohen Stückzahlen die Preise gut zu drücken. Aber ob das langfristig reicht ist fraglich. Auch ich würde Apple aktuell nicht kaufen, da für mich die zukünftige Entwicklung einfach nicht erkennbar ist (Anders als beispielsweise bei Microsoft).

    Langer Kommentar 🙂

    Viele Grüße
    David

  9. tim schaefertim schaefer

    Hallo David,

    danke für den guten Kommentar. Nun ich muss jetzt natürlich Apple verteidigen: Was ist, wenn die sich als Weltmarke dauerhaft etablieren?

    So wie das Microsoft jahrzehntelang war. Einfach ein weitgehend geschätztes Produkt.

    Der Ruf von Porsche, Mercedes und Hugo Boss steht ja auch fortwährend für hohe Qualität. Ich glaube, diesen etablierten Qualitätsanspruch hat mittlerweile Apple erreicht. Und es kann sein, dass dies noch in 50 Jahren der Fall ist….(?)

    Beste Grüße
    Tim

  10. Franz Veldung

    Wenn das bei Apple keine Blase ist was dann? Apple kommt von 20 Dollar im Herbst 2000(vorher gut 40 Dollar, dann 50% Wertverlust nach Gewinnwarnung !).
    Ich rede also nicht von den Tiefs 2003.Seitdem hat sich die Aktie verdreißigtfacht auf 600 Dollar.Um dieses Tempo beizubehalten müsste sie also in 12 Jahren bei 18000 Dollar stehen. Glauben Sie das? Nein,ich auch nicht.Und Apple ist sehr dünnheutig,muß man auch,das stützt den Kurs!Man sieht das an den ganzen Klagen gegen Samsung.Klar 40 Dollar je Aktie wollen verdient sein.
    Ich würde nicht in Apple investieren,aber auch noch nicht short gehen.Aber bald,sobald sich die ersten Schwächen zeigen.Nur sollte man dann klassische Puts mit langer Laufzeit wählen,auf keinen Fall k.o.-Zertifikate !
    Sicher werden Sie mich vielleicht für verrückt erklären-genauso wie die „Nemax 50-Jünger“ auf Arbeit im Januar 2000,aber in 3 Jahren sprechen wir uns wieder !

  11. tim schaefertim schaefer

    @ Franz

    Nun Sie haben in der Tat ein paar gute Punkte.

    Auch die Hedgefonds lieben Apple, die pumpen Milliarden und Milliarden in den Titel.

    Wenn es ein Konkurrent schafft, Apple vom Thron zu stoßen (was sich derzeit nicht abzeichnet), dann kann schnell Luft entweichen.

    Warten wir ab. Und sprechen uns in 3 Jahren. Tech-Aktien, da gebe ich Ihnen Recht, eignen sich nicht für Buy and Hold. Die Trends ändern einfach zu schnell…
    Siehe Nokia, Reserach in Motion, Sony etc.

  12. Franz Veldung

    Apple wird nicht durch eine Marke allein vom Thron gestoßen,sondern durch „die Masse des Marktes“.
    Fast jede gute Firma bringt jetzt schon Smartphones,Tabled´s und Mp3 Player,Computer,Laptops etc. erheblich billiger und besser auf den Markt.Auch die jüngsten Testergebnisse sprechen für sich.Zum Zweiten stappeln sich bei den Netzbetreibern(Telekom,Vodafone,usw.) jetzt schon die Kisten mit unverkauften Apple Endgeräten.Sie fallen also als zukünftige Besteller weitesgehend aus.Deswegen (also um den hohen Kurs zu rechtfertigen) müssen die sog.Analysrten(vermutlich selber investiert) auch jeden Tag „eine neue Sau durch Dorf treiben“- Stichwort „Apple TV“,Iphone 5,Ipad 4 usw.Dabei ist bekannt,dass z.B.im Markt mit TV-Endgeräten kaum noch was zu verdienen ist.Außerdem ist die klassische Apple Zielgruppe,jung und dynamisch,also eher mobil ausgerichtet und die klassische TV-Endgerätezielgruppe sehr preissensibel.In der sog. Lifestylezielgruppe mit moblien High-Endgeräten,da gebe ich ihnen recht,wie der Schlag von ganz anderer Seite herkommen.Wie gesagt ,ich warte noch(mit meinen Puts),vermutlich werden sich schon im nächsten Quartalsbericht(Herbst 2012) erste Schwächen zeigen.Dann kann man suksessive klassische Puts,mit langer Laufzeit im Markt plazieren.
    Apple wird uns alle reich machen,aber ganz anders,als mancher im Moment denkt.

  13. Franz Veldung

    Apple steht schon seit Wochen unter Druck.Wer meinen Rat befolgte und klassische Puts ohne K.o.wählte konnte so schon gute Gewinne realisieren.In meinem Bekanntenkreis werde ich nun oft gefragt,ob es das jetzt war oder weiter abwärts geht? Nun ich denke, es geht gerade erst richtig los… .
    WICHTIG:Klassische Puts ohne K.O.Die Börse ist manchmal verrückt,steile Ausschläge nach oben sind immer mal drin.ABER langfristig ist der Weg dieser Aktie vorgezeichnet.

  14. tim schaefertim schaefer

    @ Franz,

    Die einen sagen, der Kursrücksetzer ist die Chance! Die anderen meinen, das ist der Anfang vom Ende.

    Ich persönlich halte Apple für ein erstklassiges Unternehmen. Ich glaube kaum, dass die Story nun zu Ende geht. Es ist der Mercedes unter der Unterhaltungselektronik-Anbieter.

    Mal sehen. Vielen Dank für die kritischen Anmerkung.

    Ich bin kein Freund von Short-Wetten. Das ist mir zu spekulativ. Ich verfolge nur eine Buy-and-Hold-Strategie. Andere Meinungen erkenne ich natürlich selbstverständlich an und denke darüber nach.

    Danke dafür.
    Beste Grüße
    Tim

  15. Franz Veldung

    Man darf sich nie in eine Aktie „verlieben“.Sicher Apple ist gut,aber der Börsenwert entspricht nicht der Realität für die Erwartungen in der Zukunft.
    Auch technisch,schauen Sie sich den Chart an,obwohl Apple schon über 100 Euro vom ATH verloren hat,ist die Blasenbildung unverkennbar, auch fundamental ist die Bewertung immer noch jenseits von Gut und Böse-auch hier aus Sicht der nächsten Jahre.Ich weiss nicht,ob Sie investiert sind und wenn ja, zu welchem Kurs der Einstieg erfolgte.Fest steht nur,die Höchstkurse vom Sommer sind passe.Ich bleibe jedenfalls meinen Puts treu und wichtig,keine K.O. Zertifikate,denn manchmal spielt die Börse verrückt.Ich bin jedenfalls froh,denn an Apple ist noch „jede Menge Speck“. Trotzdem wünsche ich Ihnen noch jede Menge Glück bei der Geldanlage und vielleicht irre ich mich auch,obwohl ich das nicht glaube.

  16. Franz Veldung

    Ich wollte eigentlich auf die Gegenseite wechseln,d.h.von Puts auf Calls,da ich mit einem Gewinn von 8,30-8,45 pro Aktie rechnete.Leider entäuschten die Q2 Zahlen.22% Ergebnisrückgang.Apple ist jetzt wieder mit dem 15-fachen des Gewinns bewertet.ABER dabei wird es nicht bleiben.Es ist nunmal eine umumstößliche Tatsache,dass die Gewinne unter Druck bleiben.Wie gesagt:nur Puts ohne k.o.Modus wählen.

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