Angst und Unkenntnis sind Gründe für niedrige Aktienquote


New York, 26. Februar 2012

Ich bin ein Fan von Robert Shiller. Der Finanz-Wissenschaftler lehrt an der Yale Uni. Er hat mit einem Professorenkollegen den Case-Shiller Home Price Index entwickelt, der führender Immobilienindex in den USA wurde. In einem aktuellen Gastbeitrag für die „New York Times“ geht Shiller der Frage nach, ob intelligente Menschen die besseren Anleger sind. Shiller kommt zu dem Schluss: Ja, es besteht hier ein Zusammenhang.
Warren Buffett behauptet immer, dass kein hoher Intelligenzquotient nötig ist, um erfolgreich an der Börse zu sein. Buffetts Aussage stimmt also nicht.
Eine neue wissenschaftliche Ausarbeitung zeigt, dass smarte Leute die besseren Anleger sind. Es handelt sich um die Studie, die Mark Grinblatt (University of California), Matti Keloharju (Aalto Uni in Helsinki) und Juhani Linnainmaa (Uni Chicago) erstellt haben. Das Trio nahm Finnen unter die Lupe. Finnen deshalb, weil sich dort die wehrdienstpflichtigen Männer einem IQ-Test unterziehen müssen. Und weil alle Männer den Grundwehrdienst ableisten müssen, ist für eine entsprechend umfassende Erfassung gesorgt. Außerdem müssen die Finnen ihr Investment-Portfolio den Behörden mitteilen, weil es eine Vermögenssteuer gibt. Aus diesen beiden Transparenz-Gründen haben die Wissenschaftler Finnland für Ihre Studie gewählt.
Um als Anleger erfolgreich zu sein, ist eine gewisse Diversifikation im Depot wichtig. Das machen die smarten Finnen entsprechend, sie streuen die Risiken schön. Ein weiterer Aspekt, der erkennbar ist: Aktien werfen auf lange Sicht die besten Renditen im Vergleich mit anderen Anlageformen ab. Die cleversten Finnen verfügen entsprechend über einen hohen Aktienanteil.
Woran liegt es, wenn Anleger im Umkehrschluss wenig Aktien (oder gar keine) besitzen und statt dessen allerhand andere Investments? Es liegt schlicht an der Unkenntnis. Es hängt zudem mit einem großen Misstrauen zusammen. In den USA besitzt jeder zweite Erwachsene Aktien (direkt oder indirekt). In Deutschland sind es bloß 13 Prozent. Es ist für Deutschland ein trauriges Resultat, aber seit Jahrzehnten schon ein Problem. Es sollte eigentlich Aufgabe der Regierung sein, die Bevölkerung in Sachen Altersvorsorge besser zu informieren. Die Informations- und Steuerpolitik Berlins in puncto Aktienbesitz ist dagegen eine Katastrophe. Ich vermute, es herrscht in den Regierungsreihen selbst eine enorme Unkenntnis, anders kann ich mir das nicht erklären. Warum wird zum Beispiel der Immobilienbesitz gegenüber dem Aktienbesitz bevorzugt? Wird eine Immobilien (als Kapitalanlage) nach zehn Jahren mit Gewinn verkauft, ist der Gewinn steuerfrei. Bei Aktien fallen dagegen Steuern an. Wir brauchen in Europa eine einflussreiche Einrichtung, die sich darum kümmert, dass die Bürger besser für ihren Ruhestand vorsorgen. Es ist höchste Eisenbahn, um die zunehmende Altersarmut zu bekämpfen.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2008 mit dem Titel „Trusting the Stock Market“ zeigte, dass die Menschen dem Aktienmarkt fern bleiben, weil sie Angst haben, willentlich reingelegt oder abgezockt zu werden. Diese Angst sorgt dann dafür, dass sich diese Menschen komplett fern halten vom Aktienmarkt. Pure Angst war noch nie ein guter Ratgeber. Es mangelt eben an der nötigen Aufklärungsarbeit. Wer könnte diese Herkulesaufgabe in Brüssel und Berlin in die Hand nehmen? Mir fällt niemand mit Macht und Verstand hierfür aus dem Stegreif ein.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Angst und Unkenntnis sind Gründe für niedrige Aktienquote

  1. willihope

    in europa sind einfach zuviele dummköpfe und verkappte kommunisten die lautstark vom paradies träumen! hören sie doch mal sahra wagenknecht zu! da wird einen ganz schlecht wenn sie wieder von verstaatlichung schwärmt!

    ich halte vorwiegend dividendentitel und jedes mal wird mir quellensteuer im ursprungsland und 25% kest in österreich abgezogen! und das im vereinten europa mit doppelbesteuerungsabkommen! ist doch eine totale sauerei, als anleger ist man nur der dumme und wird von der verbeamteten politik auch noch als spekulant beschimpft und zum „freiwilligen“ verzicht bei staatsschulden überredet!

    man muss sich die quellensteuer extra vom ursprungsland zurückholen, alles ein aufwand und kosten beim steuerausgleich, die finanzämter holen sich was irgendwie möglich ist, die gerechtigkeit ist schon lange den bach runter gegangen.

    kostolany sagte: früer gingen die menschen nach amerika, heute geht das geld! recht hatte er! amerika steht mit beiden beinen im kapitalismus, in europa muss man bei jeder wahl zittern ob nicht doch wieder die sozialisten gewinnen und dann neue soziale „errungenschaften“ (finanziert über schulden) erfinden!
    heute gehen ja wieder zusätzlich die menschen aus deutschland weg, gut ausgebildet und motiviert, dafür kommen dann die osteuropäer und türken ins schöne europa. die klassischen auswandererziele usa, kanada, schweiz, australien, neuseeland freuden sich über gut ausgebildete leute deren ausbildung vom deutschen staat bezahlt wurde! dieser braindrain wird noch richtig durchschlagen und ein riesiges problem werden, die „bösen“ gutverdiener finazieren den sozialstaat und nicht die leistungsempfänger!

  2. tim schaefertim schaefer

    @ willihope, junge Einwanderer aus welchem Land auch immer sind gut für eine alternde Gesellschaft. Allein um die Alterspyramide zu stabilisieren.

    Ja, ich gebe Ihnen Recht. In Europa wird leider zu wenig für die Aktie als Investment für die Altervorsorge getan. Es gibt zu wenig Fürsprecher.

    Ich denke es hängt mit einer Unkenntnis selbst in der politischen Führung Europas zusammen. Und anderen Interessen bestimmter Branchen. Verglichen mit den USA ist Europa mit Blick auf die Börse gewaltig im Hintertreffen.

  3. Sams

    Guten Tat. Vor etwas einem Jahr hab ich mich dazu entschlossen einen Teil meines Geldes nicht nur in bekannte Anlageformen zu stecken. Sprich Bausparer, Lebensversicherung usw.
    Arbeite sehr nah an den Menschen, sprich im Verkauf.
    Warum haben die Deutschen so wenige Aktien?
    1 Argument das ich oft von den Leuten höre. Die Gebühren fressen den Kleinanleger auf +/- 0, bekomme ich von jedem imaginär vorgerechnet.

    2. Ohne Fachwissen und Insiderinfos wirst du nur über den Tisch gezogen.

    3. Was wenn die Firma pleite geht, das Geld ist dann weg.

    4. Das läuft doch immer wie bei der Deutschen Telekom. Alles nur verarsche.

    5. Ich hab lieber Fonds, da kümmert sich jemand der Ahnung hat.

    6. Ich hab lieber was in der Hand.

    Etwas subjektiv aber das sind geschätzt von etwa 80% mit denen ich darüber rede die Argumente.

    Sozusagen die Stimme des kleinen Mannes.
    mfg

  4. Sams

    Ja Willi, die Quellensteuer in unserem Binnenmarkt.
    Ich finde das nicht mehr zum Lachen.
    Habe z.B. France Telecom, hoffnungslos.

    Die Schweizer und Österreicher Finanzverwaltung soll ja noch fix sein und das ganze zügig und kostengünstig über die Bühne bringen.
    Italien soll ewig dauern, Spanien mit Sonderregelung, puh, Frankreich verlangt soweit ich weiß Wohnsitzbescheinigung, und das nach meinem Wissenstand über die Bank, sprich Clearstream, die Gebühren dafür liegen recht hoch.
    Über den Daumen gepeilt muß eine recht hohe Aktienzahl, für einen kleinanleger, vorhanden sein. Damit es sich lohnt etwa 1 000 France Telecom, das sind dann schon mal über 10 000 Euro.
    Für einen Kleinanleger 10 000 Euro in eine AG, klingt nicht nach investieren sondern etwas nach spekulieren.

  5. Constantin

    Hallo,

    das Problem fängt doch im Prinzip schon in der Schule an. Ich habe in meiner 13-jährigen Ausbildung nicht eine Unterrichtsstunde mit wirtschaftlicher Bildung verbracht, das staatliche Abitur bekommt man ohne je von dem Begriff Bilanz Kenntnis genommen zu haben. Wer Glück hat, bekommt entsprechenden ein paar Begrifflichkeiten der privaten Altersvorsorge durch den persönlichen Filter des Politiklehrers erklärt. Der Lehrplan befasst sich meines Wissens auch damit nicht.

    Es braucht also private Initiative des Einzelnen, um überhaupt eine gewisse Chance zu haben, privat Geld anzulegen.

    Ich sehe hier ebenfalls ein Versagen der Politik. Statt wie in einem vernünftigen Staat angebracht das Individum zu fördern, wird vielmehr Zeit mit der Findung von „Generalverbesserungen“ verschwendet.

    Ich kann nur jedem emfehlen, sich selbst Wissen anzueignen. Sonst weiß man am Ende nicht einmal, dass man über den Tisch gezogen wurde.

    Viele Grüße

  6. tim schaefertim schaefer

    Hallo Sams,

    Gratulation! Aktien sind die beste Wahl. Sie sind extrem produktiv. Gerade im DAX sind erstklassige Werte versammelt. Da kann man auf lange Sicht kaum etwas falsch machen. Die Streuung ist natürlich wichtig.

    Für ziemlich unproduktiv halte ich Bausparverträge, Festgelder und andere lausig-verzinslichen Produkte.

    Die Sorge, bei einem Milliarden-Konzern wie BASF, Fielmann, SAP, Dt. Bank, Adidas usw „über den Tisch gezogen zu werden“, ist nicht wirklich berechtigt.

  7. tim schaefertim schaefer

    Hi Sams,

    stimmt. Die Quellensteuer ist ein Ärgernis. Einerseits ist ja die Streuung ins Ausland ratsam, andererseits wird einem dann diese Extra-Steuer weggenommen.

  8. tim schaefertim schaefer

    Hi Constantin,

    wenn die Eltern und Lehrer einem das nicht vormachen bzw. erklären können, was sollen dann schon die Kinder glauben.

    Als Heranwachsender braucht man in der Tat einen Ansporn. Das ist, da stimme ich zu, das Kernproblem in Europa!

    Wir Europäer stecken all unsere Ersparnisse in ziemlich unproduktive Dinge wie Sparbücher, Festgelder und Kapitallebensversicherungen.

    Viele Grüße
    Tim

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