An einem Montag im Oktober: Vorsicht Crashgefahr


New York, 19. September 2013

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Historisch betrachtet ist der Oktober ein grottenschlechter Börsenmonat. Dazu gibt es Studien. Warum das so ist, keine Ahnung. Vermutlich nehmen die Menschen nach dem Sommer einfach ihre Gewinne mit. Sie fahren sozusagen die Ernte in die Scheune, bevor der Frost kommt.
Zudem ist ein Montag für einen Crash besonders anfällig. Über das Wochenende entscheiden sich wohl viele Börsianer, ihre Gewinne zu realisieren. Sie steigen dann an einem Montag aus. Plötzlich kommt es zum Crash. Die „New York Times“ hat die jahreszeitlichen Muster an der Wall Street anschaulich beschrieben.
Stellen Sie sich also auf einen Knall in den kommenden Wochen ein. Alles ist möglich. Genaues weiß natürlich niemand. Vorstellbar ist auch: Es kommt zu keinerlei Korrektur.
Zu Panik besteht keinerlei Grund. Eher würde ich Ihnen raten, Kursrückgänge für Zukäufe zu nutzen. Wer flüssige Mittel aufgebaut hat, für den kann sich so jede Kursturbulenz auszahlen.
Gerade für ältere Börsianer lohnt es sich nicht, wegen des erhöhten Kursrisikos von der Börse zurückzuziehen. Im Gegenteil. Die Wertpapierrenditen sind so süß und verlockend, dass sich Wissenschaftler mittlerweile für mehr Aktien im Seniorendepot aussprechen. Das zeigt diese neue Studie.
Die Aktienanlage ist herrlich, wenn Sie die Zusammenhänge verstanden haben. Kaufen Sie günstig ein, lassen Sie die Aktien anschließend lange liegen. Für ein paar Jahrzehnte. Ideal sind grundsolide Dividendentitel.
Eine andere erfolgsversprechende Strategie sind kostengünstige Indexfonds oder ETFs. Vor aktiv gemanagten Fonds rate ich eher ab, weil die Kosten im Regelfall zu hoch sind und diese Produkte tendenziell mehr dem Anbieter, als dem Anleger nutzen. (Es gibt selbstverständlich Ausnahmen.)
Haben Sie Mut. Fehler passieren uns allen. Die gehören einfach dazu. Sie werden sich vermutlich wie ein Idiot fühlen, wenn Sie während eines Crashes Aktien billig einsammeln. Keine Sorge, Sie sind smart.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „An einem Montag im Oktober: Vorsicht Crashgefahr

  1. Matthias

    Hey Tim,

    bisher hatte ich nur lobende Worte parat, jetzt mal etwas Kritik.
    Du schreibst sehr oft, dass es solche „Saisonstrategien“ letztlich nicht gibt, denn sonst wären wir ja alle reich („sell in may..“). Andererseits warnst du jetzt auf der Grundlage von solchen historischen Daten. Ich denke, das ist wie Autofahren auf der Autobahn, wenn man nur in den Rückspiegel schaut: Die linke Spur ist frei, man kann so schnell fahren, wie man will – plötzlich kommt ein Stau, Pech gehabt!!

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthias,

    es ist hilfreich, sich gedanklich mit solchen Dingen im Vorfeld zu befassen. So kann jeder Dummheiten vermeiden. Wer das versteht, verkauft eben nicht seine Positionen aus einer Angst heraus, sondern kauft eher zu.

    Ob es zu einer Korrektur kommt, keine Ahnung. Wir werden sehen. Ob es Sinn macht sich nach diesen jahreszeitlichen Mustern zu richten? Nicht wirklich.

    Szenarien gedanklich durchzugehen, zahlt sich indes aus, weil man als Anleger dann besonnener reagiert. Ich rate zum Kaufen und Liegenlassen für mehrere Jahrzehnte.

  3. Matthias

    Das klingt schon eher nach dir 😉

    Ich kann nur hoffen, dass es demnächst zu einem Einbruch kommt. Ich häufe seit knapp einem Jahr Cash an – nicht, weil ich auf einen Crash wette, sondern weil ich kaum Schnäppchen finde. Ich denke, dass der Markt insgesamt leicht überbewertet ist. Dax zum Beispiel sehe ich fair bewertet bei 8000 bis 8500.

    Langsam komme ich an den Punkt, dass ich beim Tagesgeld mit einer negativen Realverzinsung schmore, während immernoch Coca Cola, McDonald's oder auch kleine Werte wie z.B. Hawesko Holding mit Divrenditen von 2 bis 3% warten. Schwierige Situation..

  4. Sebastian

    Ja, die Sache mit der Geduld.
    Hinterher ist man immer schlauer und so wird es wohl nie DIE Lösung geben.

    Wenn uns zwei Jahre boomende Konjunktur in aller Welt bevorsteht, sind die Preise heute eher günstig, wenn nicht, dann eben nicht….

    Ich warte gerne, bis ein Wert zumindest um 10% abgefallen ist und investiere nie die komplette Cashreserve. Bei Buy-and-hold macht es eh keinen großen Unterschied, ob es ein paar Euro mehr oder weniger sind.

    Mir wäre aber ein wenig mehr Disziplin bei der Geduldsfrage lieber.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Marc

    Nein, Ausstiegskriterien habe ich nicht. Ich halte das Zeug durch. Durch dick und dünn. Die Auswahl findet bei mir vorher statt. Ich versuche, so wenig wie möglich zu verkaufen. Mein Verkaufsknopf ist im Endeffekt gesperrt.

    Als Lehman Brothers pleite ging und die Wall Street um 50% einbrach, sagten viele: „Buy and Hold funktioniert nicht mehr.“ Alles Unsinn. Fünf Jahre später zeigt sich: Es funktioniert sehr wohl. Es ist einfach exzellent.

    Ich gebe zu: Ein paar Fehlgriffe passieren jedem. Es gibt Aktien in meinem Depot, die laufen einfach nicht sonderlich toll und zahlen aber trotzdem 4 bis 5 % Dividende. Ich betrachte die Aktien-Luschen wie einen Bond. Dafür brauche ich eben keine Anleihen im Depot. Mein Motto ist: Keine faulen Ausreden! Mitgefangen, mitgehangen!

  6. Matthias

    @ Tim:

    Und wenn sich etwas grundlegend in der Branche ändert, oder auch im Unternehmen selbst? Z.B. im Zuckermarkt (Südzucker)? Aber davon abgesehen finde ich die Einstellung sehr gut. Dennoch schaue ich einmal jährlich ins Depot und prüfe die Geschäftsberichte sehr kritisch. Wenn man aber vorher gut selektiert hat (wie du ja sagst), dann bleibt der Verkaufsknopf verschont.

    Wie siehst du es aber mit einer eventuellen Überbewertung?

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Matthias

    Ich lasse meine Positionen in der Regel liegen wie einen guten alten Cognac. Ständig ändern sich irgendwo die Rahmenbedingungen.

    Bei einer zu hohen Bewertung lasse ich die Position ebenfalls liegen. Was ist schon eine zu hohe Bewertung? Darüber kann man streiten. Meine Aktien stehen in der Regel nicht im Rampenlicht. Insofern sind sie keine Lieblinge der Meute.

  8. Matthias

    @ Tim:

    Klingt vernünftig. Mir gefällt deine klare Meinung zu verschiedenen Themen. Es gibt immer Unterschiede, selbst zwischen Value Investoren. Würde jeder exakt dieselbe Strategie fahren, dann wäre sie nicht erfolgreich. Weiter so!!

  9. Jan

    Hallo Tim, viele Leser würde sicher mal interessieren, welche Titel derzeit in Deinem Depot zu finden sind. Vielleicht schreibst Du ja darüber mal was!?

    Viele Grüße
    Jan

  10. Gast

    Ich finde die Zurückhaltung von Tim über seine Depotwerte für gut und richtig.
    Es gibt viele Börsenseiten im Netz, auf denen Depots veröffentlicht werden.Früher oder später geht es nur noch darum wann der Seitenbetreiber welchen Titel kauft oder verkauft.

    Es folgen endlose Diskussionen über richtige und falsche Werte, richtigen oder falschen Zeitpunkt. Selbst zuerst gut gemachte Börsenseiten enden zum Schluss im Wahnsinn des Viel-Tradens.

    Hier bei Tim geht es über Einstellung zum Geld, Lebensweisen und wirklich sinnvoller Geldanlage. Ich hoffe es bleibt so.

  11. Friedrich

    GAST = Tim???

    @Tim
    Mich und viele die Deinen Blog regelmäßig verfolgen würden Deine Depotpositionen sehr interessieren.
    Wir warten gespannt.

    Viele Grüße und schönes Wochenende

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