Amerikas Dauerläufer: Das sind die besten US-Aktien


New York, 1. Dezember 2013

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Für das Magazin „BÖRSE ONLINE“ schrieb ich einen Artikel über die Vorzüge des „Buy and Hold“. Ich bat hierfür den kalifornischen Finanzspezialisten Wilshire Associates, die besten Aktienperformer der vergangenen drei Jahrzehnte herauszufiltern. Wirklich beeindruckend ist die Liste der besten Aktien: Amgen, Danaher, Kansas City Southern, Holly Frontier, Paychex…
Mit diesen Titeln konnten Sie im Schnitt gut 20 Prozent per annum verdienen in den vergangenen Jahrzehnten. Sie hätten so Investmentguru Warren Buffett im Staub zurückgelassen. Einfach kaufen und Liegenlassen. Das bedeutet aber, Sie müssen eine Finanzkrise und eine Gewinnwarnung aussitzen können.
Eine solche Recherche ist nicht einfach, weil einmalige Effekte wie Spin-offs, Fusionen oder Sonderausschüttungen die augenscheinliche Performance beeinflussen. Insofern haben die Wilshire-Analysten diese Effekte neutralisiert. Und sie haben die Wiederanlage der Dividende unterstellt. Es war sehr viel Arbeit, sagte man mir.
Wenn Sie sich Aktiencharts anschauen, können diese ein falsches Bild beim Betrachter hinterlassen. Sie können grauenhaft aussehen, wenn eine adrette Tochter abgespalten wird. Denn die Assets der Tochter verlassen ja die Mutter, das löst einen Kursrutsch im Mutterkonzern aus. Dafür bekommen Sie aber gleichzeitig die Aktien der Tochter ins Depot gebucht. Insofern kann der reine Blick auf den Chart einen falschen Eindruck erzeugen. Hier haben die Charttechniker eine Fehlerquelle.
Das gleiche passiert bei extrem hohen Ausschüttungen, der Chart geht anschließend „baden“. Im Fachchinesisch wird der Kursrücksetzer nach der Ausschüttung als „Dividendenabschlag“ bezeichnet.
Ich habe im Finanzviertel ein kleines Video (Youtube) zum Thema „Kaufen und Liegenlassen“ aufgenommen.
Ich halte diese Strategie für überlegen. So können Sie die Gefühlslage (Angst, Gier) neutralisieren. Sie können die Transaktionskosten einschließlich möglicher Steuern minimieren.
Wer die Entscheidung für sich trifft, lange zu investieren, überlegt automatisch etwas intensiver. Kurzschlusshandlungen gepaart mit der üblichen Selbstüberschätzung können Sie so vermeiden. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich das auszahlt.
Mit Blick auf die Liste gilt: Die Performance in der Vergangenheit ist natürlich keine Garantie für die zukünftige Rendite.

Sie können meine Videos bei Youtube abonnieren. Ich stelle circa ein Video pro Woche ins Netz.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Amerikas Dauerläufer: Das sind die besten US-Aktien

  1. StefanStefan

    Da fällt mir wieder ein Warren-Zitat ein: If you are right about the business you´ll make an awful lot of money!

    Das ist eben die Kunst: das richtige business zu finden.

    Kernkraft war es nicht, Telekom und Internet nicht, Solarenergie nicht usw usw. Im Nachhinein ist das natürlich leicht zu sagen 🙂

  2. Matthias

    Hallo Tim,

    glaubst du ernsthaft, mit diesen 20 auf Börse-Online genannten Aktien in den nächsten 30 Jahren ähnliche Renditen einfahren zu können?
    Ich habe auf Verdacht mal eine kleine Recherche angestellt und habe folgendes ermittelt:

    Im Jahr 1983 waren mehr als die Hälfte der genannten Aktien jünger als 20 Jahre und fast drei Viertel hatten noch keine 30 Jahre auf dem Buckel.
    Somit sollte man die Favoriten für die nächsten 30 Jahre nicht unter den alten Firmen suchen, sondern mal einen Blick auf die Firmen werfen, die noch nicht so lange existieren und derzeit noch zu den Small- und Mid-Caps gehören.

    Auch wenn ich Herrn Buffett bewundere, so ist doch festzustellen, dass die Entwicklung des Buchwertes von Berkshire Hathaway, die ja in den Geschäftsberichten regelmäßig der Wertentwicklung des S&P 500 gegenübergestellt wird, in den letzten 10-15 Jahren keine großen Überrenditen mehr zum Vergleichsindex abwerfen konnte.
    Ich denke, die Größe des Unternehmens hindert Herrn Buffett daran, noch große Überrenditen zu erzielen, was er ja auch selbst bereits gesagt hat.
    Was die viel betitelte Rendite von 20% pro Jahr angeht, hat die Firma Berkshire das Glück, von den großartigen Renditen der 60er, 70er und 80er Jahre zahren zu können.

    Als Fazit könnte man feststellen, dass man sich bei der Auswahl von Unternehmen nicht nur auf die Evergreens und Superinvestoren verlassen sollte, sondern auch mal eigene Überlegungen und Nachforschungen anstellen sollte, welche Unternehmen in der Zukunft eine überduchschnittliche Wertentwicklung aufweisen könnten.

  3. Felix

    Das Problem in meinem Depot ist nicht, dass ich nicht auch ein paar dieser Dauerläufer im Depot gehabt hätte. Aber leider waren auf der anderen Seite eben auch Versager-Aktien bis zu Fast-Pleiten dabei. So dass natürlich bei weiten keine 20 % p.a.-Rendite über Jahrzehnte hinweg herauskommen.
    Nichtsdestotrotz bin ich zur Zeit mehr als zufrieden.
    Die Loser zu vermeiden, das freilich wäre der Stein des Weisen bzw. Reichen.

  4. Markus

    Nur weil wir aktuell bei manchen Indexen am all-time-high stehen muss man jetzt nicht größenwahnsinnig werden und auch mit 20 % p. a. die nächsten 25 – 30 Jahre planen!!!

    So zwischen 8 & 12 % Rendite nominal reichen mir. Wenn es um die 7 % real sein sollten, prima! Ob es dauerhaft klappt… keine Ahnung. Die letzten 5 Jahre liegen je nach Startpunkt um die 14 %.
    Wobei Rendite-Berechnungen von Depots teilweise sehr grausig unterschiedlich gemacht werden… Einer lässt das Tagesgeld unter den Tisch fallen, der nächste den Bausparvertrag und so kommen viel lustige und nicht vergleichbare Zahlen dabei raus.

  5. tim schaefertim schaefer

    Hallo Matthias,

    gute Gedanken dazu. Danke. Ob diese Aktie die nächsten Jahre ihre Rallye fortsetzen, weiß ich nicht. Gut möglich. Aber es wird sicherlich welche geben, die es nicht schaffen werden.

    Grundsätzlich geht es mir darum, zum Nachdenken anzuregen. Ich bin wirklich dankbar für all die exzellenten Kommentare. Wir können alle voneinander lernen. Wissen führt zum Erfolg.

  6. Anna

    Bitte lasst Euch nicht dazu hinreißen und ausrechnen, was man bei jährlich 20 % Steigerung in 10 Jahren hat oder haben könnte!! Als ich das mal gemacht habe, da kam hinterher die Finanzkrise.
    Ich habe immer noch einige DAX-Werte, die in den Miesen hocken (gekauft 2008 bis 2011), trotz Höchststände beim DAX.

  7. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Hallo Anna! 😉

    Habe übrigens inzwischen SRV und SRF gekauft. Nur, weil ich letztens dann nach Ankündigung doch nicht gekauft habe, und vielleicht der Eindruck entstand, ich stehe nicht mehr dazu. Im Gegenteil, werde nachkaufen. 😉
    RNF heute mal wieder ein „Bear of the Day“. Hast Du die (inzwischen)? Habe einen Glücksgriff gemacht mit CVI (CVR Energy, Inc.) vor Wochen. Sehr schön im Plus und nette Dividende, wenn auch nicht üppig.

    Schönen Gruß
    Matthias

  8. Tino

    @Matthias, es ist nur ein historischer Rückblick auf ausgewählte Unternehmen die sich genau in diesem Zeitraum sehr gut entwickelt haben. Das heißt Vergangenheit. Ich glaube wohl kaum das Tim damit 20% Rendite in der Glaskugel für die nächsten 30 Jahre sieht, und jetzt sein Portfolio komplett umschichtet, auf genau diese Aktien. Denn schaut man sich jetzt die Fundamentalwerte an, so sieht man schnell das wohl bei vielen Werten der Einstiegspunkt denkbar ungünstig ist, was aus meiner Sicht bei den meisten Stalwarts aktuell der Fall ist. Die Rendite ist abhängig von der Einpreisung der Investoren und Spekulanten. Und wenn ich KBV's jenseits der 4 oder KGV's jenseits der 20 habe, dann sind die Unternehmen neben der hohen Profitabilität auch einfach teilweise überkauft, zum Glück für die frühen buy-and-hold Investoren, die jetzt eine saftige Rendite erzielt haben, und das ist für mich die Kernaussage, das richtige Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt gekauft als Langzeitinvestition. Bedenken muss man bei jedem Unternehmen auch den Lebenzyklus, den Peter Lynch einfach und logisch beschrieben hat, 1. Gründung, Aufbau Geschäftsmodell 2. Wachstum 3. Reifung/Marktsättigung. Und wenn man das Glück hat genau am Anfang von 2. einzusteigen, dann erzielt man voraussichtlich solche Renditen und in einzelnen Phasen noch höher, vorausgesetzt das Unternehmen bleibt über diesen langen Zeitraum profitabel und man hält selbst buy-and-hold konsequent durch. Die Legende von Warren's Berkshire zeigt die Lebensphasen m. E. auch gut. Warren gibt immer die durchschnittliche Rendite von 20% ausgehend von den 60er Jahren bis jetzt an, ein toller Erfolg, nur unterschlägt diese Betrachtung die aktuelle Rendite bei einem Invest in BH. In den letzten 20 Jahren gab es noch durchschnittlich eine Rendite von 15%, in den letzten 10 Jahren noch 10%, die Kurve flacht deutlich ab, weil Buffett einfach nicht mehr genug investieren kann, bzw. keine Elefanten (die er jetzt braucht) findet (und Elefanten sowieso langsamer laufen), früher reichten viele flinke Kaninchen und ruppige Wildschweine, die es zuhauf gab, ein natürlicher Prozess der Reifung. Und trotdem halte ich BH immer noch für toll gemanaged, ein quasi Index.

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Tino
    Sehr gute Gedanken.

    Beim Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) immer aufpassen. Denn Aktienrückkäufe verfälschen das Bild. Sie reduzieren das Eigenkapital, insofern kann in der Folge das KBV explodieren. Das KBV sieht oft optisch teuer aus. Für Firmen, die ihre Aktien massiv zurückkaufen, ist das KBV eine Kennziffer mit wenig Aussagekraft, finde ich. Für diese Firmen sind KGV, KUV, Dividendenrendite etc. bessere Maßstäbe.

  10. Tino

    danke für den Hinweis zum KBV Tim. Bei der gedanklichen Vernetzung der Kennzahlen im Kontext des Unternehmens hab ich noch wenig Erfahrung. Da liegt m. E. das große Potenzial für jeden, wenn man diese mit nötigem Abstand betrachtet und auch das Geschäft dahinter versteht, Buffett-Framework 😉

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