Am Ende gewinnt der ehrbare Kaufmann


New York, 24. Juni 2013

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Die Weltwirtschaftskrise vor vier Jahren hat die Menschen verändert. Sie sind kritischer geworden. Sie trauen Bankern, Beratern, Vermittlern kaum noch über den Weg. Ich finde, das ist verständlich. Kritischer sind wir Menschen nicht nur durch das Finanzchaos, sondern auch durch das Internet geworden. Es hängt mit der Informationsflut zusammen.
Ständig kommen neue Betrügereien, Skandale, Lügenmärchen ans Tageslicht. Ich finde, die neue Transparenz ist eine insgesamt positive Entwicklung. Der ehrbare Kaufman wird durch diesen Trend noch schneller zum Gewinner.
Die Flecken auf der „weißen“ Weste der Banker nehmen zu: Die Libor-Manipulation, die dubiosen Hypothekenpapiere (sogenannte CDOs), unmoralische Geschäfte, Intransparenz, absurde Millionengehälter, verlustreiche Finanzprodukte…
Gerade sind Tonbandaufnahmen zweier Manager der Anglo Irish Bank publiziert worden. Der Gesprächsmitschnitt stammt aus dem Jahr 2008, als es Spitz auf Knopf für das irische Finanzhaus stand. In dem Telefonat machen sich die beiden Banker lustig über die Staatshilfe, die sie nie zurückzahlen wollen, wie einer in dem Telefonat zugibt. Erstaunlich, wie egoistisch Menschen sein können, die in der Hierarchie eines Konzerns oben angekommen sind.
Wozu führt die neue Transparenz? Wer einen schlechten Ruf hat, bekommt kaum eine zweite Chance. Das Misstrauen ist in allen Bereichen der Gesellschaft enorm. Gegenüber der Regierung, Ministern, Beamten, Konzernen … selbst gegenüber dem Vatikan.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Auf der Hauptversammlung der Berliner Immobilienfirma GSW zeigten die Aktionäre dem Aufsichtsratschef und dem neuen CEO die rote Karte. Sie entzogen mit jeweils deutlich über 50 Prozent beiden Führungspersonen das Vertrauen. Es besteht die Befürchtung, der kerngesunden GSW kann das gleiche Schicksal wie der todkranken Büroimmobiliengesellschaft IVG ereilen, wo beide Herren vormals gearbeitet haben. Früher wäre so ein Aufstand der Aktionäre kaum vorstellbar gewesen.
Durch das Internet kann jeder in Sekundenschnelle umfangreiche Recherchen vornehmen. Ich gebe Ihnen ein weiteres Beispiel: Wenn eine Versicherung auf Kundenanfragen nur mit erheblicher Verzögerung oder gar nicht reagiert, ist das ein Alarmsignal. Das spricht sich schnell herum. Wer seine Kunden früher schäbig behandelt hat, der konnte das vermutlich unter den Teppich kehren. Es kam nie heraus. Heutzutage verbreitet sich das wie ein Lauffeuer im World Wide Web. Blitzschnell sucht ein „Shitstorm“ ein Unternehmen heim.
Als Langfristanleger sollten Sie auf Unternehmen setzen, die ein sauberes Image haben. Wir brauchen Produkte bzw. Dienstleistungen, die dem Kunden einen Mehrwert bieten. Einen nachhaltigen Nutzen sollten die Produkte stiften.
Manchmal besteht ein Widerspruch zwischen dem, was die Menschen wünschen und was gut für sie ist. Da kann sich in der Zukunft ein Problem auftürmen, wenn der Vorstand nicht gegensteuert. Hersteller von Softdrinks und Zigaretten leiden darunter. Der Zigarettenabsatz schrumpft in den westlichen Industrienationen. Zuckerhaltige Getränke werden zunehmend gemieden.
Sehen Sie diese neue Werbekampagne von CocaCola, sie verdeutlicht den Widerspruch, in dem der Konzern steckt:

Manager sind gefragt, sich für die Kunden und Belange der Bevölkerung (Umweltschutz, Gesundheit etc.) einzusetzen. Verantwortungsbewusstsein mitsamt einem tugendhaften Verhalten – das wünschen wir uns als „Buy and Hold“-Anleger. Wer egoistisch handelt, nur an den eigenen Geldbeutel denkt, für den besteht wenig Hoffnung.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Am Ende gewinnt der ehrbare Kaufmann

  1. Martin

    Das wäre schön.
    Ich glaube jedoch bei gleicher Qualität kauft der Kunde das günstigere Produkt, auch wenn es in fernen Ländern Umweltschäden und soziale Katastrophen verursacht. Green washing ist günstiger als echte Nachhaltigkeit und das Gewissen des Konsumenten ist beruhigt.

  2. Matthäus Piksa

    Ich möchte aus dem Artikel nur einen Punkt herausgreifen: „Durch das Internet kann jeder in Sekundenschnelle umfangreiche Recherchen vornehmen.“

    Ich habe genau das in letzter Zeit am Beispiel Russlands getan und musste feststellen: Allen Ortes spricht man von China und seiner Wirtschaftskraft, übersieht aber, dass auch Russland voll dabei ist, wenn es darum geht, von tektonischen Machtverschiebungen zu profitieren.

    Ich habe in meinen letzten Blogartikeln einige russlandbezogene Themen, zum Teil durchaus kontroverse, angesprochen und bin zu der Erkenntis gelangt, dass Putin-Russland im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Machtgewinn erlangt hat.

    P.S.: Als ehrbaren Kaufmann würde ich Putin nicht bezeichnen! 😉

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Martin

    Ich denke schon, für Unternehmen ist es immanent wichtig, im Sinne der Kunden zu handeln. Qualität, Fairness, Transparenz, Ethik, Umweltschutz sind keine Worthülsen. Unternehmen, die stetig dagegen verstoßen, werden unter einem enormen Druck stehen.

    @ Matthäus

    Oh, ja der Putin. Es wäre mal interessant zu recherchieren, wie umfangreich das Privatvermögen des Herrn Putin ist.

    Ich finde es übrigens unmoralisch, welche Privatjobs /-geschäfte unser Altkanzler Gerhard Schröder mit diesem Regime abwickelt. Das gehört sich meiner Meinung nach nicht für einen Ex-Bundeskanzler.

  4. willihope

    die spd-ler sind um nichts besser sobald sie an den futtertrog gelangen! jeder lässt sich dann gerne das eine oder andere bezahlen und macht „vorträge“.

    wendehälse und mitnehmer sind sie allesamt.

  5. Matthäus Piksa

    @Tim

    Mir ist es unverständlich, warum Putin-Russland mit der Winter-Olympiade 2014 und der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zwei sportliche Großereignisse austragen darf. Wir wissen alle, dass sportliche Großereignisse durchaus für Propaganda-Zwecke missbraucht werden können und nicht nur von den Problemen im eigenen Land ablenken sollen, sondern auch einen nicht gerechtfertigten Image-Gewinn hervorrufen.

    Für die Kategorisierung „Nicht gerechtfertigt“ ein aktuelles Beispiel: In Russland operierende NGOs, die aus dem Ausland finanziell unterstützt werden, müssen sich mittlerweile bekanntlich als „Agenten“ bezeichnen lassen. Lächerlich, aber eine klare und typische Machtdemonstration auf Putinsche Art.

    Bedenklich ist zudem, dass Unternehmen wie CocaCola die oben genannten Großereignisse als Hautsponsor sicherlich wieder unterstützen werden. Es geht vermutlich am Ende einfach um zu viel Geld, bzw.bei CocaCola um die marketingstrategische Reichweite.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus
    Russland ist ein undurchsichtiges Regime.

    Wie das mit den Sportevents entscheiden wird, da kenne ich mich nicht sonderlich gut aus. Wie da der Rubel rollt (in welche Taschen), wäre indes durchaus spannend herauszufinden.

    @ Markos
    Das stimmt. Es gibt kein perfektes Unternehmen. Genau das macht ja das Investieren so spannend. Sonst wäre das Investieren wohl ziemlich langweilig.

  7. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ja das stimmt. Russland ist undurchsichtig, intransparent. – Ich denke übrigens, dass es nicht Aufgabe westlicher Unternehmen wie Cola, McDonalds, Adidas ist, um nur einige wenige Hauptsponsoren zu nennen, Entscheidungen des IOC und der FIFA zu hinterfragen…

    Ich weiß jedoch von dem kritischen Journalisten Jens Weinreich, der nach eigener Aussage dort hingeht wo es wehtut und genau da tut. Hier ist sein aktuelles Buchprojekt, das er sich als investigativer Journalist von der Crowd vorfinanzieren lässt.
    Die paar Euro, die ihm noch fehlen wird er auch noch einsammeln.

    Ohne groß Werbung zu machen: Die anderen journalistischen Crowd-Projekte auf der krautreporter-Plattform scheinen auch nicht schlecht zu sein. Sicherlich ein Finanzierungsmodell der Zukunft.

    Übrigens: Etwas unkritischer sehe ich den von Schröder eingefädelten Gazprom-Deal und die Errichtung der Nord Stream – Pipeline, durch die jetzt Gas aus Russland direkt nach Deutschland strömt, ohne den Umweg über andere osteuropäische Länder. – Aus Gründen der Diversifikation wäre es schön, wenn jetzt auch die Nabucco-Pipeline gebaut wird, durch die Gas von Aserbaidschan und Tirkmenistan, sprich aus dem Kaspischen Meer, nach Europa geliefert wird. Interessanter Nebenaspekt: Joschka Fischer ist Lobbyist dieses Prestigeprojekts.

  8. Matthäus Piksa

    @Tim

    Weil du in dem Artikel auch den Vatikan erwähnst. Papst Franziskus hat jetzt eine Untersuchungskommission für die Vatikanbank einberufen.

    Wenn man bedenkt, dass in vatikanischen Maßstäben schon die Wahl Jorge Mario Bergoglios zum Papst als ersten Nicht-Europäer in der 2000-jährigen Geschichte der Katholischen Kirche eine Sensation war, dann könnte man diesen Schritt durchaus so interpretieren, dass Papst Franziskus frischen Wind in die Kurie bringt.

    Die mutmaßlichen Verstrickungen der Vatikanbank in kriminelle Aktivitäten könnten ein (Mit-)Grund für die Vatileaks-Affäre gewesen sein. Letztlich aber auch für den Rücktritt Papst Benedikt XVI.

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus

    Danke für die informativen Links. Du hast Recht. Kein Unternehmen, keine Organisation, kein Mensch ist ohne Fehler. Das schließt die Kirche mit ein, wie wir alle wissen.

    Die Kirche bietet vielen Halt, Orientierung und hilft Menschen in schweren Phasen, was super ist. Trotz einiger Missstände.

  10. Matthäus Piksa

    @Tim

    Das stimmt.

    Ich finde die beiden Leaks-Geschichten (wikileaks+vatileaks) jedenfalls spannend und werde auch weiterhin verfolgen wie sie gemanagt werden.

    Ich werde auch wegen der Nabucco-Pipeline online ein wenig recherchieren, um herauszufinden, was hier schief gelaufen ist. Offensichtlich ist jedenfalls, dass Gazprom überhaupt kein Interesse daran hat, dass diese Konkurrenz-Pipeline entsteht. – Die Frage ist: Warum haben Fischer (Cheflobbyist), Oettinger (EU-Energiekommissar) und andere versagt, dafür zu sorgen, dass unsere Energieversorgung diversifizierter wird. – Taugt die TAP-Pipeline durch Griechenland+Albanien nach Italien als Ersatz? etc.

    Bis dann.

  11. Andreas

    Ich kann dir nur zustimmen, dann langfristig ist eine (Kunden)beziehung nur erfolgreich, wenn beide Parteien etwas davon haben…

  12. StefanStefan

    @ Matthäus Piksa:

    Du siehst den Schröder Deal unkritisch? Da hast du dich doch verschrieben, oder?

    Ich finde es äußerst verwerflich in der Zeit als Bundeskanzler Deals einzufädeln um sich dann hinterher von der bevorzugten Firma bezahlen zu lassen. Das riecht schon stark nach Korruption. Schröder ist da viel zu gut weggekommen! Finde das kriminell.

    Außerdem was habt ihr alle gegen Putin? Der ist doch ein lupenreiner Demokrat!:-)

    Die USA sehe ich mittlerweile allerdings auch kritischer. Was die unter dem Deckmantel des Terrorschutzes so veranstalten…das erinnert schon an Stasi und DDR.

    Ein Trost ist aber, dass selbst der Staat selbst nicht sicher ist mit seinen Dokumenten und Geheimnissen. Ist irgendwie gerecht, dass nicht nur wir gläsern sind.

  13. Matthäus Piksa

    @Stefan

    Ich habe geschrieben, dass ich es „etwas unkritischer“ sehe. 😉

    Es geht mir darum, dass die Energie- und Rohstoffversorgung eines Staates mitunter als Angelegenheit der nationalen Sicherheit angesehen werden kann.

    Und mit der Nord-Stream-Pipeline gibt es neben der Jamal-Pipeline jetzt zwei Pipelines, die Gas aus Russland nach Deutschland transportieren. Gebaut wird von Gazprom nun noch eine dritte Pipeline über das Schwarze Meer nach Osteuropa, unter Umgehung der Ukraine. Die wiederum soll wie Polen große Schiefergas-Vorkommen haben, die wiederum ua von amerikanischen Unternehmen erkundet und später dann auch ausgebeutet werden sollen.

    „Fracking“ als game changer sozusagen.

    Zu dem gescheiterten Nabucco-Pipeline-Projekt, hier war Fischer der Cheflobbyist, schrieb ich einen Blog-Artikel mit weiteren Links. Einfach mal reinschauen.

    Gruß

  14. Matthäus Piksa

    A propos „nationale Sicherheit“ – Die USA haben offensichtlich ein Problem mit Geheimnisverrätern.

    Meine „Prognose“: Werden die gehandelten Akteure gefasst, drohen langjährige Gefängnisstrafen… Mehr aber auch nicht, schon allein wegen der enormen medialen Aufmerksamkeit. – Ganz anders wird so etwas in Russland gehandhabt, wie dieser Fall zeigt. Für den Kreml ist Geheimnisverrat gleichzusetzen mit einem Todesurteil. Jedenfalls wurden Kritiker schon wegen weniger kalt gemacht, wie der Litwinenko-Fall zeigt.

    Zu den irischen Bankern, auf die Tim eingangs Bezug nimmt, hat sich jetzt Merkel geäußert.

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