Altersvorsorgeexperte: Zocken endet meist im Desaster


New York, 29. Juni 2014

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Ich sprach kürzlich mit William Bernstein (Foto). Der Altersvorsorgeexperte ist ein Fan von Indexfonds. Bernstein glaubt, dass der Erfolg von Warren Buffett längst vorbei ist. Seit Jahren liegt Buffett gegenüber dem S&P-500-Index zurück. Das werde so bleiben, prophezeit er. Alle aktiven Fondsmanager tendierten in der Summe zum Durchschnitt. Nach Abzug der Kosten bliebe kein Vorteil gegenüber dem Index.Bernstein rät, keine Pennystocks anzufassen. Er warnt vor der Zockerei. Statt dessen sollten Sie: Langfristig anlegen. Einen Plan haben. Strikt auf das Risiko achten. Mit höherem Alter die Aktienquote reduzieren und dafür den Anleiheanteil hochfahren. Auf Bernsteins privater Website finden Sie übrigens gute Literaturvorschläge.Mir fällt auf, dass Experten wie Bernstein meist das gleiche Fazit haben: Spare viel. Fahre die Sparrate hoch. Kümmere Dich darum. Nehme es ernst. Unterschätze den Geldbedarf im Alter nicht. Er ist höher, als Du Dir wohl vorstellen magst. Tilge Schulden so schnell wie nur möglich. Meide Konsumschulden. Es ist nicht einfach. Achte strikt auf die Kosten der Geldanlage (Trading, Fondsmanager, Gebühren, Nebenkosten, Steuern…).Ich stimme nicht überall mit Bernstein überein. Zum Beispiel bin ich für eine recht hohe Aktienquote selbst im Alter. Wir haben ja die Gesetzliche Rente als einen Grundsockel, der stetige Einnahmeflüsse bietet, was mit einer Staatsanleihe verglichen werden kann. Wir haben einen Notgroschen. Ein Festgeldkonto oder Sparbuch. Und viele haben ein Eigenheim. Insofern ist einiges recht sicher im Alter. Daher sind Aktien als Beimischung im Alter ok, finde ich. Es macht grundsätzlich Sinn, sich andere Meinungen anzuhören, um seinen eigenen Standpunkt zu finden.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Altersvorsorgeexperte: Zocken endet meist im Desaster

  1. Couponschneider

    Ich halte auch wenig davon, die Aktienquote an das Alter zu koppeln (berühmte Formel: Aktienquote = 100 % – Alter). Eigentlich hängt's nur davon ab, wie viel liquide Mittel man kurz- und mittelfristig benötigt und wie viel man hat. Wenn die staatliche Rente und die Dividenden ausreichen, dann braucht man keine Aktien verkaufen. Absurder wird die Formel bei 50-jährigen, die nur 30 % ihres Einkommens benötigen, aber nicht mit einem großen Teil der restlichen 70 % in Aktien gehen, weil sie ja den Aktienanteil gemäß Formel abschmelzen sollen. Und angenommen, er ist 50, hat aber einen Aktienanteil von 0 % (wie viele Deutsche). Soll er nun wie ein Berserker in Aktien gehen? Laut Formel müsste er das. Das widerspricht aber der zeitlichen Diversifikation.

    Was allgemeingültig ist: Aktionäre brauchen Zeit und Geduld. Alte Menschen haben aufgrund ihrer Lebenserfahrung häufig Geduld, aber aus bekannten Gründen wenig Zeit. Wer jung und frei ist, sollte, sobald alle Schulden getilgt sind, zu 100 % in Aktien gehen, abgesehen von einer winzigen und fixen Barreserve für Notfälle.

    Tim schreibt: „Er ist höher, als Du Dir wohl vorstellen magst. Tilge Schulden so schnell wie nur möglich. Meide Konsumschulden. Es ist nicht einfach.“

    Da muss ich Tim widersprechen: Es ist einfach. Vermögend zu werden, basiert auf sehr einfachen Grundregeln, die man einhalten kann, wenn man sich halbwegs Mühe gibt.

    „Investmentpunk“ Gerald Hörhan hat geschrieben, er findet es unverständlich, dass die jungen Leute so wenig sparen und nach wenigen Jahren in einem guten Beruf bei gutem Gehalt mit leeren Händen dastehen, denn eigentlich müsste man schon ein paar 10000 € haben.

  2. Felix

    Zufällig lese ich gerade das schon etwas ältere Buch von William J. Bernstein, „Die intelligente Asset Allocation“. Dort wird mit historischen Renditen, die z.T. bis 1929 zurückgehen, nachgerechnet wie man sein Vermögen strukturieren müsste, um gute Renditen zu erzielen. Er bestätigt die „Moderne Portfoliotheorie“, wonach man Risiko vermindern und Rendite erhöhen kann, indem man verschiedene, möglichst unabhängige Assets hält.
    Also keineswegs alles in Aktien, sondern auch Anleihen, Immobilien, Edelmetalle. Damit hätte man alle Stürme der Vergangenheit am besten überstanden.
    Ob es allerdings jetzt, am absoluten Zinstiefpunkt, eine gute Idee ist, Anleihen zu kaufen, ist mehr als fraglich. Aber auch, ob man auf All-time-high in den Aktienmarkt gehen soll, ist offen.
    Also wohin mit der Kohle?

  3. ZaVodou (Der Dividendeninvestor)

    Ich glaube, dass sich seit der Subprime-Krise die Welt auch ein ganzes Stück verändert hat. Früher wurde auf Geldwertstabilität geachtet. Gerade die Deutsche Bundesbank war darauf sehr bedacht. Die Deutsche Bank hat ihre Macht verloren und der Markt wird mit billigem Geld überflutet. Die Folge ist, dass die Zinsen von „sicheren“ Staatsanleihen unter den Dividendenrenditen vieler großer Konzerne geraten sind. Sowas gab es bisher noch nicht bzw. habe ich noch nicht erlebt.
    In diesem Szenario halte ich es deshalb für bedenklich im Alter auf „sichere“ Zinsen zu setzen, weil die momentane Politik gerade diese Form des Sparens stark benachteiligt und niemand weiß, wie lange die Politik des billigen Geldes noch andauern wird. Wir befinden uns hier auf völligem Neuland.
    Ich war schon immer ein Freund der Aktie und denke, dass es auch im Alter nicht falsch ist, weiter auf Aktien zu setzen. Ich lege jedoch viel Wert auf die Ertragsstärke und setze auf möglichst weltweit operierende Firmen. Ich hoffe damit auch im Alter besser zu fahren, als mit Erträgen aus festverzinslichen Anleihen.

    Gruß
    ZaVodou

  4. Frank

    Aktie oder Anleihe.
    Für mich kommts auf den Preis an. In den 90 ern hatte ich Finanzierungsschätze mit 9 % und habe mich sehr wohl gefühlt. Aktuell sind 9 %er Hochrisikoanlagen und eine Nestle konservativ.
    Meine Aktien die ich aktuell halte werde ich behalten, komme was wolle. Es gibt Dividenden und die Kursgewinne sind steuerfrei( vor 2009 gekauft)
    Bei Neuanlagen muß man abwägen, welche Rendite, wer ist der Emissionär, welche Konkurenzanlagen gibt es.

  5. Sebastian

    Buffett und der S&P 500…..
    Also die letzten drei Jahre liegt Buffett mit Berkshire deutlich vorne.

    Es kommt wohl immer auf die Zeiträume an, die man betrachtet. Und welches Ergebnis man gerne sehen möchte ;)………

  6. Fabian S.

    Oje…Buffett wurde schon so oft abgeschrieben und hat es dennoch allen gezeigt.

    Zeigt für mich aber, dass Bernstein keine Ahnung hat….

    Buffetts Erfolg kommt über einen langen Zeitraum und außerdem hat er das Problem, dass er schon so große Summen verwalten muss….dass das schnelle Wachstum nicht mehr geht….

    Also Tim bitte keine Klugsch…mehr präsentieren 🙂

  7. Tino

    Ich persönlich halte nichts von Anleihen, das mir das Produkt zu kompliziert, die Konditionen im Vergleich zu Aktien meist zu schlecht sind bei ähnlich hohem Risiko wie Aktien. Wer sich im Dschungel der Varianten und Konditionen auskennt, kann davon evtl. profitieren, ich nicht. Der hohen Aktienquote auch im Alter stimme ich zu. Die Liquidität muss da sein, Vermögensübertragung geregelt sein.

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