Altersvorsorge: Wie viel muss ich für das Alter sparen?


New York, 10. Januar 2014

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Diese Frage beschäftigt viele Menschen: „Wie viel muss ich für die Rente sparen?“ Das ist eine gute Frage. Und sie ist nicht einfach zu beantworten. Es gibt Faustformeln, es gibt Expertenmeinungen dazu. Die einen sagen, Sie brauchen im Alter das 10- oder 15-fache Ihres letzten Jahreseinkommens als Finanzpolster, um keine Versorgungslücke zu erleben. Andere raten, zehn oder 20 Prozent monatlich zur Seite zu legen.
Volker Looman beschäftigt sich in der FAZ mit dem Thema regelmässig. Eigentlich macht er das ganz gut. Nur gehen mir seine exakten Zahlenreihen mitsamt Zinseszinskalkulation auf den Wecker. Es kommt mir manchmal wie Erbsenzählerei vor.
Ich finde, es hängt von Ihren Verhältnissen ab. Genaue Berechnungen brauchen Sie nicht anzustellen. Sparen Sie so viel Sie können. Es gibt keine perfekte Formel dafür. Jeder Mensch ist anders.
Ich glaube, zu viel können Sie gar nicht sparen. Haben Sie vorsorgt, macht Ihnen das den Alltag angenehmer. Es nimmt einem die Sorgen.
Ideal ist es meiner Meinung nach solide Aktien und Indexfonds zu kaufen und diese einfach nicht mehr anzurühren. Das ganze Hin und Her bringt wenig. Suchen Sie sich grundsolide Werte aus und fangen Sie an, Rücklagen zu bilden. Meiden Sie Schulden. Zum Rentenantritt sollten Sie idealerweise Ihre Hypotheken getilgt haben.
Hilfreich sind passive Einkommensströme im Alter. Sprich, das kann eine vermietete Wohnung und ein schönes Dividendendepot sein.
Lebemenschen respektieren Geld nicht, sie vernachlässigen es während ihres Arbeitslebens. Sie geben das gesamte Einkommen jeden Monat aus. Sie merken zu spät, dass sie einen Fehler gemacht haben. Dann ist es zu spät.
Ich habe bei manchen Leuten das Gefühl, sie wollen sich um die Altersvorsorge einfach nicht kümmern, weil sie wissen, das ist nicht so einfach. Das scheint ihnen gedanklich eine Last zu sein. Also klammern sie das Thema aus ihrem Leben aus.
Das Gute ist doch, wenn Sie frühzeitig beginnen mit der Rücklagenbildung und Sie merken in Ihrem späteren Leben, dass Sie mehr angespart haben, als Sie eigentlich brauchen, besteht immer noch die Möglichkeit, eine Weltreise zu machen oder sich einen anderen Luxus zu erlauben. Ich finde den anderen Weg brisant: Alles munter ausgeben und später merken: „Verdammt. Jetzt habe ich ein Problem.“
Niemand braucht ein Geizhals zu sein. Sie sollen trotz der nötigen Altersvorsorge in den Urlaub gehen, tolle Geschenke kaufen, Hobbys haben usw. Ich denke, ein gesunder Mittelweg ist ratsam. Natürlich will jeder das Leben genießen. Niemand muss vom Pappteller essen. Wer ein wenig vorsichtig bei den Ausgaben ist, kann ein angenehmes, aber bescheidenes Leben führen.
Natürlich gibt es Menschen, für die ist es nicht einfach Rücklagen zu bilden. Ich denke insbesondere an Geringverdiener. Außerdem kann eine zwischenzeitlich längere Arbeitslosigkeit oder Krankheit Ersparnisse vernichten.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Altersvorsorge: Wie viel muss ich für das Alter sparen?

  1. StefanStefan

    Mr. Money Mustache empfiehlt das 25-fache der Jahresausgaben auf der hohen Kante zu haben. Dann kann man in Rente gehen.

    Dies entspricht dann einer Verzinsung des Geldes von 4 %. Ich denke das ist mit soliden Dividendenzahlern gut machbar.

    Bsp.: wenn man 30.000 € im Jahr braucht, könnte man mit einem Betrag von 750.000 € in Rente gehen.

    Es sind nicht unbedingt Millionen von Euro nötig um finanziell unabhängig zu sein…kommt natürlich aber auf den jeweiligen Lebensstandard an.

  2. Felix

    Im Prinzip Tim gebe ich Ihnen hundertprozentig Recht und ich mache es ja auch so. Zudem ist es ein wunderbares Gefühl, wenn man zu ersten Mal den Zinseszins so richtig wirken sieht. Man erlebt plötzlich wie Geld mehr Geld hervorbringt, ganz von alleine – fantastisch!
    Vorher hat man allerdings eine harte und lange Ansparphase und Börsencrashs zu überstehen. Das ist so ähnlich wie in der Fabel vom Schlaraffenland.

    Ich traue dem Ganzen trotzdem nicht so ganz, aus zwei Gründen:
    1) Die Spaltung der Gesellschaft wird weiter zunehmen. Diejenigen, die ihr Geld auf den Kopf hauen, Schulden machen usw., haben nichts zu verlieren und werden eine Umverteilungspolitik in Form von rot-rot-grün wählen. Und bei wem wird man das Geld dann holen, um die armen Armen zu unterstützen? Bei denen, die gespart haben, die haben es ja, sind (so wird gesagt) zufällig reich geworden. Ist es da nicht gerecht, wenn sie jetzt, wo so viele (unverschuldet) arm sind , etwas abgeben? Jahrzehntlange Sparanstrengungen können sich dann sehr schnell in einer Zwangsabgabe wiederfinden.
    2) Das Weltfinanzsystem scheint mir alles andere als stabil. Es wäre natürlich fatal, wenn es dem Sparer am Ende seines disziplinierten Lebens um die Ohren flöge. Einen Vorgeschmack haben wir ja in Zypern erlebt.

  3. Tom

    Hallo zusammen,

    Ich musste neuerlich lachen als ich den Jahresendauszug von meinem Bankkonto bekommen habe. (lebe in der Schweiz). Es waren rund 4 Franken Zins…Wenn ich die Kontogebühren und das Entgelt für die EC-Karte abziehe, werde ich wütend. Erstens weil ich aus Bequemlichkeit das Konto nicht schliesse und zweitens dass ich zuviel Geld auf dem Konto habe welches rapide an Wert verliert und welches mir die Bank noch wegnimmt!…

    Wenn ich hingegen die Investments mit Aktien und den kontinuierlichen Dividenden anschauen, da hüpft mein Herz vor Freude. Und das Beste daran ist – ich mach ja fast nix. Solide Dividendentitel werden per automat monatlich dazugekauft, Dividenden werden reinvestiert..
    Und jedes Jahr werd ich entspannter, weil der Tag der finanziellen Unabhängigkeit näher rückt.

    Und ja, falls mal alles denn Bach runter geht, bin ich auch beruhigt. Warum? Ganz einfach, weil ich bereits gewohnt bin mit wenig auszukommen.
    Die Leute mit hohen Ansprüchen werden sich nicht so schnell umgewöhnen können.

  4. Gast

    Gegenwart:

    bei mir in der Gegend leben viele Menschen, die ihr Leben lang gespart haben. Heute sitzen sie alt und krank Zuhause auf dem Sofa, und träumen davon, was sie alles mit ihrem Geld hätten erleben können.

    Zukunft :

    Alte,gesunde und wohlhabende Menschen, die ihr Leben lang bescheiden gelebt,gespart, und sich gesund ernährt haben, sitzen heulend auf ihren Sofas, weil sie mit ansehen müssen, wie Pleite-Staaten, die allgemeine Altersarmut bekämpfen, indem sie die alten fleissigen Sparer zur Kasse bitten.

  5. Julian

    @ Tom

    Dagegen helfen Cryptocoins (Bitcoins, Litecoins, Peercoins …). Diese kann der Staat nicht so einfach einziehen, da er im Gegensatz zu Bankkonten keine Zugriffsrechte hat und auch meist nicht weiß wer sie hat. Es ist denkbar, dass die Cryptocoins im Falle von Zwangsabgaben steigen, wie bereits vor einem Jahr bei der Zwangsabgabe in Zypern auf Bankkonten.
    Durch den Einsatz von Cryptocoins wird der Staat eher dazu gebracht mehr Verbrauchssteuern einzuführen, da man diese einfacher eintreiben kann.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Gast

    Das ist Deine Wahrnehmung. Klar, jeder kann 1000 Gründe finden, um nicht sparsam leben zu müssen.

    Ich bin davon überzeugt: Bodenständigkeit hat viele Vorzüge.

  7. Turing

    In der Tat ist es aufregend, dem Zinseszins beim Arbeiten zuzusehen. Ich habe im April 2009 meine ersten Aktien gekauft und meine ersten Dividenden kassiert. Seitdem ist mein Aktiendepot auf 90000 € angewachsen. Heute flatterte ein Brief von meiner Bank rein: Knapp 50 € Dividende von GlaxoSmithKline hat's gegeben. Diese Dividende hat mir gefehlt, um die 5000-Euro-Schwelle bei der Bruttodividende zu überschreiten. Die einzelne Quartalsdividende hat mir mehr eingebracht als die gesamten Dividenden des Jahres 2009. – Ich finde das beeindruckend.

    Ich bin noch jung und spare so viel wie möglich. Warum soll Pauschalreisen unternehmen? Warum soll ich mein Geld in Diskotheken auf den Kopf kloppen? Einige meinen, ich hätte dadurch eine geringe Lebensqualität, aber ich war nie der Urlauber, der gerne faul am Strand liegt, und ich kann Diskotheken nichts abgewinnen. Dafür gebe ich gerne Geld für exquisite Sachen aus, z. B. für gute Rasierseife aus einer Manufaktur. Aber unter dem Strich ist die wieder billiger als Rasierschaum aus der Dose, weil Seife ergiebiger ist. Mein Fahrrad war auch teurer, aber dafür ist es sehr zuverlässig und leicht. Mein Kaffee ist von Illy, mein Tee hat einen Kilopreis von 50 € und aufwärts. Einer meiner Kollegen kauft jeden Morgen zwei Dosen Red Bull an der Tankstelle. Er bezahlt mehr für weniger Lebensqualität, denn so toll schmeckt Red Bull nicht wie eine Tasse Earl Grey. Die Büchse Red Bull kostet vielleicht 1,50 €, die Tasse Tee wenige Cent. Und besseren Eindruck hinterlässt man auch, wenn man Tee trinkt. Man kann auch 300 € für Sneakers ausgeben statt 100 € für normale schwarze Lederschuhe. Aber wie wirken Sneakers? Albern!

    Kurzum: Ich gebe mein Geld nicht für Krimskrams aus. Ich konsumiere weniger, aber dafür bewusster und vergegenwärtige mir immer, ob dieses oder jenes wirklich sein muss. Wer das mit einem langweiligen Leben gleichsetzt, besitzt keine Selbstreflexion, der ist nicht fähig, seine Situation und seinen Lebensstil zu hinterfragen.

    Und wofür dieses Sparen? Tja, um vielleicht in Zukunft umso größere Konsumwünsche in die Tat umzusetzen. Es ist ein Unterschied, ob man mit 30 % Eigenkapital oder mit 80 %. Hausbau bzw. -kauf ist aber nicht bei mir geplant. Mit einer Frau sähe das vielleicht anders aus. Ein wichtiger Grund ist Unabhängigkeit. Selbst wenn mir die Erwerbsarbeit Spaß macht, so will ich doch auf Dauer die finanzielle Abhängigkeit davon verringern. Wenn ich erstmal ein starkes passives Einkommen habe, dann kann zugunsten privater Begebenheiten (Liebe, Nachwuchs, Wohnortwechsel) Tätigkeiten annehmen, bei denen ich nicht so viel verdiene. Teilzeit für den Nachwuchs könnte man auch machen.

    Ich kenne einen Fall, da hat jemand ein teures Auto geleast und kaum später kam das erste Kind. Die Mutter ging in den Mutterschaftsurlaub, der Vater hat neben seiner eigentlichen Tätigkeit kellnern müssen, um den Konsum finanzieren. Das Gehalt der Mutter ist ja weggefallen. Das ist natürlich blöd, wenn man sich als Vater kaputtarbeitet, obwohl er eigentlich zu Hause bei seinem Säugling sein könnte. Es waren die Konsumwünsche, nicht das Kind, die das finanzielle Kartenhaus fast zum Einsturz brachten. Und wenn ich mir das so anschaue, wird nach wie vor viel konsumiert, ständig neues Handy/Smartphone, natürlich für den berühmten einen Euro, Flachbildfernseher, neueste Computertechnik, fürs Kind sehr viele Spielsachen, Urlaub in den USA… Ich halte das für haushälterischen Wahnsinn.

  8. Felix

    @Turing
    2009 war ein ideales Jahr (Höhepunkt der Finanzkrise), um mit der Aktienanlage zu beginnen. Trotzdem ist es eine tolle Leistung mit 90.000 € eine Dividendenausschüttung von 5.000 € zu erzielen. Herzlichen Glückwunsch!
    Auch ich habe einzelne Aktien, bei den ich mittlerweile mehr als 10 % Dividendenausschüttung bekomme. D.h. diese Firmen zahlen mir innerhalb von sieben Jahren meinen gesamten Einsatz. Anschließend habe ich nicht nur eine wiederkehrende Einnahme, sondern auch noch einen Kapitalstock, in dem überhaupt kein eignendes Geld mehr steckt.

  9. Stefan Müller

    Die einen Sparen ein Leben lang und gönnen sich nichts. Diese Leute sterben reich und die Erben freuen sich.

    Die anderen Verjubeln immer alles, leben ständig in Dispo und kämpfen spätestens im Rentenalter für jedes bisschen lebensqualität und können sich dann wirklich nichts mehr gönnen.

    Ich finde den gesunden Mittelweg besser. Heute leben, aber so, dass etwas über bleibt.
    So kann ich beruhigt dem Unwetter der Demographie entgegensehen. Und ich sterbe lieber als Reicher, statt als Abgebrannter, der froh ist, unter die Erde zu kommen.

  10. StefanStefan

    @ Felix:

    Wo ist denn die Schwelle für dich ab der man den Zinseszins so richtig zu spüren beginnt?

  11. Tino

    @Tim, auch wenn es vielleicht mal nervt, die einfache Arithmetik, wie es auch John C. Bogle so schön beschreibt, ist letztlich ein gutes Mittel um die Logik glasklar vor Augen zu führen. Man sieht wie sich theoretisch das Vermögen unter verschiedenen Bedingungen entwickeln kann und wenn man die Zinseszins-Progression auf lange Sicht mal über so eine Darstellung verinnerlicht hat, wird man zukünftig einen weiten Bogen um Angebote der Spar(strumpf)kasse z. B. machen und die kleinen „Helper“ ignorieren.

    Ich finde auch das diese theoretischen Betrachtungen in einer Tabellenkalkulation eine prima Hilfestellung zur Orientierung des eigenen Vorhabens sind und auch die Motivation über die erste Durststrecke, für Munger waren es die ersten 100.000 Dollar gewährleisten. Denn wenn ich z. B. mit jährlicher Investition von 2.500 oder auch 10.000 rechne, so heißt das ja nicht, dass ich genau diesen Betrag in meiner jeweiligen Lebenssituation investieren kann, aber ich kann Korrekturen einleiten, weil ich vielleicht im vergangenen Jahr mein Ziel nicht erreicht hatte, und mir vornehmen im neuen Jahr neue Einnahmequellen zu akquirieren, um im Durchschnitt mein gestecktes Ziel doch wieder zu erreichen, ein Modell zur Orientierung halt.

    Man kann mit Grafiken, Diagrammen, weniger mit Zahlenreihen, die eher etwas für den Buchhalter sind Leute m. E. zum Umdenken bewegen, vorausgesetzt sie öffnen Ihren Geist.

  12. tim schaefertim schaefer

    @ Tino
    Ja, Kalkulationen helfen, Zusammenhänge zu verstehen. Das stimmt.

    Nur ist es bei dem erwähnten FAZ-Autor langweilig für mich zu lesen, wenn er einen spezifischen Bausparvertrag, den eine Familie am 5.12.2001 abgeschlossen hat, auf einer halben Seite durchrechnet.

  13. Markus

    Als Beispiel:

    Bei 100 k Depot und jährlich ca. 10 k Investition kommt schon was ins Rollen… wenn man 10 % Rendite schaffen sollte.

    Allerdings sind natürlich auch Kosten, Steuern und Inflation Punkte, die die Rechnung stark beeinflussen können.

    Hier kommt natürlich viel auf die eigene Lebenssituation, tatsächl. Rendite, Sparquote, Riskiobereitschaft u. v. m. an.

  14. Tino

    @Tim, ja, geht auch kürzer und treffsicherer.

    @Markus
    wenn ich Dein Modell bis zur Rente (ca. 30 Jahre) durchhalten würde, wäre alles fein. Geht man davon aus, dass der Schneeball auch dann noch weiterrollt und nur die Entnahmen größer werden, würde ich w. auch noch am Lebensende einen Berg Geld zur beliebigen Verwendung übrig haben.

    Ich achte persönlich sehr auf Kosten, bzw. rechne den Anteil bei jeder Investition durch, egal ob es nach einer Megachance aussieht oder nicht. Auch 0,5% können viel ausmachen. Am Ende bleibt mehr übrig. Ich finde eine schöne Möglichkeit um Zinseszins zu visualisieren ist es normalisiert auf 1 EUR herunter zu brechen. In 30 Jahren könnte z. B. aus 1 EUR, 17 EUR werden, in 60 Jahren über 300 EUR (vor Steuern, Inflation), fiktives Beispiel. So weiß man den Wert eines Euro in der Geldbörse besser einzuschätzen, dass zum bewußten Konsumverhalten, nicht gleichzusetzen mit Geiz.

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