Alle 15 Jahre kommt es zur Panik, alle 4 Jahre zur Rezession


New York, 15. Juli 2012

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Die Geschichte wiederholt sich. Wir können aus der Vergangenheit lernen. Die wenigsten tun das. Ich habe kürzlich mit amerikanischen Historikern gesprochen, deren Steckenpferd die Wall Street ist.
Was wir lernen können: Alle 15 Jahre müssen Sie an der Börse mit einer Panik rechnen. Stellen Sie sich darauf ein. Am besten verkaufen Sie natürlich in einem Crash nicht Ihre Aktien, sondern sitzen Sie das aus. Die Mehrheit der Anleger bekommt natürlich Angst und verkauft, was auf lange Sicht ein gravierender Fehler ist.
Selbst wenn Sie wüssten, dass es bald zu einem Crash kommt, macht der Ausstieg rechtzeitig vor dem Absturz keinen Sinn. Sie mögen mich jetzt sicherlich für verrückt erklären, aber lesen Sie selbst diesen Beispielfall aus der New York Times.
Alle vier oder fünf Jahre kommt es zu einer Rezession. Das ist ein normaler Vorgang, weil die Wirtschaft in Zyklen verläuft. Immer wenn Unruhen herrschen, sind das ideale Einstiegszeitpunkte. Das ist alles logisch. Doch ist es in solchen Situationen verdammt schwierig, gegen die Strömung zu schwimmen. Es ist geradezu unmöglich, weil wir von den pessimistischen Gefühlen unseres Umfelds erfasst werden. Wer kaufte schon vor vier Jahren auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Wertpapiere?
An der Börse zahlt es sich aus, optimistisch zu sein. Denn die US-Wirtschaft wächst im Schnitt um drei Prozent. In diesen drei Prozent sind alle Krisen eingerechnet.
Aus der jüngsten Börsenkrise schlussfolgerten die drei Historiker: Eine strikte Regulierung der Finanzmarktakteure ist geboten. Jedes Mal wenn die Aufsicht gelockert wird, kommt es zu Exzessen. Die Gier der Menschen gerät einfach außer Kontrolle. Es wird mit Schulden gezockt, bis es knallt. Das war in den 1920er Jahren genauso wie zwischen 2000 und 2008.
Im städtischen Museum von New York City, das am Central Park liegt, gibt es bis zum 21. Oktober eine empfehlenswerte Ausstellung über die Banken in der Metropole. Der Titel: Capital of Capital: New Yorks Banks and the Creation of a Global Economy. Das Museum gibt einen guten Überblick über die Boomphasen und Krisen in Manhattan.
Wissen Sie warum die Banken in New York Weltrang errungen haben? In New York entstand vor 300 Jahren ein gigantischer Hafen. Hier wurden Waren aus aller Welt umgeschlagen. Porzellan, Diamanten, Gewürze, Gold, Silber, Holz, getrocknete Früchte, Dosenwaren.
Um faire Preise erzielen zu können, wurden Handelsplätze eingerichtet. Auf meinem Foto sehen Sie den Hafen mit den riesigen Segelschiffen. Das Bild befindet sich in dem Museum.
Angesichts des Handelsumschlags brauchten die Menschen Geldsammelstellen. Es war zu gefährlich Gold oder Silber zu lagern. Politiker wie Alexander Hamilton schufen daher ein Banken- und Geldnotensystem, um den Handel zu erleichtern.
Warum kommt es zu Panikphasen? Ein Historiker schilderte in dem Museum auf einer Podiumsdiskussion die Zusammenhänge krass: Die Banker lösten angesichts ihrer Gier einen Tornado aus, den das Land in Schutt und Asche lege. Das wiederhole sich, sei nicht zu stoppen. Daher sei eine strikte Finanzaufsicht notwendig. Mit einer guten Regulierung ließen sich die Probleme in den Griff bekommen.
Wie Sie wissen, bin ich ein Fan der Banken. Sie sind wichtig für das Funktionieren der Wirtschaft. Eine strikte Regulierung schadet ihnen nicht. Im Gegenteil: Auflagen erhöhen die Akzeptanz in der Bevölkerung und stärken die Institute. In den USA sind nun die Bankbilanzen bärenstark. Washington forderte mehr Eigenkapital, weniger Risiko. Nun sind die Bilanzen so stark wie seit fast einem Jahrhundert nicht mehr.
In Europa hat die Finanzaufsicht das völlig verschlafen. In Deutschland hatte das Finanzministerium und untergeordnete Behörden wie die Bafin in den vergangenen Jahren Tomaten auf den Augen.
Als eines der größten Hemmnisse einer guten Aufsicht sehe ich die Parteispenden. So erhalten die Mächtigen in Washington, Berlin und London regelmässig Spenden aus dem Finanzsektor. Wie soll angesichts des Geldregens eine neutrale Aufsicht funktionieren? In Deutschland flossen in den vergangenen zehn Jahren zig Millionen allein an CDU und FDP.
Zu den größten Spendern zählen die Deutsche Bank, Allianz, Commerzbank und Sal. Oppenheim. Das sind wohlgemerkt nur die offiziellen Meldungen. Nach all den Schwarzgeldaffären möchte ich gar nicht wissen, was die Parteien illegal vereinnahmen. Die Opposition hält selbstverständlich auch die Hand auf. Sobald die Oppositionsparteien an die Macht kommen, klingelt bei ihnen entsprechend die Kasse. Ich habe über das korrupte Staatssystem schon öfter in diesem Blog geschrieben. Man könnte von einem gekauften Staat sprechen. In den USA nimmt das Spendensammeln ein extremes Ausmaß an. Es ist traurig zu sehen, wie die Demokratie darunter leidet.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Alle 15 Jahre kommt es zur Panik, alle 4 Jahre zur Rezession

  1. Ulrich

    Es gibt ja duch die berühmten Goldmänner in Washington. Die Banken schiessen sich langfristig damit selber ins Bein, aber wer will aufhören; die anderen würden ja weiter Einfluss nehmen.

    Die Regulierung wird ja durch die globalisierung der Finanzwirtschaft auch nicht einfacher.

    Nuna, so oder so mit Krisen muss man leben. Dein Rat zum Mut ist richtig. Den Banken aber wieder festere Grenzen zu setzten halte ich für ein ein sehr schwieriges Unterfangen.

    LG Ulrich und Dir einen guten Start in die Woche

  2. willihope

    also als eigentümer einer bank muss man natürlich über die kosten nachdenken, wenn die politik das geschäft maßivst einschränkt, sagen wir -30%, dann brauche ich auch keine 100.000 arbeitnehmer (DB) sondern komme mit entsprechend weniger aus!

    ohne kredit kein wachstum und ohne arbeit keine arbeitnehmer, darüber ist man sich in berlin und in der ganzen eu aber sicher im klaren, wenn sich die volksseele wieder beruhigt hat wird man so weitermachen wie bisher. 🙂
    wer soll den auch die ganzen schulden bezahlen die die politiker so anhäufen?

    sollten sich die sozialistischen demagogen durchsetzen legt die wirtschaft mit 100 prozentiger sicherheit eine gewaltige vollbremsung hin.
    immerhin reden die ja dauern über verstaatlichung der banken, dabei haben die landesbanken die grössten pleiten hingelegt. kein wunder bei all den „kapazundern“ die dort so untergebracht wurden bzw. werden!

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Ulrich,

    ja die Banken sollten sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren. Ich bin ein großer Anhänger der deutschen und amerikanischen Finanzinstitute. Wir brauchen sie, sie erfüllen eine sehr wichtige Aufgabe. Und sie machen das auch gut.

    Nur hat es eben leider diese Vermischung von Politik und Banken gegeben. Hier ist ein merkwürdiges enges Bündnis entstanden. Im Endeffekt wirft es einen Schatten auf beide Seiten. Das ist nicht gut.

    LG und ebenfalls einen guten Start in die Woche
    Tim

  4. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    Weltweit müssen die Banken ihr Personal an die neue Normalität anpassen.

    Die Finanzbranche wurde während des Booms einfach zu groß. Es war ein dominierender Sektor innerhalb des Wirtschaftssystems.

    Sinken die Gewinne (und Geschäfte), so ist es völlig normal in einem Geschäftszyklus, dass die Personalstärke angepasst werden muss.

    Das haben praktisch alle US-Großbanken gemacht. In anderen Branchen wie Automobil, Chemie, Maschinenbau war das ebenfalls zu verfolgen in den vergangenen Jahren.

    Die Regulierung hat den Banken in den USA gut getan. Die Finanzinstitute werden immer stärker, sie können Übernahmen stemmen, Dividenden erhöhen, Aktien zurückkaufen etc.

    Herzliche Grüße
    Tim

  5. willihope

    ja das problem bei den geschäften ist nur – durch die regulierung steigen sie aber nicht mehr!

    zwangläufig zertstört das viele arbeitsplätze denn ein konto hat schon jeder und mit krediten ist die ganze welt bereits seit langem bis zu den ohren versorgt!
    wo sollen die noch wachsen wenn die kunden nicht mehr wetten dürfen?
    in einer freien welt muss der mensch auch das recht haben das geld für seine eigene glückseligkeit einsetzen zu können. bei manchen sind das auto oder yacht und bei anderen eben derivate oder optionen. 🙂

  6. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    in den USA wachsen die Bankgewinne wieder kräftig – trotz zunehmender Regulierung.

    Wenn der Kunde zocken will, soll er es doch tun. Das schreibt ihm ja niemand vor. Nur sollte die Bank mit offenen Karten spielen, sich eben nicht still und heimlich gegen den Kunden aufstellen, wie das bei der CDO-Krise geschah.

    Die alten Tugenden wie Moral, Ethik, Transparenz, Fairness sind wichtig für die Branche. Wenn das Vertrauen der Menschen zurück kommt, ist das zum Vorteil des Sektors.

    Im übrigen müssen die Bankbilanzen in Europa besser werden. Ein Hebel von 40 ist einfach zu riskant.

    Dass Personal abgebaut werden muss, ist traurig. Das lässt sich wohl nicht verhindern.

  7. willihope

    moral und anstand, transparenz und fairness in der marktwirtschaft?
    wann solls das jemals gegeben haben? der preis richtet sich nie nach dem was es „wert“ ist bzw. der produzent braucht um zu überleben, sondern nach dem maximum das man rausholen kann!
    da war noch nie moral im spiel sondern nur angebot und nachfrage! immer schon!
    und fair ist das auch höchstens wenn es mehrere anbieter gibt bzw. der gesetzgeber sich nicht auf die seite der anbieter schlägt!

    ja zur wette gehören aber immer zwei! natürlich bin ich gegen betrügereien aber wenn ich gewinne muss jemand anders verlieren. (das geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.) 🙂
    wenn ich auf steigenden dax wette dann kann man der bank ja nicht verbieten short zu gehen. wenn alle long gehen wer soll den shortpart sonst machen?
    natürlich ist die bank klar im vorteil weil sie einen viel tieferen einblick in die geschäfte hat als der gewöhnliche marktteilnehmer. der nachteil der bank liegt dafür in ihren ausführenden organen denn es ist nicht deren geld das die angestellten da einsetzen.

    die bankbilanzen werden ja schon „verbessert“, kann mir aber einer erklären was mit den ganzen bestehenden staatsanleihen geschehen soll und wer die in zukunft kaufen soll?

    andere banken: haben selber genug und müssen die loswerden.

    versicherungen: dürfen die in zukunft auch nicht mehr beliebig kaufen und müssen vor allem ertrag erwirtschaften.

    der freie markt: der will sie nicht.

    also wer soll in zukunft die gewaltigen schulden der bürger (die die politik täglich vermehrt) bezahlen?
    die antwort bleiben alle momentan schuldig!

    gibt nur eine option: die banken müssen wachsen dann können sie den bürgern auch das geld für deren leben auf pump finanzieren. wenn sie wachsen wächst auch die wirtschaft und es gibt arbeitsplätze! das ist überhaupt das wichtigste, ohne arbeit steigen die sozialausgaben und es sinken die einnahmen. also noch mehr schulden.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    Danke für die kritischen Gedanken.
    In etlichen Punkten hast Du wirklich gute Ansätze.

    Wo ich nicht zustimme, ist diese These: Die Banken müssen wachsen, dann geht es allen besser.

    Umgekehrt würde ich sagen: Die Wirtschaft muss wachsen, dann geht es allen besser – insbesondere den Banken.

    Den Banken geht es nur deshalb schlecht, weil Marktteilnehmer (Staaten, Kreditnehmer etc.) wanken – aufgrund der schwachen Wirtschaft.

    Auch bin ich der Meinung: Mit einem ethischen Verhalten lässt sich langfristig mehr Geld verdienen. Es geht schließlich ums Vertrauen. Wenn der Kunde der Bank nicht mehr über den Weg traut, dann ist das ein Problem.

    Für die Bank muss gelten: An erster Stelle stehen die Interessen des Kunden!

    Viele Grüße
    Tim

  9. willihope

    ich habe mich etwas eingelesen bei solvency und warum kommt mir das alles so basel vor? 🙂

    zitat:
    Aus der geäußerten Kritik kann man auch heraushören, welche Vermögensklasse der große Profiteur von Solvency II sein wird. Anleihen von Staaten aus dem EWR beziehungsweise der OECD-Raum müssen unter Solvency II mit keinen Eigenmitteln unterlegt werden. Von diesem Vorteil profitieren wahrscheinlich weniger die Staatspapiere Deutschlands (diese sind bereits in den Portfolios der Versicherungen prominent vertreten), sondern vor allem die höher verzinsten Renten aus europäischen Peripherieländern. Da die unter Solvency II als ausfallssicher eingestuften griechischen Staatsanleihen keiner Eigenmittelunterlegung bedürfen, wohl aber eine höhere Rendite als deutsche Renten bringen, werden sich diese verstärkter Nachfrage seitens der Versicherungen erfreuen können – belohnt Solvency II Moral Hazard?
    /zitat

    http://www.institutional-money.com/magazin/uebersicht/artikel/solvency-ii-auf-schwachstellensuche/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=15&cHash=77dad9b0ec

    der nächste crash kommt und bis dahin machen wir so weiter. 🙂

    wer sonst soll denn kaufen?

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