Al-Waleed: Der Assistent des reichen Prinzen


New York, 11. September 2012

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Ich führte für das WirtschaftsBlatt ein Interview mit dem Value-Investor Jeffrey Towson. Ich habe selten so ein Multitalent wie ihn kennengelernt. Er ist ein ausgebildeter Arzt, Bestsellerautor, Finanzprofessor in China, er spricht fließend Mandarin und etliche andere Sprachen.
Fast zehn Jahre lang arbeitete er für Prinz Al-Waleed. Er fädelte als sein Assistent Deals ein. Milliardär Al Waleed wurde von den Medien als „arabischer Warren Buffett“ gefeiert, nachdem er bei der Citibank mit einem riesigen Paket einstiegen war. Das Vermögen des Prinzen wird auf 18 Milliarden Dollar geschätzt. Waleed ist Großaktionär bei Apple, AOL, Twitter, Motorola usw. Nach Rupert Murdoch ist er der zweitgrößte Aktionär an dem New Yorker Medienkonglomerat News Corp. (Wall Street Journal, Fox News). Daneben besitzt er ein Hotel-Imperium.
Bei Apple war der Starinvestor aus Saudi Arabien nach einer deftigen Korrektur im Jahr 1997 zu einem Kurs von 9,50 Dollar eingestiegen. Aktuell notiert der kalifornische Tech-Gigant bei 662 Dollar.
In New York treffe ich ständig solche Überflieger wie Towson. Mit den Value Investoren unter ihnen spreche ich natürlich am liebsten. Ich glaube, die meisten sind in New York beheimatet oder zumindest hier häufig auf der Durchreise. Es ist schließlich nach wie vor die Stadt des großen Geldes. Wobei sich nach und nach die Geldströme nach Schanghai und Mumbai verschieben.
Towson hat nach seiner Tätigkeit für den reichen Prinzen das Buch What Would Ben Graham Do Now?: A New Value Investing Playbook for a Global Age geschrieben, das auf den Bestseller-Listen landete.
Das spannende an seinem einstigen Boss Al Waleed ist ja, dass dieser mit einer kleinen Summe anfing. Er arbeitete in einem Mini-Büro in einer schmutzigen Straße in Riad mit drei Mitarbeitern. Wenn es stimmt, was behauptet wird, startete Al-Waleed mit ganzen 30.000 Dollar in den 70er Jahren. Er war also kein Millionär. Und formte daraus dieses Imperium. Eine Zeitlang war er der viertreichste Mensch der Welt. Unglaublich diese Story.
Mit Towson war ich nach dem Interview noch einen Salat am Times Square essen. Wir plauderten bei einem Glas Wein ein wenig. Dann sagte er plötzlich: „Ich muss jetzt nach Hause.“ Er eilte zur nahe gelegenen U-Bahn-Station. Er hat Büros und Wohnungen rund um den Globus – in Riyadh, Shanghai, New York. Ein smarter Investor und Weltenbummler.
Hier ist ein gutes Interview mit Al-Waleed, das die britische BBC auf dessen Super-Yacht geführt hat, in einem Youtube-Video zusehen. Die Yacht gehörte übrigens früher einmal Donald Trump.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Al-Waleed: Der Assistent des reichen Prinzen

  1. Thomas

    Hallo Herr Schäfer,

    der Prinz fing also in einer schmutzigen Straße in Riad in einem kleinen Büro an. Gut möglich, dass dem tatsächlich so war. Allein, dass die arabische Welt so viele Prinzen hervor bringt, lässt mich hin und wider skeptisch werden. Und es tauchen immer neue auf.

    Dennoch. Sollte Al Waleed durch striktes Value-Investing sein Kapital so vermehrt haben, ist das beachtlich!

  2. Musti

    Hallo Tim,
    Interessanter Artikel.
    Aber ich denke die tolle Story mit dem Prinzen sollte man kritisch betrachten.
    Zunächst einmal sollte man wissen, dass 30.000 Us Dollar 1970 eine Menge Geld war. ( Für das Geld konnte man sich wahrscheinlich in kleinen Städten in Deutschland eine kleine Eigentumswohnung kaufen).
    Außerdem ist er ein Prinz und hat womöglich die Kontakte, die ein kleiner Anleger aus den Seitenstraßen von Frankfurt, Hamburg usw. Nicht hat. Laut berichten hat er sein Anfangsvermögen in den Emerging Markets verdient und erst ab 1980 in die entwickelten Ländern investiert.
    Beispiel: Wenn man ein 1000 qm Grundstück 1980 in Istanbul für 60.000 Dt. Mark gekauft hätte, wäre man heute mehrfacher Millionär (auch eine Value Strategie).

    Diese viele tollen Geschichten von Unternehmen, die in Garagen entstanden sind, sind tolle Marketingaktionen.
    Auch Bill Gates soll seine Firma in einer Garage gegründet haben, aber was viele nicht wissen, ist dass er zu der Zeit als Computer unbezahlbar waren, als einer der ersten 24 Stunden Zugang zu Computern hatten. Auch die Eltern konnten ihm damals so eine teure „Kiste“ finanzieren .

    Daher sollte man lieber reale Vorbilder aus der Nachbarschaft oder aus dem Freundeskreis holen, die es wirklich mit harter Arbeit, Mut und vieeeeel Glück es sowohl materiell als auch sozial aufgestiegen sind.

  3. Frank

    Hallo Tim,
    unabhängig von Waleed wollte ich mich mal für deinen Blog bedanken der sehr meiner Art zu investieren entspricht. Man erhält immer wieder interessante Einsichten in v.a. amerikanische Werte die sich einem Europäer nicht immer erschließen.
    Beispiel: Markel-tolle Story, aktuell wohl zu teuer, Leucadia-leider aus der Ferne schwer zu beurteilen wie die ihr Geld verdienen, Raven …,
    Apropos: wie von Dir gewünscht mal eine Buchempfehlung meinerseits:
    “ Antizyklisch investieren “ von Anthona Gallea und William Palaton.
    Kein reines Value Buch, aber eine Mahnung auch für gute Firmen nicht jeden Preis zu zahlen.
    Weiter so, es ist nicht selbstverständlich einen Blog so aktuell zu halten und beinahe auf jeden Eintrag zu reagieren.
    Frank

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas.
    Genau. Die Königsfamilie hat ein paar Tausend Mitglieder. Insofern ist Al Waleeds Erfolg schon beeindruckend.
    Hier gibt es mehr Details zur Königsfamilie.

    @ Musti.
    Guter Punkt. Viele Megareiche wuchsen in reichem Hause auf.

    Buffetts Vater war bereits an der Wall Street und ein sehr einflussreicher Politiker.

    Bill Gates Eltern waren betucht, sein Vater war ein prominenter Anwalt, seine Mutter Direktorin bei einer Bank.

    Donald Trumps Dad war ein Immobilienkönig mit Bauten rings um Manhattan.

    Mark Zuckerbergs Familie ist reich, sein Vater ist Zahnarzt.

    Steve Jobs Adoptivvater brachte ihm als Dreikäsehoch schon die Zusammensetzung von Elektronikteilen bei.

    Die Story vom Tellerwäscher zum Millionär ist also eher selten.

    @ Frank.
    Danke. Danke. Gern geschehen.

    Markel ist übrigens mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,15 nicht teuer in meinen Augen. 15% über dem reinen Substanzwert erscheint mir nicht ambitioniert zu sein.

    Leucadia hat sich 30 Jahre lang gigantisch entwickelt, im Schnitt über 20% pro Jahr Kurszuwachs (inkl. Dividende). Momentan leidet die Aktie ein wenig unter der Trockenheit in den USA, das verteuert das Rindfleisch für deren Beef-Tochter. Aber Schwächephasen sind grundsätzlich immer gute Gelegenheiten. Wobei ich hier für keine Aktie trommeln will. Ich besitze keine der hier erwähnten (leider).

    Viel Erfolg an alle.
    Und danke für Eure Kommentare. Die sind immer sehr gut, sehr fundiert.

  5. Matthäus PiksaMatthäus Piksa

    Hi Tim,

    auf das Interview mit dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Milliardär freu ich mich auch schon. Solche Geschichten inspirieren mich, genauso wie das Interviewmit Towson.

    Übrigens: In dem indischen Film „Slumdog Millionaire“ wird die Geschichte eines aus einem indischen Slum stammenden Kindes erzählt, dass es schafft in der indischen „Wer wird Millionär“-Ausgabe als junger Erwachsener alle Fragen zu beantworten, weil es zufälliger/glücklicherweise zu jeder Frage eine selbst erlebte Geschichte erinnerte.

    Gruß Matthäus

  6. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    ja, immer das Geld. – Je mehr man davon hat, desto besser!

    Aber ich bin der Meinung, dass wir in einem Tauschsystem nicht wirklich anders handeln würden.
    Dann würden wir nach größeren/wertvolleren/einmaligeren/ausgefalleneren Gütern streben, die wir durch's Tauschen bekämen.

    In unserer Informationsgesellschaft wollen wir ebenfalls die besten/spannendsten/selteneren Infos und Nachrichten bekommen, um anderen zu imponieren.

    Alles andere wäre auch langweilig.

    Gruß Matthäus

  7. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    Stimmt. Das Geld macht es einfacher, sich „Träume“ zu erfüllen.

    Mit Goldmünzen können wir ja nicht so einfach shoppen gehen.

    VG
    Tim

  8. Carmen Gülker

    Ich bewundere den Menschen Alwaleed wie er aus wenigem Geld soviel machte. Die meisten Menschen sehen nur den Prinzen und das viele Geld.Die wenigsten denken über seine Persönlichkeit und sein Leben nach.Er hatte keine leichte Kindheit durch die Scheidung seiner Eltern wurde er geprägt und ist seinen beiden Kindern ein liebevoller Vater und dieses ist auch in unserer heutigen Zeit sehr wichtig.Liebe ist nicht käuflich !!!!!!
    Auch bei Anschuldigungen halte ich Ihn für viel zu clever als darauf reinzufallen.
    Ich lese gerade das Buch von Riz Khan über den Prinzen. Titel: Alwaleed-
    Prinz Geschäftsmann Milliardär.Nur Mensch wurde beim Titel vergessen.
    Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen,es ist einfach toll.
    Der geschäftliche Werdegang und der Private.Da auch ich ein Nachtmensch bin verstehe ich Ihn und seine Lebensweise, doch für seinen Anhang oft anstrengend.Wenn ich an die Kinobesuche denke muß ich immer noch lachen.Da ich einen Labrador besitze
    kann ich nur bestätigen die Natur und viel Laufen ist gut fürs Hirn und der Gesundheit.
    Ich wünsche Ihm ein langes Leben und noch viel Erfolg!

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Carmen
    Danke für die Anmerkung. Er muss außergewöhnlich sein, sonst wäre dieser unglaubliche Erfolg kaum möglich gewesen. Er zählt zu den größten Hotelbesitzern der Welt.

    Er spendet sehr viel, setzt sich für wohltätige Zwecke und den Frieden ein. Ich bewundere ihn auch.

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