Aktienkrimi: Immer gegen den Strom schwimmen


New York, 28. August 2014

Mein Foto zeigt die Südspitze Manhattans. Die Wall Street. Links sehen Sie den "One World Trade Center" in den Himmel ragen. Die Strömung ist hier im Hafen gewaltig. Die Strömung würde einen Schwimmer schnell wegtragen. Es ist sehr gefährlich hier draußen. Rechts oben auf meinem Foto sehen Sie einen Helikopter über den Wolkenkratzern. Ops, kommen wir zum eigentlichen Thema.

 

Der durchschnittliche Börsianer verdient mit seinen Aktien kein Geld beziehungsweise nur lausig. Studien weisen darauf hin. Es sind immer die gleichen Fehler, die passieren. Gebetsmühlenartig schreibe ich darüber. Es wird zu viel getradet. Haben Sie mehr Geduld. Wenn Sie eine Aktie kaufen, behalten Sie sie mindestens ein paar Jahre. Stoßen Sie sie nicht gleich wieder ab nach ein paar Wochen oder Monaten. Allein mit dieser Einstellung können Sie so viel besser abschneiden als die Masse, die dem Hin und Her verfallen ist.

 

Ein weiteres bekanntes Problem ist die Trendfolge. Die Entscheidung zum Kauf und Verkauf werden in ungünstigen Momenten getroffen. Ganz oben werden Aktien gekauft. Und unten verkauft. So ist das. In der Panik, wenn Chaos und Angst herrscht, verkloppt die Masse ihre Aktien.

 

Natürlich funktioniert die Momentum-Strategie bzw. Trendfolge eine zeitlang. Das kann sich auszahlen. Sie müssen aber den Absprung rechtzeitig schaffen. Wem diese Methode liegt, soll das machen. Etliche Hedgefonds kaufen wie wild die Lieblingsaktien der Masse. Sie gehen teuer rein und verkaufen sie noch teurer. Erfolgreich mit dem Momentum ist Hegfondsstar Cliff Asness. Der verteidigt mit Haut und Haaren seine Strategie, auf den fahrenden Zug zu springen. Wenn Aktien oben sind, deckt er sich ein. Er hat sogar Studien dazu verfasst. Ich finde das faszinierend. Ich erkenne das an. Dauerläufer wie Google, Michael Kors, Tesla oder Amazon sind ein Phänomen. Die Bewertungen sind recht üppig. Trotzdem geht es weiter rauf. Meist überzeugen die Vorstände mit neuen Rekordzahlen.

 

Meine Strategie ist es aber nicht, weil ich ein Buy-and-Hold-Anhänger bin. Und das Kaufen und Liegenlassen funktioniert meiner Meinung nach beser, wenn Sie gute Wertpapiere unten einsammeln, wenn kein Mensch sich für sie interessiert. Alles, was gehasst und gemieden wird, weckt mein Interesse.

 

 

Das Massenphänomen des schlechten Timings (Gier und Angst) nutzen smarte Investoren wie Carl Icahn oder Bill Ackman aus. Das Foto (Quelle: CNBC) zeigt beide Hedgefonds-Stars auf der "Delivering Alpha"-Konferenz in New York, wie sie sich nach einem langen Streit über den umstrittenen Pulververmarkter Herbalife umarmen. Sie schloßen Frieden – zumindest vor der Kamera. Icahn und Ackman kaufen bankrotte Firmen. Sie möbeln sie auf. Sie setzen auf gefallene Engel. Sie gehen rein, wenn die Fetzen fliegen. Ähnlich machen das George Soros, Seth Klarman, David Einhorn, John Paulson, Wilbur Ross und Warren Buffett. Das hat sie steinreich gemacht.

 

Diese Stars haben ein Gefühl dafür. Sie schwimmen im Grunde immer gegen die Strömung. Ich habe versucht, das selbst umzusetzen. Natürlich ist das schwierig. Unser Gehirn ist anders ausgerichtet. Wir Menschen neigen dazu, anderen zu folgen. Ein anderes Problem ist: Den idealen Zeitpunkt erwischt niemand. Und Fehler passieren.

 

Für die „Euro am Sonntag“ schreibe ich die wöchentliche Kolumne „Hot Stock der Wall Street“. Ich habe schon mehrfach ausgebombte Aktien empfohlen. Das lief gar nicht so schlecht. So sah der Kurs des amerikanischen Schneiders American Eagle Outfitters richtig verlumpt aus. Ich empfand den Kurseinbruch übertrieben und wies darauf vor einigen Wochen hin

 

Der amerikanische Energie-Getränke-Hersteller Monster (früher hieß das Unternehmen Hansen Natural) geriet vor einiger Zeit in die Schlagzeilen, nachdem Jungendliche nach dem Konsum der Getränke gestorben waren. Der Kurs brach ein, die Zeitungen waren voller Kritik. Ich riet, die Monster-Aktie anzuschauen. „Niemand verbietet Kaffee, nur weil eine Person nach zwölf Tassen Kaffee gestorben ist“, dachte ich mir. So war das dann auch bei den Monster-Dosen. Sie gibt es noch immer im Supermarkt:

Es gibt kein Verbot für das Aufputschmittel. Die Geschäfte brummen wie nie zuvor. Coca-Cola beteiligte sich sogar an Monster. Das gab dem Kurs zusätzlichen Auftrieb.

 

Fehleinschätzungen meinerseits? Ja, die gibt es. Zum Beispiel riet ich, Goldminenaktien zu kaufen. Ich hoffte außerdem zu früh auf den Turnaround der Banken. Nach einem Einbruch um 50 Prozent dachte ich: „Das muss jetzt aber gut sein.“ Es kam schlimmer. Viele Finanzdienstleister brachen um 80 und 90 Prozent ein. Hoppla.

 

Weitere antizyklische Hinweise meinerseits finden Sie hier:

 

Der Video-Streaming-Anbieter Netflix,

 

der Anti-Virus-Profi Symantec,

 

der Zwitscherdienst Twitter,

 

der Lebensversicherer Genworth Financial,

 

der Diät-Konzern Weight Watchers.

 

Wie Auswertungen zeigen, laufen die kleinen Firmen (Small Caps) auf lange Sicht besser als die Blue Chips. Die Minis haben mehr Feuer. 

 

Ich achte im übrigen sehr genau darauf, nicht im direkten Umfeld eines Artikels eine Aktie privat in irgendeiner Form zu handeln. Der Deutschen Journalisten Verband (DJV) hat mir dazu schon Löcher in den Bauch gefragt.

 

Und noch was: Auf abgestürzte Aktien zu setzen ist natürlich riskant. Es kann dann gefährlich sein, wenn Firmen im Kern angeschlagen sind. Nicht jeder Turnaround klappt, nicht jede Entschuldung lässt sich umsetzen. Sie müssen also vorsichtig sein. Mein kleiner Vorteil ist, dass ich mir schon viele Unternehmenspräsentationen in New York angesehen habe. Hinzu kommt die Erfahrung.

 

Hedgefonds-König George Soros, der alle Spekulanten in den Schatten stellt, wettet manchmal in extremer Form. Er kann sich vor allem für abgebrannte Unternehmen begeistern. So deckte er sich massiv beim angeschlagenen Kaufhauskonzern J.C. Penney oder der Investmentbank Lehman Brothers ein. Gelingt in einem solchen Fall eine Sanierung, kann der Kurs schnell um mehrere 100 Prozent nach oben schießen. Geht es schief, ist ratzfatz der Einsatz weg. Streuen Sie daher. Setzen Sie nie zu große Beträge ein. Ich würde nicht Haus und Hof für einen Sanierungsfall verzocken.

 

Ok, kommen wir zum Schluss: Gegen den Strom zu schwimmen, zahlt sich aus. Lesen Sie Schlagzeilen von einem Börsencrash, sollten Sie Mut und keine Angst bekommen. Oh ja, steigen Sie ein, wenn alle wegrennen. Machen Sie das Gegenteil der Meute. Das macht Freude. Sie sollten lernen, mit diesem Handwerkszeug umzugehen. Natürlich ist es schwierig für ein Individuum die Volatilität zu ertragen. Sie sollten gleichzeitig vorsichtig sein. Besonders bei Pennystocks, dubiosen oder gefährdeten Firmen. Wem das zu stressig ist, ist mit einem Indexfonds, breiten ETFs (auf den S&P 500) oder günstigen Aktienfonds langfristig gut bedient. Im Endeffekt müssen Sie selbst für sich herausfinden, welche Strategie zu Ihnen passt. Nur ein Rat gilt für alle: Haben Sie mit Ihren Aktien mehr Geduld. Kaufen und Liegenlassen. Achten Sie aufs Liegenlassen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Aktienkrimi: Immer gegen den Strom schwimmen

  1. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Sehr schön und guten Morgen!

    "…wenn Sie gute Wertpapiere unten einsammeln, …"

    Ja, aber wann ist unten wirklich unten? Das ist halt immer die Frage.

    Nach meinem ersten Blick in den Computer habe ich gerade eine Verkaufsbestätigung meiner Limitorder der jahrelang noch nutzlos mitgeschleppten Qantas Airways (Dividende schon länger ausgesetzt) an der ASX gelesen. Da gab es einen netten Kurssprung heute Nacht. Jetzt suche ich einen Dividendenwert in Australien. BCIron ist ausgebombt, aber die kann noch ewig weiter fallen. Denke eher an Monadelphous Group oder Westpac o.ä. Mal sehen.

    Schönen Tag

    MS

  2. Ajax87

    Guten Morgen,

    danke für einen weiteren interessanten Artikel.

    Ich denke die Strategie ausgebombte Nebenwerte zu kaufen ist lediglich für erfahrene Börsenprofis relevant. Der normale Anleger sollte ich auf die buy and hold-Strategie von Blue Chips konzentrieren. Erstens, welcher Laie kann schon beurteilen wann ein Aktienkurs zu Unrecht eingebrochen ist und auf jeden Fall wieder hochkommt. Zweitens sind die allermeisten Anleger zu zittrig, um weitere Kursrückgänge solcher Aktien auszuhalten.  Kaufen und liegenlassen der Aktien von Großkonzernen wird für die meisten Menschen schon Herausforderung genug sein.

  3. Der Privatier

    Ich kann Tims Strategie nur bestätigien. Es lohnt sich, nach "Fallen Angels" Ausschau zu halten!

    Ich habe in den langen Jahren meiner Börsenaktivität jedenfalls z.T. recht ordentliche Gewinne damit gemacht (s. auch: <a href="http://der-privatier.com/kap-5-3-die-erfolgsformel/&quot; title="Die Erfolgsformel"> ). Aber es gibt natürlich weder eine Garantie, noch geht es mal eben auf die Schnelle. Man braucht schon auch ein wenig Geduld und auch die Nerven, Rückschläge aushalten zu können. Und manchmal hilft auch das alles nichts und man muss ein Investment vollständig abschreiben. Ist mir auch mehrfach passiert (s. auch: <a href="http://der-privatier.com/kap-5-4-misserfolge/&quot; title="Misserfolge"> ).

    Der Vorteil ist: Man kann max. 100% verlieren, aber deutlich mehr gewinnen.

    Gruß, Der Privatier

  4. Felix

    Nebenwert und Aktien aus Nichtindustrieländern Decke ich ausschließlich über darauf spezialisierte Fonds ab. Weder habe ich die Zeit noch die Lust, mich um ein Beispiel zu nennen mit dem vietnamesischen Aktienmarkt zu beschäftigen und das wäre dann nur Markt von vielen. Dafür gibt es Profis, welche sich hauptberuflich mit Analystenteams und vor Ort damit beschäftigen. Da kann und will ich nicht mithalten.

    Lediglich Bluechips halte ich selber. Um ein P&G oder Microsoft zu kaufen und  für immer zu halten, brauche ich keine Analysten. Die werden in Chrashzeiten gekauft und behalten. Relevante Nachrichten zu diesen Werten gibt es in jeder Wirtschaftszeitung.

  5. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Du kennst Dich sehr gut an der Börse aus. Respekt! Ich habe allerdings einen anderen Ansatz. Ich kaufe und lasse meine Aktien liegen. Wie einen alten Schinken. Selbst wenn ein Verlierer darunter ist. Mein Anlagehorizont ist die Ewigkeit. Ich habe durch das Lesen vieler Studien gelernt, dass Stillhalten enorme Vorteile hat. Ich empfehle u.a. Professor Martin Weber von der Uni Mannheim zu lesen. 

    So rät Professor Weber grundsätzlich:

    "Die Menschen haben immer das Gefühl, sie müssten etwas tun. Gerade in Krisenzeiten ist es sehr schwer, einfach stillzuhalten und nichts zu tun. Das steckt tief in uns drin – wie bei einem Steinzeitmenschen, der plötzlich vor einem Bären steht. Die erste Reaktion ist: weglaufen. Dabei wäre es schlauer stehenzubleiben und keine hektischen Bewegungen zu machen. Auch bei der Geldanlage ist das oft die bessere Strategie."

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/martin-weber-im-interview-so-besonders-ist-diese-krise-auch-wieder-nicht/6832640.html

    VG Tim

  6. EckiEcki

    Wie jemand in der Spätphase eines Bullenmarktes in australische Finanzwerte investieren kann, ist mir schleierhaft. Aber ok, jeder muss seine Erfahrung auf die eigene Art und Weise sammeln. Und vielleicht ist er ja nach gründlicher Analyse darauf gekommen, dass Australien doch vollkommen unabhängig von China und dem Rest der Welt ist. 

     

  7. StefanStefan

    Naja, Weber rät aber auch strikt von der Einzelauswahl ab. Er rät zu Indexfonds…

    Auch bestreitet er, dass Buffett ein überlegenes System hat. Er ist für ihn einfach nur ein Zufallsprodukt.

    Liegen lassen für die Ewigkeit ist ja schön und gut. Aber wo kommt das neue Geld her um neue Titel zu kaufen? Es langsam und mühsam ansparen? Geht halt recht langsam.

    Viele Aktien haben eine "Range" in der sie sich hin und her bewegen. Da kann man schon mal verkaufen und billig wieder einsteigen.

    Auch muss man meiner Meinung nach unterscheiden zwischen den Klassikern die Langläufer sind. Das sind zB die Aristokraten à la Coca Cola, J&J, MCD usw. und Werten die keine solche sind. Also keine ewig steigende Gewinne und Dividenden. Aber auch bei solchen Aktien kann mal eine gravierende Fehlbewertung des Marktes vorliegen. Beim erreichen des inneren Wertes kann man die schon verkaufen.

  8. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Stefan

    Indexfonds sind eine gute Sache. Sie sollten durchaus ein Bestandteil eines Depots sein.

    Buffett und Glück? Nach 50 Jahren Outperformance glaube ich nicht an einen Zufall. Der Mann ist ein Genie. Es gibt Genies: Albert Einstein, Charles Darwin, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Steve Jobs, Mark Zuckerberg, George Soros, Buffett… Ob diese Leute immer nur Glück hatten? Ich halte so eine Aussage für Unsinn. 

     

    Wo kommt das Geld her für Neuinvestments? Dividenden und Einkommen bzw. Sparen.

  9. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim

    Leider habe ich nicht so viel Ahnung wie es Dir vielleicht scheint. Ich lande auch totale Fehlgriffe. Ich bin kein gründlicher Analytiker, handle mehr nach Bauchgefühl. Mit dem Liegenlassen würde ich völlig überein stimmen, wenn ich sehr langen Horizont vor mir hätte, und die Werte ordentlich was abwerfen würden. Aber dafür habe ich meine Funds (Corp-, Gov-, Junk-Bonds und Preferred und normale Equityfunds und iShares-ETFs), Bei denen stocke ich höchstens auf. Mein Verhältnis ist ungefähr 70:30. Aber bei Einzelaktien habe ich eben keine üblichen Blue Chips. Da muss ich schon hinschauen und ggf. verkaufen wenn die Dividende gekappt oder es den Bach runter geht. Dafür verspreche ich mir von denen etwas mehr als von Dickschiffen.

    @Ecki, Apropos Bullenmarkt Australien…

    Man findet überall kaufenswerte Titel, zumindest, wenn man sie selbst dafür hält. Allerdings werde ich tatsächlich die oben erwähnten 2 Werte wohl nicht kaufen, da kaum Kursreserven, war nur an die Dividende gedacht. Ich habe vor ein paar Monaten Ausdrill ausgebombt zu AUD 0,8x gekauft. Momentan rockt sie (16% allein gestern) -> http://goo.gl/5nkOWT und ich bin weit über 50% im Plus. Ich werde noch etwas zuschauen und mir ab 1,60 AUD einen Verkauf überlegen. Ich denke, die könnte auch wieder Richtung 2,50 gehen, aber sicher nicht ohne vorherige Gewinnmitnahmen. Ich würde sie sicher behalten, wenn man die Final-Dividend nicht von 5,5 auf 2 Cent gekürzt hätte: http://goo.gl/sXphnz   Damit sinkt die Div.-Rendite auf 3,4%. Deswegen realisiere ich den Kursgewinn und suche mir was anderes. Ich habe auch schon einen Wert gefunden: http://goo.gl/tbRmCy Hier sehe ich ebenfalls mindesten 50% Erholungspotential. Hier paar Zahlen:

    Trailing P/E 6.07

    Price/Book 0.79

    Positiver Cashflow

    Trailing Dividend 8,5%

     

    Viel Glück

    MS

  10. StefanStefan

    Ich glaube ja auch nicht, dass es Glück war. Würde man Buffett alles wegnehmen, er wäre nach 10 Jahren wieder Multimillionär. Davon bin ich überzeugt.

    Weber meint das in dem Sinne, dass von Millionen Aktienanlegern schon rein statistisch ein paar herausstechen müssen, die über längere Zeiträume den Markt schlagen. Aber ohne dafür was zu können. Ebenso könnten Affen Jahre lang Münzen werfen. Es käme auch einer raus, der Jahrzehnte immer Zahl wirft…

    Zuckerberg finde ich gehört nicht in diese Liste der Genies. Der hatte eher Glück, dass seine (geklaute Idee) gerade zu verwirklichen war und von Investoren entsprechend finanziert wurde. Zum Genie gehört auch eine Fähigkeit Dinge wiederholt zu tun. Das sehe ich bei Zuckerberg nicht.

  11. Der Couponschneider

    Buffetts Erfolg ist in der Hinsicht Zufall, dass es unter vielen Millionen Aktionären rein statistisch wenigstens einer jene Eigenschaften auf sich vereint, die es benötigt, um so vermögend zu erden.

    Buffett ist geduldig und genügsam. Daran kann jeder arbeiten. Buffett hatte das Glück, nie ernsthaft krank geworden zu sein und er hatte ein Startkapital, von denen anderen nur träumen können.  Buffett wurde in jenen Jahrzehnten zum Investor, als die USA Weltmacht Nummer 1 wurden und bis heute behaupten konnten. Buffett hatte auch früh angefangen. Ich leider erst mit 27 Jahren, aber immerhin.

    Genial an Buffett ist vor allem, die Fähigkeiten, Bilanzen zu lesen und Perlen zu entdecken, wo er einen Dollar für 50 Cent bekommt. Das kann man trainieren. Der Rest ist Einstellung und geduldige und genügsame Menschen kennt jeder.

     

    Von Indexfonds halte ich nichts. Mir sind das immer noch zu viele Gebühren und ich möchte auch nicht alle DAX-Unternehmen im Depot haben. MIr fällt es leichter, Aktien kategorisch auszuschließen als ohne Restzweifel eine Aktie zu kaufen. Man sollte mal untersuchen, ob man einen DAX-ETF schlagen kann, wenn man die fünf schlechtesten Werte des DAX aussortiert (u.a. Telekom, Lufthansa) und wie zufällig das ist.

  12. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Frank

    Was die Goldminenaktien angeht… Ich habe mich auch ab und zu verleiten lassen, dergleichen zu kaufen (Newmont, Iamgold, BVN). Ich glaube aber, diese Branche sollte man komplett meiden. Als einziger Wert scheint mir noch BVN (Compañía de Minas Buenaventura) lohnenswert zu sein, um auf eine kräftige Erholung zu spekulieren. ->  http://goo.gl/TUNZ4H Wenn jetzt die 14$ nachhaltig überwunden werden (2x getestet), könnte sie sich wieder aufschwingen, sobald schwarze Zahlen in Sicht sind.-> http://goo.gl/WmyX1g Die haben die beste Aussichten durch billige Herstellungskosten, und trotzdem ein negatives Ergebnis. Ich habe die hier mal im Januar bei ca. 12,50 USD erwähnt, und auch selbst bei ca. 11 USD im Dez. gekauft. Leider natürlich Dividende gegen Null solange sie kein positives Ergebnis erwirtschaftet. Ansonsten würde ich keine Minenaktie mehr kaufen auf absehbare Zeit.

    MS

  13. StoikerStoiker

    @Couponschneider

    Bin auch kein ETF-Jünger, aber Gebühren sind für mich nicht das Gegenargument. Ein physisch-replizierender S&P 500 ETF kostet 0,07-0,09 % p.a. = 70 Euro pro 100.000 Euro Anlage. Da kann man nicht meckern. Dafür 500 Titel und weniger Volatilität als Einzeltitel.

  14. SalvatoreSalvatore

    Gegen den Strom schwimmen…

    …wäre also jetzt massiv "short" gehen. Und dann wenn der Bär steppt und alle in Panik verkaufen, wieder einzusteigen.

  15. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Paulchen

    Ich bin Langfristanleger. Ja, Robert Shiller ist clever. Trotzdem investiere ich langfristig. Jahrzehntelang. Ich sitze jeden Crash aus.

    Schau, was Marc Faber so alles von sich gibt. Der warnt seit Ewigkeiten vor einem Crash. So ein Unfug: 

    http://www.cnbc.com/id/101873308

  16. John Doe

    Tim schreibt: "Alles, was gehasst und gemieden wird, weckt mein Interesse." Bei mir verhält es sich umgekehrt, alles was geliebt und begehrt wird, erweckt mein Interesse, denn nur mit diesen  Titeln lässt sich eine lebenslange Strategie fahren. Diejenigen, welche gehasst und gemieden werden, unterliegen dem Spiel der Märkte, auf lange Frist verliert ein Durchschnittsanleger dieses Spiel. Bist du nicht auch einer derjenigen Langfristanleger die sich erstklassige Titel in ihr Depot holen, mit denen sie ruhig schlafen können.

    Mit Titeln die mal gehasst und danach geliebt werden, lässt es sich gut zocken aber sie eigenen sich nicht um in ihnen zu investieren, was meinst du, Tim?

  17. Markus

    @Privatier

    In welchen Bandbreiten bewegt sich Dein Depot ungefähr bzw. was würdest Du als minimum bezeichen um sich Privatier zu schimpfen?

    @Couponschneider

    Wieso denkst Du, dass die Telekom die nächsten 5 Jahre schlechter sein wird als der DAX???  Einige Value Investoren haben die Telekom auf dem Radar.

    Wirtschaftlich starke Unternehmen = stark performende Aktien??? 😉

  18. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    John Doe

    Eigentlich geht es schon um Qualitätsfirmen, die aber wegen eines Problems, Skandals, Unfalls, Rücktritts, einer Gewinnwarnung… leiden.

    Ich erinnere an den Todesfall bei der Getränkefirma Monster Beverage, an Ölkatastrophen, Rückrufaktionen etc.  

    Um Dir ein Beispiel zu geben: Nehme das Biotechunternehmen Gilead. Ein Rückschlag des sonst extrem erfolgreichen Unternehmens ließ den Kurs einbrechen. Das war eine Riesenchance. Das schrieb ich damals: http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/US-Aktien-Tipp-Hot-Stock-der-Wall-Street-Gilead-Sciences-1741628

  19. Couponschneider

    @Markus

    Die Telekom muss immer viel investieren, um Schritt halten zu können. Gleichzeitig kann die Telekom wegen ihrer Marktstellung, nicht einfach so die Preise hochschrauben; die Regulierungsbehörde schaut da sehr genau hin. Und dann funken da noch die Politiker rein. Wie verantwortungslos die Politiker sind, zeigte sich doch darin, dass der Bund als Hauptaktionär jahrelang Ausschüttungen verlangte, die nicht von den Gewinnen gedeckt waren.

    Nun kann man auch sagen: Das gleiche gilt auch für die Versorger. Auch dort schaut die Regulierungsbehörde sehr genau hin und die Politiker nehmen erheblichen Einfluss. Die Investitionen, wenn denn investiert wird, sind auch sehr hoch. Aber es gibt Unterschiede:

    1. Telefongesellschaften haben mit stetigem Fortschritt der Technik zu schaffen. Mal dies, mal jenes. Ich bin ja aus den neuen Bundesländern und bei uns hat man nach der Wiedervereinigung zukunftsweisend Glasfaser verlegt, aber richtig. Die Gesprächsqualität war super. Dann kam DSL, dann waren alle am meckern (gerade die Spacken im Heise-Forum), weil DSL Kupfer brauchte. Die maroden kupferbasierten Netze in westdeutschen Ballungsräumen waren plötzlich im Vorteil. Mittlerweile hat Glasfaser wieder eine höhere Gunst.

    Ein Kraftwerk baut man für ein paar Millionen und dann kann man jahrzehntelang Strom generieren. Wegen neuer Kraftwerkstechnologie, wo es um geringe zweiprozentige Steigerung des Wirkungsgrades geht, ist das Geschäft mit alten Kraftwerken nicht sofort bedroht. Es sind nach wie vor Kraftwerke am Netz, die noch zu Kaisers Zeiten gebaut wurden.

    2. Es ist abzusehen, dass die Politik angesichts der katastrophalen Energiewende, diesem planwirtschaftlichen Exzess, die Versorger einfach machen lässt und sich der politische Einfluss verringert. Von Wirtschaftsminister Gabriel gab es da schon einen interessanten Einwurf, der mich hoffnungsvoll werden ließ. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann das EEG abgewrackt wird. Die schlechten Nachrichten, dass Offshore-Windparks nicht angeschlossen werden können, dass Solarfirmen und WKA-Betreiber pleite gehen, sind in meinen Ohren Musik. Die europäischen Nachbarn machen auch mächtig Druck, weil sie diesen teutonischen Zufallstrom nicht einmal geschenkt haben wollen, weil er die Netzstabilität bedroht.

  20. Frank

    @ Matthias,

    ich sehe Gold ( und Minenbetreiber) aktuell nicht als Renditebringer, sondern als Absicherung meines Depots gegenüber systemischen Krisen. Ich glaube die großen Minenbetreiber haben Ihre Hausaufgaben gemacht und auf dem Weg zum Crash gibts auch noch Dividende.

    Frank/München

  21. Alexander Moshe

    Hallo zusammen,

    @Der Privatier:
    Dein Link ging kaputt, weil du html verwendet hast. Der richtige Link lautet:

    http://der-privatier.com/kap-5-3-die-erfolgsformel/

    @Stefan

    zum Thema Buffett hätte nur Glück gehabt: Dazu hat sich der ehrenwerte Herr Buffett, der übrigens heute 84 Jahre alt wird, schon früher geäussert, nämlich vor 30 Jahren:

    Er hat einen Aufsatz namens "The Superinvestors of Graham and Doddsville" verfasst:

    http://www4.gsb.columbia.edu/null?&exclusive=filemgr.download&file_id=522

    Unbedingt in Ruhe durchlesen! Ich denke, das belegt, dass Buffett kein Glück hatte.

    Ganz im Gegenteil , ende 50er Jahren löste er seine "Buffett-Partnership" auf und zahlte seine Investoren aus, weil er keine Investititonsmöglichkeiten mehr sah..

    Warren Edward Buffett, 30.08.1930.

    Alexander Moshe, 30.08.1980

     

  22. Markus

    @Couponschneider

    Du erwartest was alle erwarten.

    J. Siegel beschreibt das als Wachstumsfalle.

    Ist eine Villa in erstklassiger Lage oder ein altes Haus an einer vielbefahrenen Straße das bessere Investment?

    Es kommt auf den Preis, die Kosten und die laufenden Erträge an!

    Die Gegenargumente kannst Du z. B. in dem Blog "intelligent investieren" nachlesen.

    Wer nun recht hat, zeigt erst die Zukunft.

    Da hilft alles horoskopieren & "recht haben wollen" nicht.

    Bei sparsamen Investoren ist oft auch der Charakterzug "Demut" vorhanden.

    Ein schlechte prognostizierte Wachstumsstory für ein Unternehmen ist manchmal leichter zu übertreffen als die überbordenden Wachstumsstories bei den "Hype-Unternehmen", die alles in den letzten Jahren übertroffen haben. Es klettert keine Gewinnmarge in den Himmel ohne dass die Konkurrenz auch etwas vom Kuchen abhaben will. 

  23. Florian

    Hallo Zusammen,

     

    verfolge regelmäßig und mit großem Interesse diesen Block. Ich habe mich bei meiner Diplomarbeit mit Warren Buffett auseinandergesetzt, was ein Traum. 

    http://www.amazon.de/%C3%9Cberschussrenditen-durch-Stock-Picking-Investing/dp/3842895321/ref=tmm_pap_title_0

    @Tim: Respekt vor deiner Arbeit, ich bin derzeit auch bei einer Vermögensverwaltung mit amerikanischen Wurzeln angestellt. Wir versuchen unsere Kunden dahingehend zu sensibilisieren nichts zu machen. Als der Dax von seinem Hoch 10% verloren hatte, waren die Kunden von uns alle sehr gefasst, da unsere amerikanische Aktien mit 40% Gewichtung im Portfolio diesen nervösen Dax ausgleichen konnten. Auch die Schwellenländer: Indien Brasilien und China sind YTD sehr gut im Plus. 

     

    @Matthias: Kannst du den Namen deiner letzten Empfehlung der australischen Aktie geben?

     

    Ich persönlich habe während dem Studium bei Max Otte gelernt und im Jahr 2011 mir verinnerlicht in stark gefallene Aktien zu gehen. Damals war es in Griechenland der Fall mit der OPAP und der Hellenic Telecom mit der ich gute Gewinne gemacht habe. Vor 3 Monaten habe ich mir die brasilinische Petrobras gekauft, da sie fundamental betrachtet sehr günstig ist, stehe jetzt knapp 80% im Plus was für mich fast schon erschreckend zu schnell für mich ging 🙂 

     

    Mittlerweile habe ich mir die Portugal Teleocm ins Depot geholt. 

     

    Grüße Florian

     

  24. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Florian

    Gratuliere zu Deiner Arbeit! Hut ab. 

    Die Aktie will ich aber ausdrücklich NICHT als Empfehlung verstanden wissen. Grundsätzlich gehe ich mit der Buy and Hold Taktik bewährter Blue Chips konform. Ich persnlich versuche aber, wie scheinbar Deine Arbeit beschreibt, mit etwas mehr Risiko etwas mehr Schub bekommen. Das versuche ich dann mit solchen Titeln, die schnell mal wieder 50% zulegen können. Die angesprochene Aktie ist NRW Holdings (http://www.nrw.com.au/). Ich persönlich finde sie derzeit attraktiv zu dem Preis. Die Erträge sind natürlich zurück gegangen, aber die Dividende von >8% p.a. wurde gehalten bei einer Payout Ratio von 57% (http://www.asx.com.au/asxpdf/20140820/pdf/42rlbrjdnhs3bj.pdf), also durch gesund.

    Ich habe sie mittlerweile gekauft. Allerdings eben in Originalwährung an der ASX. Da war der Kurs 1,02 zu 1,03. Über eine faire Ausführung habe ich mich auch gefreut. Ich habe Limit 1,04 geordert, und eine Ausführung zu 1,025 bekommen. Bei solchen Titeln hat man es an deutschen Börsen schwer in Euro. Der höhere Spread (min 2 Euro-Cent gegen 1 Aussi-Cent) ist dann sehr teuer. Eine ASX Order kostet mich 10 AUD, also ca. 7,20 EUR gegen 5,80 EUR. Aber die Spreadkosten machen es mehr als wett. Na dann schaun mer mal was draus wird. Im Oktober gibt es erstmal Dividende.

    MS

  25. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Florian

    Auch von mir Gratulation zu Deiner Diplom-Arbeit. 

    Ja, die Kunst besteht darin, jeden Crash einfach auszusitzen. Geduld führt an der Börse zum Erfolg.

    Ansonsten haben Eure Kunden ja schon mal den ersten Schritt getan: Sie haben etwas gespart, was ja löblich ist. D.h. sie geben weniger Geld aus, als sie einnehmen. Viele Verbraucher scheitern schon an diesem ersten Schritt.

  26. Frank

    @ matthias,

    wenn portugal telco mit den brasilianern zusammen geht, entstehen dann wieder steuerliche Nachteile für "alte" PT Aktionäre?

    Frank/München

  27. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Frank

    das mit Portugal Telco war Florian. Habe da keinen Blick drauf. Was vermutest Du denn?

    @ZaVodou

    Kurzer Nachtrag wegen den Reits… habe gerade nochmal bei Cominar nachgeschaut. Die geben im letzten Bericht an: "The annualized interest coverage ratio stood at 2.70:1." Das gilt als sehr komfortabel laut "Investopedia": "

    The lower the ratio, the more the company is burdened by debt expense. When a company's interest coverage ratio is 1.5 or lower, its ability to meet interest expenses may be questionable. An interest coverage ratio below 1 indicates the company is not generating sufficient revenues to satisfy interest expenses.

    Things to Remember: A ratio under 1 means that the company is having problems generating enough cash flow to pay its interest expenses. Ideally you want the ratio to be over 1.5."

     MS

  28. Frank/München

    @ matthias,

    na ja, bei Fusionen werden aus alten PT Aktien neueAktien mit dem Namen des neuen Unternehmens, dies wird von Schäuble als Verkauf gewertet

  29. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Frank

    Ach so, ja… aber in dem Fall kann ein PT-Aktionär eigentlich nur einen Verlust zwangsrealisieren, wenn ich mir den Kurs so ansehe. All-Time-Low!  Der Florian scheint ja auf eine Erholung durch den Merger zu tippen. PT hat wohl fast 900 Mio durch die Pleite von RioForte (Teil der Banco Espirito Santo) verloren, oder ist da noch was zu holen? Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Bei Portugalaktien schaue ich nicht so hin, da wohl die Quellensteuer auch recht hoch ist (28%?). Hatte mir mal Mota-Engil bei 1 Euro überlegt, sie dann aber für scheintot gehalten. Inzwischen paarmal geärgert deswegen.

    MS

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