Aktien sind so billig wie seit den 1970er Jahren nicht mehr


New York, 2. November 2008

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Ein Bekannter hat all seine Aktien des führenden Stahlproduzenten United States Steel verkloppt. Echt schade. Nach Jahrzehnten des Bestandsaufbaus verlor der Bekannte einfach die Nerven, wurde emotional und versilberte das komplette Aktienpaket. Es handelte sich dabei um einen wesentlichen Bestandteil seiner Altersabsicherung. Der Kurs notierte noch im Juni bei 185 Dollar. Aktuell ist die Notiz auf 36,88 Dollar abgeschmiert.
Wenn Sie sich aber die Börse genauer anschauen, ist es die beste Zeit für Käufe und nicht für Verkäufe. Seit den 1970er Jahren waren Aktien nicht mehr so billig wie derzeit. Die Aktiengesellschaften notieren rund um die Welt im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,3 auf Basis der Erträge der vergangenen zwölf Monate. Das ist spottbillig. Sie müssen nur zehn Jahre warten, bis Sie Ihr Investment zurückverdient haben. Die Aktienrendite ist zudem beachtlich. Teilen Sie eins durch das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,3, ergibt sich eine jährliche Rendite von 9,7 Prozent. Wo bitteschön kriegen Sie eine so hohe Verzinsung für Ihr Kapital?
Darüber hinaus zahlen zahlreiche Firmen Ihren Aktionären fürstliche Dividende, die zwischen 4 bis 7 Prozent rangieren. Selbst in den 70er Jahren taxierten Aktien im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,4, waren also auch seinerzeit teurer als aktuell. Das hat die Citigroup in einer Studie herausgestellt.
Brutal abgestürzt ist vor allem die chinesische Börse. Taxierten im gelben Riesenreich im September 2000 die Aktien noch mit dem 40-fachen Jahresgewinn, kriegen Sie jetzt die Unternehmen für weniger als den zehnfachen Ertrag. In den USA ist das Gewinnvielfache im gleichen Zeitraum von etwa 30 auf 15 abgestürzt. Es sind praktisch schon alle negativen Meldungen in den tiefen Kursen eingepreist. Alles ist im Grunde billig.
Wenn Sie ein Anleger sind, der Value Werte sucht, sind das die besten Zeiten. Lassen Sie sich aber nicht von den massiven Kursschwankungen (Volatilität) verrückt machen. Kaufen Sie nur Aktien, die Sie mindestens fünf Jahre halten wollen. Am besten bleiben Sie immer an Bord, so wie es Warren Buffett nach seinen Zukäufen in der Regel tut. Allein in diesem Jahr steckte der Value Investor fünf Milliarden Dollar in Goldman Sachs Group, jeweils drei Milliarden in General Electric und Dow Chemical sowie 6,5 Milliarden in die Übernahme des Kaugummiriesen Wm. Wrigley.
Mein Bekannter mag wohl auf kurze Sicht mit dem Verkauf seines riesigen United-States Steel-Pakets keinen Fehler gemacht haben. Aber langfristig bin ich der festen Überzeugung, dass der Titel wieder auf die Beine kommt.
Der Dow-Jones schloss diese Woche am Freitag 144 Punkte oder 1,6 Prozent höher bei 9.325 Zählern. Auf Wochensicht stand der Dow elf Prozent höher, das war eine der besten Wochenabschlüsse seit den 1970er Jahren. Trotz der Aufholjagd zum Monatsende war der Oktober mit einem Minus in Höhe von 14 Prozent katastrophal. Öl verlor im Oktober 33 Prozent auf 67,81 Dollar je Fass. So hoch war der Verlust noch nie zuvor in einem Monat. Gold verblasste um 18 Prozent auf 716 Dollar je Unze. Das war der schlimmste Monatsabschlag für das gelbe Edelmetall seit mehr als 28 Jahren.
Rund um den Globus unternahmen die Regierungen und Notenbanken Schritte, um die Krise nicht ausufern zu lassen. Unter anderem senkte die FED die Leitzinsen auf 1,00 Prozent. Und die westlichen Regierungen helfen angeschlagenen Banken bei der Rettung. Ich rechne fest mit einem Aufschwung auf lange Sicht. Gehen Sie also an Bord. Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Gut möglich, dass das eine Chance ist, die Sie nur alle paar Jahrzehnte bekommen.


tim schaefer (Author)

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