Aktien sind Renditekönig, kurzfristig aber hochgefährlich


New York, 27. August 2013

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Ich stelle hier im Blog die Vorteile der Aktie dar. Und natürlich melden sich jede Menge Skeptiker in den Anmerkungen zu Wort. Sie führen dann 1000 Gründe an, warum die Börse gefährlich sein soll. Sie nennen Kodak, Enron, Praktiker und andere Pleitefälle. Ja klar, diese traurigen Insolvenzen gab es. Sie nennen die Große Depression, Japan und den Zweiten Weltkrieg als mahnende Beispiele.
Lassen Sie sich nicht beunruhigen von den Skeptikern: Die Gesamtheit, der Großteil der Aktien in den großen Indizes, läuft wie am Schnürchen nach oben.
Mit Aktien fahren Sie Renditen von fast zehn Prozent pro Jahr in die Scheune. Vor 100 Jahren notierte des Dow Jones Index bei 68 Punkten. Heute steht das Barometer bei circa 15.000. Keine andere Assetklasse schneidet im historischen Vergleich besser ab.
Jetzt kommt das große „ABER“ (meine Kritiker werden sich freuen): Auf kurze Sicht kann die Börse Ihnen einen erheblichen Vermögensschaden zufügen. Ein Crash, ein Absturz, ein Kursbeben – das kann jeden Tag passieren. Einen neuen „Flash Crash“ halte ich für möglich.
Es gibt Warnhinweise, die auf ein bevorstehendes Chaos hindeuten. Der Hochfrequenzhandel ist brandgefährlich. Die Aufsichtsbehörden sind nicht in der Lage, das in den Griff zu bekommen. Sie sind schlicht überfordert. Das zeigte sich vorige Woche wieder, als der Handel an der Nasdaq für über zwei Stunden geschlossen wurde, nachdem sich Fehler in das IT-System eingeschlichen hatte. Der Reputationsschaden in die Börse ist enorm.
Dass das Vertrauen der Bürger in die Aktie als Anlageform nach den IT-Fehlern und all den Bankskandalen auf einem niedrigen Niveau ist, wundert mich nicht. Diesen Vertrauensschaden hat sich die Finanzbranche selbst zugefügt.
Sie müssen mit einem Börsenchaos emotional umgehen können. Die Börse kann plötzlich um 20 Prozent binnen einer Stunde zusammenfallen. Alles ist möglich. Eine Korrektur über mehrere Jahre hinweg ist ebenfalls Teil der Börsengeschichte.
Nach jedem Crash konnte sich die Wall Street immer wieder erholen. Sie ging aus jeder Krise gestärkt hervor. Wenn es zu einer Krise kommt, sollten Sie beherzt Ihre Positionen aufstocken, wenn Sie freie Mittel haben und nicht Ihre persönliche Notreserve anknabbern müssen.
Wie können Sie gute Assets finden bzw. beurteilen? Es ist schwierig einen Assetpreis auf kurze Zeit hervorsagen zu können. Kurzfristig spielen Zufälle und Emotionen eine Rolle. Selbst FED-Chef Ben Bernanke hatte den Wert seines eigenen Wohnhauses falsch eingeschätzt. Und etliche andere Fehler hat Bernanke gemacht. So erkannte er die Immobilienblase nicht.
Also kurzfristig machen Kursprognosen keinen Sinn. Es ist ein Unsinn. Auf lange Sicht können Sie Wertpapiere am besten anhand ihrer Erträge bewerten. Je höher die Gewinne (je Aktie), desto mehr ist die Aktie wert. Ein Unternehmen, das auf Dauer nur Verluste macht, hat im Endeffekt keinen Wert.
Aktien bieten einen herrlichen Schutz gegen Inflation. Sie bieten meiner Meinung nach einen besseren Schutz vor der schleichenden Geldentwertung als Immobilien und Gold, obwohl diese beiden Assetklassen als typische Schutzhäfen angesehen werden. Warum sind Aktien besser? Weil die langfristige Rendite von Aktien einfach höher ausfällt.
Ich rate Ihnen, auf solide Dividendenzahler zu setzen, die ihr Geschäft kontinuierlich ausbauen (Umsatz, Gewinn, Dividende). Marktführer, Markenhersteller, Familienbetriebe. Im Idealfall behalten Sie diese Firmen für einige Jahrzehnte in Ihrem Depot. Je länger, desto besser. Sparen Sie regelmässig. Eine gewisse Streuung ist natürlich im Depot ratsam.
Fazit: Für das vorübergehende Kurschaos werden Sie an der Börse fürstlich entlohnt. Man könnte das als Schmerzzulage bezeichnen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Aktien sind Renditekönig, kurzfristig aber hochgefährlich

  1. Markus

    @Tim

    Aktien und Indexe sind die Königsklasse der Geldanlage, ohne Zweifel!!!

    Bei starker Inflation sind Aktien allerdings auch immer stark eingebrochen! Allerdings langfristig gesehen, gibt es keine andere Anlageklasse die nach Inflation solch positive Renditen hat.

    Das Problem sehe ich eher bei den Menschen und Anlegern… Es schlägt nicht der Anleger mit einem IQ von 130 denjenigen mit einem IQ von 100, Vernunft ist wesentlich!
    Viele Bekannte (auch Ingenieure), haben sich an der Börse die Finger verbrannt, weil die Emotionen stärker als die Vernunft sind.
    Auch kommt oft die Gier, Angst und der Spieltrieb an der Börse zum Vorschein. ..
    Der größte Feind vieler Investoren auch nur die Durchschnittsrendite der Indexe zu erreichen, steht jeden Morgen im Bad vor dem Spiegel.

  2. StefanStefan

    Das mit dem IQ hat Buffett mal gesagt. Er meinte, dass in diesem Spiel eben nicht der „Guy“ mit dem IQ 130 den mit IQ 110 schlägt. Man bräuchte laut Buffett keinen astronomischen IQ um erfolgreich zu investieren. Er meinte sogar, dass alles über einem gewissen IQ Verschwendung sei…sogar gefährlich weil sich die Mega-Intelligenten ihrer Sache zu sicher seien.

  3. Tom

    Es ist fraglich ob es nur am IQ liegt.
    Sicherlich ist ein Vorteil, wenn man die Zusammenhänge besser versteht. Der beste Beweis sind Menschen aus der Umgebung. Leute mit hohem IQ und vielen Doktortiteln – scheitern bei Finanzthemen, weil Sie einfach Ihre Ausgaben nicht in Griff haben. Und zudem glauben Sie Ihrer Bank während sie sich für das Abzahlen vom eigenem Haus für die nächsten 30 Jahre verpflichten..
    Bescheidenheit, Sparsamkeit, Disziplin usw.. sind nicht nur den Leuten mit hohem IQ gegeben…

  4. Markus

    @Tim

    auch dazu gibt es eine Studie im Lexikon der Finanzirrtümer, die genau das Gegenteil behauptet.
    Menschen mit hohen IQ legen genauso oft eine Insolvenz hin, wie das untere drittel im IQ-Bereich (Glaube so um die 12 %). Ich glaube Überschätzung und hohes Risiko waren die Gründe. Manche Genies waren extrem schlechte Investoren.
    Die Mittelschicht hatte bei den Finanzen deutlich bessere Werte…

    Studien sind oft widersprüchlich…
    Verschiedene Interessen und Auslegungen nagen oft an der Objektivität.

  5. Martin

    Ich denke schon, dass ein hoher IQ hilft das Portfolio zu optimieren. Man kann hier zumindest Risiken minimieren. Die Zukunft ist aber unbekannt. Jeder intelligente Mensch sieht das doch so.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Markus

    Ich lese gerne akademische Studien, weil Professoren durch ihr Uni-Gehalt in der Regel ziemlich neutral sind.

    Bei anderen Texten kann man das nicht immer behaupten.

    Trotzdem hast Du durchaus Recht: Studienergebnisse können durchaus fehlerbehaftet sein.

    Wir alle müssen noch sehr viel lernen von den Finanzmärkten. Es besteht so viel Unerforschtes. Einen Grundzusammenhang kann man durchaus erkennen: Kaufe unterbewertete oder fair gepreiste Aktien, behalte sie langfristig. Und den Rest Deines Geldes lasse am besten in Cash, um für neue Chancen gerüstet zu sein.

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