Aktien sind die Königsklasse fürs Alter


New York, 25. November 2013

bild

Angesichts der wachsenden Lebenserwartung empfehle ich, ein Depot zu 100 Prozent aus Aktien bzw. Indexfonds zu basteln. Ein kleines Cashpolster sollten Sie natürlich in der Hinterhand haben, um für den Notfall gewappnet zu sein.
Anleihen? Nein Danke
Anleihen machen meiner Meinung nach wenig Sinn. Die alte Regel, mit höherem Alter den Anleiheanteil hochzufahren und im Gegenzug Aktien zu reduzieren, halte ich für überholt. Mein Rat: Lieber 100 Prozent in Aktien investieren. Aktien laufen im Schnitt weitaus besser als Anleihen. Wenn Ihr Eigenheim schuldenfrei besitzen, eine akzeptable gesetzliche Rente kassieren, können Sie es sich erlauben, 100 Prozent in Aktien zu packen.
Dem Deutschen Michel fällt nur ein, wenn es ums Sparen geht: Sparbuch, Festgeld, Bausparen, Lebensversicherung. Das wars. Dabei bieten Aktien im langen Schnitt die besten Renditen.
Gute Rendite wegen Lebenserwartung nötig
Ihre Lebenserwartung geht rauf. Sie brauchen folglich mehr rentable Investments. Denken Sie außerdem an Ihre Nachkommen, an Ihre Kinder. Ihr Geld sollte gut und rentabel angelegt sein. Alles andere wäre Verschwendung.
Es gibt Unternehmen, die konservativ geführt werden. Denken Sie an BASF, Münchener Rück, Allianz, Henkel, Procter & Gamble, Berkshire Hathaway, Colgate-Palmolive oder Exxon Mobil. Diese Konglomerate operieren fast wie Staaten. Bei der Altersvorsorge geht die Sicherheit vor. Langweilige Aktien sind also Gold wert. Wichtig ist natürlich das Depot ausreichend zu streuen. Und in langen Zeiträume zu investieren.
Hin und Her macht Taschen leer
Die Börse mitsamt Banken profitieren in erster Linie von Aktivität, vom Trading, vom Hin und Her. Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, Larry Fink, bezeichnet die Banken daher als „Klick-Industrie“. Fink kritisiert das Kurzfristdenken der Branche scharf, damit sei dem Anleger nicht geholfen.
Dem Anleger bringt die Aktivität nichts, oft schadet sie. Die Interessenlage zwischen Bank und Kunde verläuft konträr zueinander. Der eine mag seine Gebühren maximieren, der andere so wenig Gebühren wie möglich bezahlen. (Es gibt wohlgemerkt kostengünstige, attraktive Bankprodukte wie z.B. Indexfonds.)
Wenn Sie traden, stehen Ihnen wohlinformierte Profis mit überdurchschnittlichem Wissen gegenüber. Diesen Kampf können Privatanleger auf Dauer nie gewinnen. Das sagt uns ja der gesunde Menschenverstand.
Hedgefonds: Luft in Tüten
Die meisten Aktienfonds und Hedgefonds versagen über lange Zeiträume kläglich. Unendlich viele Fonds werden jedes Jahr wegen katastrophaler Performance eingestellt. Es werden ständig neue Fonds aufgelegt. Ein Grund dafür sind die hohen Kosten (Gebühren). James Stewart skizzierte in der „New York Times“, wie enttäuschend die großen Uni-Stiftungen mit ihren Milliardenportfolios abschneiden. Die Unis setzen normalerweise anteilig auf Hedgefonds. Hier ist nicht viel zu holen. Wo liegt das Problem? Hedgefonds kassieren pauschal zwei Prozent Gebühr vom verwalteten Vermögen. Darüber hinaus erhalten sie im Regelfall 20 Prozent vom Gewinn. Das ist ein Batzen. Das führt dazu, dass für den Anleger wenig übrig bleibt. So erwirtschafteten die Hedgefonds in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt 5,0 Prozent, während der S&P-500-Index um 15,3 Prozent zulegte.
Irrelevante Tagesnachrichten
Lassen Sie Ihr Geld besser für sich arbeiten. Lassen Sie die Aktien (oder Indexprodukte) ruhen. Lassen Sie die Zinseszinsen wirken. Viele Nachrichten sind irrelevant für Anleger, sagt BlackRock-Chef Fink. Langfristanleger brauchen nicht jeden Tag, nicht jede Woche, nicht jeden Monat die Kurse zu prüfen. Hier gilt: Weniger ist mehr. Eine Gelassenheit ist in der Aktienanlage eine Tugend. In der Ruhe liegt die Kraft. Über lange Zeiträume kommen massive Erträge zustande.
Wenn Jane Mendillo – sie verwaltet Harvards Milliarden – in New York präsentiert, bin ich gerne anwesend. Sie verfolgt eine überzeugende Strategie. Von ihr kann ich viel lernen. Mendillo sagt: „Als Langfristanleger denken wir in Jahrzehnten und nicht in Monaten oder Jahren, wenn wir Kosten und Nutzen unserer Investmententscheidungen abschätzen.“
Kurzfrist-Trends im Volk
Leider sind wir Menschen programmiert, kurzfristig zu denken. Wir lesen Infohappen im Internet. Wir klicken durch das Web, wir tippen unendlich oft auf die Fernbedienung. Wir konsumieren Fast-Food, machen Kurzurlaube…
Vorstände planen bis zum Quartalsende, sie wollen ihren Bonus bis Silvester retten. Was im nächsten Jahr passiert, spielt vorerst keine Rolle. Parteien denken bis zur nächsten Wahl. Hauptsache die Wahl gewinnen, der Rest ist erst Mal egal.
Wir sind fasziniert von kurzfristigen Kurssprüngen. Wir verzerren so die Realität, werden emotional. Kurssprünge sind von kurzer Natur. Mit kurzatmigen Entscheidungen langfristige Probleme (Altersvorsorge) zu lösen, funktioniert nicht.
Dieses Kurzfristdenken hat Folgen: In Amerika arbeiten immer mehr Senioren, weil ihnen das Geld nicht reicht. Statt mit 60 gehen sie mit 80 Jahren in den Ruhestand.
Nutzen Sie Ihre Angewohnheiten zu Ihrem Vorteil. Geben Sie nicht Ihr Einkommen komplett aus, legen Sie zumindest einen kleinen Teil zurück. Legen Sie das Geld solide an. Sie werden sehen, Ihre Zufriedenheit nimmt zu. Wir bestehen alle nur aus Gepflogenheiten. Konzentrieren Sie sich auf die vorteilhaften.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Aktien sind die Königsklasse fürs Alter

  1. Marc

    Ein Eigenheim gehört einem auch nicht wenn es abbezahlt ist. Das verstehen leider nur 99,99% der Menschen nicht.
    Würde es einem gehören müßte man keine Grundsteuer etc. jährlich bezahlen!!!

  2. DERKRIGR

    @MARC: Genau und vollkommen und richtig.

    Und die Zigaretten die wir rauchen gehören uns auch nicht (Tabaksteuer) und selbst die Aktien die wir besitzen gehören uns gar nicht, sonst müssten wir auf die Dividendenerträge keine Abgeltungssteuer bezahlen.

    99,99% verstehen eben nicht, dass uns GAR NICHTS gehört (nicht mal unser eigenes Leben – denn wer leben möchte zahlt zumindest die Mehrwertsteuer).

  3. Fritz

    Sowas dämliches wie die beiden ersten Kommentare habe ich noch nie gehört.

    Dein Auto gehört dir auch nicht weil du Benzin zahlen musst? 😉

  4. Markus

    Da ist er schon wieder… der dümmliche deutsche Michel…

    Zum Glück haben wir die schlauen Tommies… spielt der so gut?

    Zu den Elite-Unis habe ich schon öfters gelesen, dass Sie sehr gut abschneiden…
    Alles und ganze Völker über einen Kamm zu scheren und Alternativen gar nicht mehr zu denken zeigt von Ignoranz…

  5. Marc

    Also dann zahlt mal eure Grundsteuer nicht und dann seht ihr, wem das Haus gehört? Ihr werdet euch wundern was passiert!

  6. Chris

    Ich glaube schon, dass es Sinn macht ab einem bestimmten Alter weg von Aktien zu gehen und die Anleihenquote zu erhöhen.

    Anleihen haben einfach eine geringere Volatilität, und so desaströse Zustände wie aktuell (nominal Verzinsung liegt weit unter der real Verzinsung) sind auch nicht normal…

    Um Kaufkraft zu erhalten, sind Aktien über einen kurzen Zeitraum eher nicht geeignet. Die Volatilität ist einfach zu hoch…

    Langfristig gibt es natürlich keine andere Option…

  7. Felix

    Ich persönlich gehe auf den Ruhestand zu und kann voraussichtlich auch mit meiner Rente auskommen. Deshalb ändere ich beim Übergang zum Ruhestand an meiner Vermögenszusammenstellung gar nichts Ich fahre weiterhin 80% Aktienquote (Eigenheim nicht eingerechnet), 10 % Festgeld und 10 % Cash.
    Der einzige Unterschied zur aktiven Zeit wird sein: die Dividenden werde ich nicht mehr reinvestieren, sondern schlicht verreisen.
    Auch, wenn es wieder mal crasht, behalte ich einfach weiter mein Aktiendepot, das ich ohnehin vorhabe zu vererben (einen Großteil habe ich vor der Abgeltungssteuer gekauft). Die Dividenden fließen im Westlichen weiter und der Buchwert schwankt, was soll's.

    P.S. Zu den beiden Anfangskommentaren: Offensichtlich Unsinn muss man nicht diskutieren, das ist Zeitverschwendung.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Chris
    Aktien werfen im langen Schnitt deutlich höhere Renditen gegenüber Anleihen ab. Warum soll ich dann Anleihen kaufen? Die Volatilität ertrage ich gerne, wenn ich dafür mehr Knete bekomme.

    @ Felix
    Das klingt gut. Gratulation! So ähnlich habe ich mir das für mich vorgestellt.

  9. Chris

    @ Tim
    Ganz einfach, weil man nicht mehr die Zeit hat einen Crash und den damit verbundenen Vermögensverlust auszusitzen. Wenn der Gesamtmarkt fällt, dann nützt das diversifizierteste Portfolio auch nichts.

    Außerdem muss man hoffentlich nicht mehr arbeiten und kann durch das Arbeitseinkommen kein Geld mehr anhäufen…

    Im Alter geht es einzig und allein darum den Wegfall der Arbeitskraft, mit der Hilfe des ersparten Geldes in Form von Aktien oder Anleihen und anderen zinstragenden Titeln, zu kompensieren.

    Und Aktien sind einfach volatiler und meiner Ansicht nach weniger geeignet für jemanden der bald in den Ruhestand geht.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Chris
    Nun, da sind wir anderer Meinung.

    Ich habe oben den Fall beschrieben, dass jemand sein Eigenheim abbezahlt hat und die gesetzl. Rente OK ist. Für diesen Fall macht das 100%-Aktien-Depot Sinn, finde ich.

    Etwas Cash sollte natürlich immer für den Notfall vorhanden sein (Auto kaputt, Reparatur am Haus etc.).

  11. Markus

    Aktien als Königsklasse…

    Gut, sie sind die beste Anlageform in der Vergangenheit gewesen.
    Zudem sind sie eine der wenigen Anlageklassen, die nach Inflation und Steuern einen Vermögensaufbau ermöglichen.

    Nur, wenn etwas zu gut klingt um wahr zu sein, dann ist es das sehr oft nicht! Verallgemeinerungen und Vorurteile machen das Denken sehr einfach…

    Wenn ich mal die ominösen 10 % bei extrem hoher Aktienquote rechne…
    angenommen 100 k Aktiendepot + monatlich 750 € Sparquote hat man nach 15 Jahren eine Summe, die Entnahmepläne ermöglicht, welche zum Leben reichen, wenn zusätzlich Eigenheim bereits abgezahlt ist… Der Beispielmensch ist 30 Jahre alt…

    Immos, Rohstoffe, Cash, Anleihen und Aktien und für die ganz vorsichtigen noch Ackerland, Wald, BP5-Notnahrung, Angel und Bogen… *g*
    Allerdings um 10 % zu schaffen, muss der Aktienanteil schon bei mehr als 85 % am Depot liegen.

    Die Frage nach Enteignung, Steuererhöhungen, Hyperinflation, Deflation, Währungsreform ist spekulativ aber nicht ausgeschlossen.

  12. Felix

    @ Markus

    Es könnte auch ein Asteroid die Erde treffen, wie es weiland bei den Dinos gewesen sein soll. Aber danach kann ich nicht meine Lebensplanung ausrichten, weil es ein sehr seltenes, wenngleich nicht ausschließbares Ereignis ist.

  13. Markus

    @Felix

    Die Wahrscheinlichkeit einer Währungsreform mit der Wahrscheinlichkeit eines Asteroideneinschlags zu vergleichen ist ein unpassender Vergleich…ein Ereignis, dass alle 5 – 10 Dekaden passiert mit einem, dass alle paar Millionen Jahre passiert…

    Für die eigene Lebensplanung ist jeder selbst verantwortlich. Selbstständiges Denken gehört dazu.
    Alles rosarot oder alles tiefschwarz zu sehen sind die Extreme und hier durchaus vertreten… Der gute Ami, der dumme Michel, sparen bis zu 80 % vom Einkommen, die eierlegende Wollmichsau Aktie… Entschuldigung wenn ich es mir erlaube Glaubenssätze zu hinterfragen…

  14. Markus

    na ja, dass die Verschuldung, das Verhältnis von Geldmenge zu Gütermenge seit Bretton Woods exorbitant gestiegen ist und in der letzten Dekade Schulden mit neuen Schulden bekämpft wurde, ist jetzt nichts wirklich überraschendes, dass mit einem schwarzem Schwan vergleichbar ist.

    Ich bin weder panisch noch will ich unbedingt recht behalten!
    Allerdings eine Diskussion mit Fakten kommt ja leider nicht zu Stande, da sehr viele Menschen ungern über unbequeme Sachen reden. Vor allem, wenn Sie noch das eigene Depot, Altersvorsorge und die Hinterfragung von gängigen Glaubenssätzen betreffen.

    Da kommen dann geniale Vergleiche mit Asteroideneinschlag, welche rein logisch betrachtet …. unlogisch sind.
    Mir wird der notarische Schwarzseher mit dem schwarzem Schwan angedichtet…

    Dabei will ich nur jemanden finden, der gute Argumente für das Gegenteil von diesen leider bescheidenen Szenarien (auch für Aktiensparer) vorbringt, der mich überzeugt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *