Aktien, Öl, Gold, Silber – alles jagt davon


New York, 29. April 2011

Außer Rand und Band ist die Börse. Alles steigt – quer durch die Bank. Schrott und Qualitätswerte ziehen gleichermaßen an. Es scheint, als ob alles in Butter ist. Das ist es beileibe nicht. An verschiedenen Stellen brennt es lichterloh auf diesem Planeten. Der Krieg in Nordafrika. In Spanien beträgt die Arbeitslosenquote schreckliche 20 Prozent. Die japanische Bevölkerung ist paralysiert. Ein befreundeter Fondsmanager war gerade in Tokio. Er sagte mir, dass abends gegen 22 Uhr die Lichter in den Straßen der Hauptstadt abgeschaltet werden, um Strom zu sparen. Gespenstisch geht es zu, die Menschen sind nach dem Erdbeben, Tsunami und der Nuklearkatastrophe deprimiert. Mein Freund spielte in einer großen Halle mit einem Bekannten Bowling, sie waren die einzigen in dem Vergnügungstempel.
Portugal, Griechenland und andere Staaten sind pleite. In den USA sind trotz des hoffnungsvollen Konjunkturaufschwungs noch immer 8,8 Prozent arbeitslos. Nur langsam bessert sich die ziemlich miese Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt. Um die Wirtschaft zu stabilisieren, hat Washington im Gleichschritt mit der Zentralbank Geld unter die Leute gebracht. Viel Geld sogar. Es gab Cash für alte Autos, für ausgediente Kühlschränke. Zinszuschüsse für Hypotheken. Steuerentlastungen und so weiter. Seitdem die Druckerpresse auf Hochtouren läuft, ist die Staatsverschuldung explodiert. Der Dollar ist nichts mehr wert. In einer seiner schlimmsten Vertrauenskrisen steckt der Greenback. Im Gegenzug befindet sich der Euro im Höhenflug. Das ist beängstigend, denn all die Krisenherde in der EU und Osteuropa scheint niemanden zu interessieren.
Warum steigt die Börse? Flippen jetzt alle aus? Ich glaube, es hängt mit dem billigen Geld der Notenbanken zusammen. Wo soll auch all das Cash hin? Es fließt an die Börse. Zu Recht! Auf dem Börsenparkett sind die Bewertungen recht moderat. Die Konzerne haben massiv Bargeldbestände ihrerseits aufgebaut, sie sind saniert, so stark wie selten zuvor. Dividendenrenditen von zwei, drei oder gar vier Prozent locken in den Standard-Indizes. Klar, manch einer meckert und warnt vor einem Rückschlag an der Börse. „Pass auf“, mahnen die Schwarzmaler. „Bald kommt der Crash.“ Kommt er wirklich? Ich weiß es leider nicht. Begründet wird der Absturz mit dem massiven Aufschwung, den wir hatten. In den vergangenen zwei Jahren verdoppelte sich in der Tat der Dow-Jones-Index. Mag sein, das sieht fürstlich aus. Ist es aber nicht! Denn zuvor folgte ein heftiger Niedergang, der völlig übertrieben war. Jetzt ist nur die Panikreaktion, die mit der Krise einsetzte, ausgebügelt worden. Nicht mehr und nicht weniger. Insofern sehe ich keine Übertreibung in der jüngsten Kursrallye. Dann begründen die Schwarzmaler den bevorstehenden Crash mit dem Spruch: „Sell in May and go away.“ Eine gewisse Saisonalität an der Börse streite ich gar nicht ab. In der Urlaubszeit verkaufen die Menschen eben ihre Aktien und kümmern sich um andere Dinge. Auch stehen die Fabriken still, es wird weniger produziert. Aber als Langfristanleger jucken mich solche Saisonalitäten nicht. Das interessiert mich nicht die Bohne. Ich bleibe einfach investiert.
Und dann sprudelt das Geld in die Rohstoff- und in Edelmetallmärkte. Gold-ETFs sind gefragt. Silbermünzen gehen weg wie warme Semmeln. Goldbarren werden wie verrückt gekauft. Schließfächer sind landauf, landab ausgebucht. Alle haben Angst vor der Inflation. Natürlich muss die Geldentwertung kommen. Daher steigen ja die Aktienkurse. Alles wird teurer. Sprit, Kaffee, Brot, Eier, Fleisch, Autos, Restaurantbesuche. Es handelt sich um eine unaufhaltsame Preislawine. Vielleicht kommt es so wie in den 1970er Jahren. Was würde ich jetzt tun? US-Aktien sind aufgrund des bärenstarken Euro super-billig. Es handelt sich für Europäer um einen Extra-Rabatt. Wer in den USA Urlaub machen will, dem rate ich es zu tun. Schon allein wegen des günstigen Wechselkurses. Ohnehin sind Aktien ein guter Schutzhafen vor der Inflation. Denn die Unternehmen müssen ja ihre gestiegenen Rohstoffpreise und Löhne an ihre Kunden wiederum per Preiserhöhungen abwälzen. Gold und Silber sind nicht unbedingt ein sicherer Hafen auf diesem hohen Niveau. Nun gut, man kann geteilter Meinung sein, wie es weiter geht mit den Edelmetallen. Es ist vorstellbar, dass die Feinunze Gold bald 2.000 Dollar kostet, aktuell ist sie rund 1.500 Dollar wert. Wer sich mit Gold eindeckt, muss sich bewusst sein, dass der Preis durchaus fallen kann. Vielen Anlegern scheint das derzeit gar nicht klar zu sein. Es herrscht dieser Irrglaube, Gold ist das sicherste Anlagegut der Welt. Unfug! Die letzten beißen die Hunde.


tim schaefer (Author)

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