Achtung wenn die Fed den Geldhahn zudreht


New York, 16. Dezember 2013

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Die Aktienkurse liefen wie am Schnürchen nach oben. Fünf Jahre Börsenrallye. Langsam wird die Luft dünn. Es ist fast unheimlich. Der Dow-Jones-Index rannte um ca. 20 Prozent seit Januar. Seit dem Tief im Jahr 2009 hat sich der Index mehr als verdoppelt.
An der Börse ist es von Vorteil lieber über 100%-Schritte nachzudenken, als über 2% rauf oder runter. Das eine macht Sinn, das andere ist Unsinn.
Die Notenbank FED hat angekündigt, die Assetkäufe zu reduzieren. Das leuchtet ein. Die Fed kann nicht endlos die Märkte mit Cash überfluten. Im Endeffekt landet das billige Geld der Notenbank zum Gutteil bei den Superreichen, bei Aktionären, Unternehmern, Investoren.
Würde das Gelddrucken weitergehen, käme eine fürchterliche Hyperinflation auf uns zu. Insofern leuchtet es ein, wenn die Fed vorsichtig wird. Es folgt im Anschluss eine Phase der Leitzinserhöhungen, um die Geldentwertung in den Griff zu bekommen. Alles verläuft in Zyklen.
Das Finanzministerium (mein Foto) steht hinter der Fed. Sie können sicher gehen, das ist abgestimmt mit der höchsten Politik.
Es kann mit dieser Richtungsänderung der Fed turbulent zugehen an den Märkten. Bleibt zu hoffen, dass unsere Politiker für Ruhe sorgen werden. Und nicht weiter Öl ins Feuer gießen werden, wenn die Nervosität ohnehin zunimmt. Die Politik hat sich genau darauf spezialisiert, eben für Unruhe, statt für Ruhe zu sorgen. Wenn die Fed den Geldhahn zudreht, werden Sie das in Ihrem Depot merken.
Die Börse erlebt immer zwei Dinge: Booms und Crashs. Auf das eine folgt das andere. Irgendwann werden die Märkte wieder beben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Den genau Zeitpunkt kennt logischerweise niemand.
Das meiste Geld wird in einem Crash verdient. Wenn die Fetzen fliegen. Wenn alle Angst haben. Wenn die Meute flüchtet. Wenn jeder vor Aktien warnt.
Die erfolgreichsten Profianleger verfolgen eine „Contrarian“-Strategie. Sie schwimmen gegen den Strom. Sie kaufen, was die Herde hasst. Die Gurus investieren wie blöd in Aktien, die aus der Mode kommen. Anschließend warten sie gemütlich ab. Ist Apple abgestürzt, greifen sie zu. Liegen die Banken, Hausbauer, Versicherungen am Boden, freuen sich die smarten Jäger über die Geldgeschenke.
Ich denke an Carl Icahn, George Soros, Seth Klarman, David Einhorn, Bill Ackman, Carlos Slim oder John Paulson.
Jetzt, nach fünf Jahre Super-Hausse, wird es schwieriger die großen Chancen zu finden. Ich sehe derzeit die Minenbranche und Finanzdienstleister mit einem Abschlag zum Markt.
Was also tun? Die großen Gewinne sind wohl gelaufen. Ich halte meine Aktien durch. Mit denen gehe ich durch dick und dünn. Die Kaufen-und-Halte-Strategie funktioniert immer. Egal wie die Stimmung ist. Warren Buffett sagt ja: „Mein Anlagehorizont ist unendlich.“
Gute Firmen können Sie durchhalten. Solange Erträge sprudeln, Dividenden fließen, die Zahl der Aktien sinkt (Aktienrückkauf), was soll da auf Dauer anbrennen? Ich halte eine Qualitätsaktie durch, selbst wenn sie sich im Extremfall im Kurs halbieren sollte. Warum sollte ich verkaufen? Das perfekte Timing kriegt niemand hin. Es ist ein Trugschluss, das zu glauben. Reine Selbstüberschätzung.
Ich schaue natürlich nach neuen Chancen. Aber euphorisch bin ich nicht mehr. Warum? Es wird mehr Geld am Tiefpunkt verdient als am Höhepunkt.
Der ideale Zeitpunkt, um billig Aktien abzustauben, war vor fünf Jahren (ja, im Rückblick ist das einfach zu sagen). Doch hatte ich durchaus auf die Chance hingewiesen: Hier, in einer Online-Community, hat jemand meine Beiträge von damals zusammengefasst. Danke dafür. Glauben Sie mir: Ich mache selbst jede Menge Fehler. Ich lerne ständig dazu. Nobody is perfect.
Langfristig steigt die Börse natürlich weiter. Sorgen sollten Sie sich insofern keine vor einem Crash machen. Gut, der Absturz kommt irgendwann, ist aber bald schnell Schnee von gestern. Behalten Sie IMMER Ruhe. Sitzen Sie am besten alles aus.
Warum? Die Bevölkerung explodiert von sieben auf zehn Milliarden. Der Fortschritt ist unaufhaltsam. Dramatisch nimmt der Wohlstand, die Demokratisierung zu. Das Pro-Kopf-Einkommen geht rauf. Selbst Afrika „entdecken“ Multis wie IBM oder Coca-Cola auf einmal. Es gibt kaum einen Landstrich, wo die Mittelschicht nicht wächst.
Fazit: Mit der Fed-Ankündigung, den Fuss vom Gaspedal zu nehmen, kann es turbulent werden an der Börse. Mittel- und langfristig setzt sich der Wohlstandsgewinn fort.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Achtung wenn die Fed den Geldhahn zudreht

  1. Jan

    Ein guter Hinweis Tim. Ich persönlich habe bereits seit über einem halben Jahr nicht mehr nachgekauft. Ich muss aber auch zugeben,dass es mir zusehends schwerer fällt mich zurückzuhalten bei den steigenden Cash-Beständen.
    Ich denke wichtig ist, dass die Betonung auf Qualitätsaktien liegt. Buy-and-Hold funktioniert meiner Meinung nach schon noch, jedoch eben nur mit wirklich guten Unternehmen.
    VG Jan

  2. dk

    Ja, ich habe auch seit der letzten Dividendenausschüttung nichts mehr nachgekauft.
    Die Kurse sind einfach zu hoch. Das merke ich auch in meiner Statistik im Vergleich zum letzten Jahr. Wahnsinn!
    Ich warte auf die nächste Div.Ausschüttung und greife dann wahrscheinlich zu, wenn die Kurse fallen.

    Ansonsten einfach abwarten, bis die Börse „bebt“ und dann dick mit Aktien eindecken.

  3. Markus

    Buy & hold funktioniert nicht nur bei Qualitätstiteln, sondern auch bei Indexen. Zudem schafft ein Rebalancing zusätzlich antizyklisches investieren.

    Ob man da timing bzw. billig bei Indexen betreiben will, bleibt jedem selbst überlassen. Widerspricht natürlich der emt und kombiniert das „ganze“ mit value. Günstig ist Italien, Russland, Österreich. Teuer ist Amerika. Der DAX ist neutral. Bei den Branchen stimme ich mit Tim überein.
    Dafür nimmt man am besten 10 Jahresbewertungen. Die durchschnittliche Steigerung von Unternehmensgewinnen liegt so bei 1,6 %…

    Mit ner Hyperinflation wären Sie die Staatsschulden wieder los…

  4. Thomas

    @ Markus: Die Mehrzahl von Index ist auch in dieser Woche Indizes.Und auch in der kommenden Woche.

  5. Markus

    @Thomas

    Sorry ;-). Logik und Sinn ist mir persönlich wichtiger.
    Allerdings habe ich schon des öfteren geschäftliche Schreiben von Architekten und Studenten gesehen, die nur noch peinlich waren.
    Das waren keine schnell dahin geklatschten Blogeinträge…

  6. Frank

    Hallo Tim,
    die Hausse wird noch weitergehen glaube ich. Es ist fast schon typisch, jeder wartet auf die Korrektur oder den Crash, dann kommt er bestimmt nicht. Oder wie Kosto sagen würde : die Hausse wächst an einer Mauer von Angst empor.
    Tapering bedeutet nicht daß Geld wieder eingesammelt wird. Es wird nur weniger Geld neu gedruckt, trotzdem wird es mehr.An Leitzinserhöhungen glaube ich die nächsten Jahre nicht, Hauptleidende wären die völlig verschuldeten Staaten, die Politik wird also alles tun um das zu verhindern.
    Auch ich kaufe aktuell nicht (Bauchgefühl)trotzdem wird es weiter bergauf gehen, erst wenns in der Bild steht und am Stammtisch die Börsenkurse die Gespräche über Frauen und den Fußball abgelöst haben wirds gefährlich

  7. Sebastian

    Auch bei mir steigt der Cashanteil kontinuierlich. Watchlisttitel sind einfach nicht mehr billig.

    Höchstens bei Caterpillar komme ich in Versuchung…..

    Ansonsten warten wir wohl alle auf den nächsten Absturz – und der kann noch Jahre auf sich warten lassen. Gut möglich, dass wir regelmäßig 10-15% Rücksetzer sehen und nicht mehr.

    Wie Frank kann ich von breiter Masseneuphorie nichts erkennen.
    Ja, das kann sich noch hinziehen…..

    Zum Glück wird die Gans in der Zeit immer fetter :). Und wie Tim schon sagt, mit Buy-and-hold macht man nicht viel verkehrt – Qualitätstitel vorausgesetzt.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Frank

    Ich habe Sondertilgungen gerade bei meinen Hypotheken vorgenommen. All das Aktiensparen bringt nix, wenn ich einen Sack voll Schulden im Alter habe. Trotz niedriger Zinsen bin ich froh, wenn das Hypotheken-Zeug so schnell wie möglich getilgt ist.

    Im Sommer hatte ich meine letzte Aktienorder aufgegeben. Natürlich gibt es immer Chancen an der Börse. Mein Schwerpunkt verschiebt sich momentan auf meine Schulden.

    Das hängt natürlich vom Einzelfall ab. Wenn jemand einen riesigen Berg Cash auf dem Festgeldkonto und Sparbuch schlummern hat, ist die Börse nach wie vor eine gute Alternative, sofern es sich um Qualitätsaktien handelt. Gute Chancen gibt es immer.

  9. stevoxx

    Ich weiss nicht. Irgendwie erwarten alle den Tag X und somit einen Einbruch der Börsen. Aber es kommt meist anders, als die meisten denken. Ich denke nicht, dass der zurückdrehende Geldhahn der FED die Kurse groß ins Schwanken bringt.
    Viel eher wieder einmal einen kleinen oder größeren Black Swan, ein Ereignis, das wir derzeit nicht auf der Landkarte haben.

  10. stevoxx

    Tja, bloß was sind gute Firmen? Dividenden muss es nicht in alle Ewigkeit geben.
    Aber hier hat Buffett recht. Gute Firmen mit guter Dividende sind meistens extrem langweilige Unternehmen, die nicht so stark der Gefahr von disruptiven Innovationen ausgesetzt sind.
    Aber auch hier kann man sich täuschen. Vor 10 Jahren waren Versorgen wie EON usw. noch „sichere“ Titel. Doch die disruptive Kraft der Erneuerbaren Energien wurde komplett unterschätzt.

    Als kleiner Anleger wäre es tatsächlich am besten, einfach einen ETF auf einen Index zu kaufen und 10 Jahre nicht mehr anzuschauen.

    Elektroautos könnten das nächste disrupttive Erdbeben in der Automobilbranche auslösen.

  11. Larry

    Du verwechselst die disruptive Kraft der erneuerbaren Energien mit der disruptiven Kraft der Bundesregierung… 😉

    Ein Grund warum ich aus Ländern wie Deutschland und Frankreich von solchen Branchen schon je her die Finger gelassen habe, einfach weil die Politik zu viel reinpfuscht…

    Versorgern in angloamerikanischen Ländern waren je her eine – zwar keine herausragend gute, oder aktuell besonders günstige – ordentliche Anlage.

  12. Alexander Moshe

    Hallo Tim,

    „Hier, in einer Online-Community, hat jemand meine Beiträge von damals zusammengefasst. “

    Das war in der Tat ich (unter meinem Pseudonym 'Petrosilius Zwackelmann').

    Hintergrund war, dass gewisse Leute einfach einfachste Logik nicht verstehen.

    Ich hatte damals im Forum (im Sept. 2013) erklärt, dass man 2009 hätte fette Gewinne einfahren können, wenn man mutig gewesen wäre.

    Da habe ich deine Einträge von damals durchforstet, um aufzuzeigen, dass man, entgegen der Mehrheitsmeinung, eben sehr wohl schon ende 2008 wusste, dass es früher oder später wieder bergauf geht.
    Schade, dass das niemand verstehen wollte oder konnte.

    Übrigens habe ich eine eigene, sehr simple, dennoch sehr strikte Strategie aufgestellt.

    Evtl. stelle ich die mal in einem Gastbeitrag vor, wenn du willst.
    (Allerdings beschränke ich meine Käufe auf schweizer Aktien, uA um Umrechnungsprobleme zu vermeiden).

    Gruss
    Alex, Schweiz

  13. tim schaefertim schaefer

    Hallo Alexander,

    danke für die Links. Dein Gastbeitrag interessiert mich. Ja, das wäre super.

    Im Grunde gilt ein Grundsatz: Das ganz große Geld wird im Crash verdient. Beste Grüße, Tim

  14. Matthäus Piksa

    Jetzt steht also fest, dass die Anleihekäufe um einen Betrag iHv 10 Mrd. $ zusammengestrichen werden…

    Spannender finde ich derzeit, dass die FED nächsten Dienstag ihr 100-jähriges Jubiläum feiert… @Tim – Bist du als WallStreet-Korrespondent eigentlich irgendwo eingeladen? Oder gibt sich die mächtigste Notenbank der Welt auch an diesem Tag eher zugeknöpft, feiert allenfalls im engen Kreis (Notenbanker/Regierungsbeamte etc.), vielleicht mit ein paar verdienten (=loyalen? = unkritischen?) amerikanischen Journalisten.

    Ein wenig überrascht wäre ich nur, wenn Notenbank-Berater Nouriel Roubini nicht mitfeiert…

    Ich kann all das aus der Ferne jedoch nicht wirklich gut einschätzen.

    A propos Jubiläen. Ich weiß nicht, ob es jemandem aufgefallen ist, aber nächstes Jahr ist geradezu ein Jahr der Jubiläums-Orgien, wenn man so will… 😉

    Zum einen jährt sich der Beginn des 1.WK das einhundertste Mal, der 2. WK jährt sich zum 75. Mal. Dann wäre da noch der Fall der Mauer, der 25 Jahre zurückliegt. Interessant sind vielleicht noch: 15 Jahre Euro und 10 EU-Osterweiterung.

    Vielleicht gibt es ja noch mehr zu feiern…? – Mir fällt passend dazu jedenfalls Francis Fukuyamas Buch „End of History“ ein.

  15. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke! Das wünsche ich Dir auch. Erholsame Tage und alles Gute für 2014.

    @Leser
    Ich hoffe, Sie kommen alle gut ins Neue Jahr. Meine besten Wünsche. Ich hoffe, Ihnen hilfreiche Infos in 2014 geben zu können. Ich freue mich auf jeden Leser. Auf jeden Kommentar. Auf Lob. Auf jede Kritik. Herzliche Grüsse

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