Achten Sie auf vier Dinge an der Börse: Geld, Zeit, Strategie, Gebühren


New York, 2. Oktober 2014
Proteste an der Wall Street: Gegen den Kapitalismus, Energieverschwendung, Umweltverschmutzung und Global Warming.

Proteste an der Wall Street: Gegen den Kapitalismus, Energieverschwendung, Umweltverschmutzung und Global Warming.

An der Börse kriselt es ein wenig. Die Nervosität nimmt zu. Der Dollar wird stärker, der Euro befindet sich im freien Fall.  Das Öl rasselt in den Keller. Die Kurse sind seit Tagen schwach. Was soll’s? Mich regt das tägliche Auf und Ab der Kurse nicht auf.

An der Wall Street kam es übrigens in den vergangenen Tagen zu Protesten. Demonstranten schimpften gegen den Kapitalismus und Global Warming. Die Polizei riegelte vorsorglich den Bullen auf dem Broadway ab, wie Sie auf meinem Foto sehen können.

Vor einem Aktiencrash oder Tumulten habe ich keine Angst. Nur Trader bekommen Angst. Für Langfristanleger ist es völlig egal, was an der Börse derzeit passiert. Bewahren Sie Ruhe. Angst und Gier sind reines Gift an der Börse.

Wenn die Meute sehr ängstlich wird, wenn die Kurse zu beben beginnen, schlägt die Stunde der Smarten.

Klar weiß ich, das perfekte Timing gelingt niemanden. Aber eine schlechte Stimmung, die lange anhält, ist grundsätzlich etwas Gutes für den Aktienkauf. Noch sind wir nicht dort.

Sie sollten vier Aspekte beachten:

Erstens sollten Sie mindestens zehn Prozent ihres Einkommens versuchen, für die Rente zurückzulegen. Die meisten unterschätzen die nötigen Geldsummen.

Zweitens sollten Sie die Zeit, die nötig ist, um ein bequemes Polster anzusparen, nicht unterschätzen. Sie sollten mindestens 30 Jahre lang sparen.

Drittens sollte Ihre Investmentstrategie schlüssig sein. Meine Strategie ist das „Buy and Hold“ von Qualitätsaktien.

Viertens achten Sie strikt auf die Transaktionskosten und Steuern. Je niedriger beide Kostenblöcke ausfallen, desto besser. Die Kosten für Produkte wie aktive Fonds sollten Sie ebenfalls strikt im Auge behalten. Kunden unterschätzen zuweilen, was sich nach 30 oder 40 Jahren an Kosten auftürmen kann. Natürlich sind nicht alle aktiven Fonds oder Produkte schlecht. Es kommt darauf an.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige die falsche Einstellung haben. Sie meinen, sie sind etwas Besonderes. Sie denken glatt, die Menschheit schuldet ihnen etwas. Sie kommen mir faul vor. Sie möchten nicht sparen, am liebsten nur konsumieren. Natürlich sollen wir alle das Leben genießen. Zu geizig sollte niemand werden. Alles mit Augenmaß, mit Vernunft, mit Weitsicht.

Fazit: Ich investiere in grundsolide Aktien langfristig. Selbstverständlich gibt es andere Wege, die nach Rom führen. Nur vom Trading halte ich nichts. Studien zeigen ganz klar, die überwiegende Zahl der Trader versagt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Achten Sie auf vier Dinge an der Börse: Geld, Zeit, Strategie, Gebühren

  1. wirtschaftswaisewirtschaftswaise

    Volle Zustimmung (mal wieder)!

    Wenn ich regelmäßig Aktien kaufe, so versehe ich in meiner  Excel-Tabelle jeden Kauf mit einem Farbcode für die momentane Stimmung an den Börsen…

    Börsen-Rallye –> Rot (Mist!)

    Börsen steigen –> Gelb (na ja)

    Börsen neutral, unentschieden –> Blau (quasi gefühllos)

    Börsen fallen –> Grün (alles O.K.)

    Börsencrash –> Rosa (besser geht’s nicht!)

  2. Frank

    Hallo, es werden bald Zeiten kommen, da wird sich zeigen wer buy and hold Anleger ist und wer nicht.

  3. Andre

    Hallo Tim,

    ich bin seit einiger Zeit Leser Deines Blogs, auch weil mir Deine Art die Du in Gelddingen an den Tag legst aus der Seele spricht.

    Buy and Hold ist auch meine Strategie und das nun schon seit 1998. Da habe ich meine erste Aktie ins Depot gelegt (Gillette).

    Ich habe mein Depot immer Stückchenweise ausgebaut.

    Das heißt aber auch das ich sämtliche Krisen von 1998 bis heute mitgemacht habe. Ich würde mich deßhalb schon als recht Krisenresistent bezeichnen.

    Geduld haben und vor allen Dingen Ruhe bewahren sind zwei wirklich hervorragende Regeln die man an der Börse befolgen sollte. Und natürlich auf die Qualität der Aktien achten. Auch ganz wichtig.

     

    @Frank

    Gebe Dir völlig Recht. Einige der Kommentareschreiber hier werden noch das kalte Gruseln kriegen im laufe der Zeit. Viele haben erst nach der Finanzkriese erstmals in Aktien investiert und wisen nicht was ein richtiger Bärenmarkt für Sie bedeutet. Aber da müssen Sie durch und Ihre Erfahrungen sammeln.

     

    @Wirtschaftswaise

    Hallo, großes Lob für Euren Schritt allem zu Entsagen und endlich die Finanzen selber in die Hand zu nehmen. Euer Depot finde ich recht gut strukturiert und gestreut, obwohl es Aktien dort gibt die ich nicht kaufen würde. Aber es hat eben jeder seine Favoriten zu denen er steht und das ist auch gut so. Sonst wäre die Börse ja langweilig……

     

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Judas
    Trader arbeiten oftmals mit Schulden. Wenn die Börse crasht, möchte die Bank Sicherheiten sehen. Das kann zum Ruin führen:

    http://www.sec.gov/investor/pubs/daytips.htm

    @ Andre
    Du hast es gut zusammengefasst: Qualität + Geduld. Hast Du Deine Gillette-Aktie in P&G umgetauscht bekommen? Buffett stand ja hinter dem Deal. Buffett war, glaube ich, der größte Gillette-Aktionär.

  5. Couponschneider

    Ich guck gar nicht mehr täglich in mein Depot. Ich hab’s mal gemacht. Momentan interessieren mich andere Dinge mehr. Einen „kleinen Bären“ habe ich bereits 2011 erlebt. Da im August/September stark zurück, weil die USA eine Schuldengrenze geknackt haben. Auch habe ich RWE vor Fukushima gekauft und danach noch zugekauft. K+S habe ich auch gehalten während des Uralkali-Intermezzos. Danach zugekauft. Was ist eigentlich aus Uralkali geworden?

    Ich zähle mich schon zu den Hartgesottenen. Ich weiß, dass ich meine Dividenden bekomme und gut ist. Mittlerweile sind schon über 180 € netto jeden Monat (im Durchschnitt). Damit lässt sich schon einiges anfangen.

  6. John Doe

    Gruss aus der Schweiz

    Ein bisschen Theorie zum langfristigen Investieren. Es gab noch nie eine 20 Jahres Periode in der ein Investor mit Aktien keinen Gewinn gemacht hat, der Schnitt inklusive Dividende, abzüglich, Steuern, Spesen und Inflations bereinigt, beträgt über die letzten 112 Jahre gerechnet jährlich zwischen 3.5% bis 4%. Das klingt zuerst mal nach nicht viel, ist aber im Vergleich mit den anderen bekannten Anlagemöglichkeiten sehr viel! Mit Gold hätte ein Investor im gleichem Zeitraum zirka 1% mit Obligationen 0.8% und mit dem Sparheft minus 0.2% Performance gemacht.

    Hätte der Anleger mit dem Geld gezockt also Trading betrieben, wäre er rein statistisch gesehen öfter Pleite gegangen als das er Gewinn erzielt hätte.

    Das sind die Fakten zurückgerechnet auf die letzten 112 Jahren.

     

  7. Stefan Müller

    Zitat: „Ein bisschen Theorie zum langfristigen Investieren. Es gab noch nie eine 20 Jahres Periode in der ein Investor mit Aktien keinen Gewinn gemacht hat“

    Woher hast du diese gewagte Aussage? Es gab immer lange Perioden, wo Investoren lange ein Minus gemacht haben. Wer Anfang 2000 alles im Dax Index gesteckt hat, hat eine Dekade gebraucht, um wieder im Plus zu stehen.

    Wer damals im Neuen Markt breit gestreut investiert hat, steht heute noch mit 80% und mehr im Minus. Wer in den 80zigern in Japan investierte, steht heute wahrscheinlich immer noch im Minus.

    Wer Qualitätsaktien wie Banken, Nokia, Worldcom, …. kaufte, hat viel Pech gehabt.

     

     

  8. Letzter Mohikaner

    @John Doe

    Auch noch zur Ergänzung. Es gibt mehrere 30-40 Jahreszeiträume, in denen Anleihen deutlich besser abschneiden als Aktien.

    Einfach mal in die Suchmaschine Deines Vertrauens eingeben.

    Inkorrekte Daten werden auch nicht besser dadurch, dass man sie ständig wiederholt.

     

  9. Felix

    @ Stefan

    Ich weiß nicht, ob es praktisch tatsächlich jemanden gibt, der zum Höhepunkt der Internetblase sein gesamtes Vermögen und möglichst noch einen Kredit in den Neuen Markt gepumpt hat. Wahrscheinlich gibt es auch das – selber Schuld, kann ich da nur sagen.

    Wer sich dumm verhält, wird überall bestraft, muss Lehrgeld zahlen: Beim Autokauf, im Urlaub, im Job usw. Jeder kennt Menschen, die immer wieder auf die Schnauze fallen.

    Und natürlich, auch beim Investieren sind Fachkenntnisse und gesunder Menschenverstand gefragt. Die meisten Anleger werden diversifizieren und zwar nicht nur im Hinblick auf verschiedene Assets, sondern auch im Hinblick auf die Investitionszeitpunkte. Ich kenne jedenfalls niemand, der sein gesamtes Vermögen zu einem bestimmten Zeitpunkt an der Börse anlegt und dann ein für allemal investiert ist.

    Wer in regelmäßigen Abständen Qualitätsaktien kauft und diese liegen (reifen) lässt, wird z.Zt. schwerlich im Minus sein können. Ganz im Gegenteil er wird regelmäßig Dividenden eingbucht bekommen und mit den meisten seiner Positionen soweit im plus sein, dass er die nächste Baise gut überstehen kann, indem er einfach mal zwei Jahre nicht auf die Kurse schaut. Danach geht dann wieder die Sonne auf. Wer auch dieser Phase weiter investiert, kann wirklich ein kleines Vermögen für den Ruhestand generieren.

  10. Alexander

    Wenn ich die Kommentare hier lese, dann muss ich feststellen, dass wir sozusagen „der harte Kern“ der Investierten sind. Das ist nicht negativ gemeint. Ich habe nur festgestellt, dass die meisten Bekannten keine Ahnung haben und auch „lernunwillig“ sind. Von denen verirrt sich leider keiner auf die entsprechenden Webseiten und Blogs. Man kann nur dazu lernen und die Kommentare von Tim lese ich immer gern.

     

    @wirtschaftswaise

    Von mir auch Glückwunsch, dass ihr euere Finanzen selber regelt.

    (offtopic – habe auf eurer Webseite keine Kontaktmöglichkeit gefunden.)

     

     

     

  11. Stefan Müller

    @felix

    Ich kenne leider viele, die 99/00 sehr viel gekauft haben. Eben dann, wenn der Hype am Größten ist. Dann reichen 20 Jahre nicht mehr aus, wie vorher gepostet wurde.  Auch Top Werte wie Nestle oder Cola können im Hype viel zu teuer sein.

     

     

  12. Gordischer Gekko

    @Stefan Müller

    So wie aktuell. Eine Blase bei gewissen Dividendentiteln. Nestle bei KGV über 20 etc. Auch der Einfluss des starken USD auf die Unternehmensgewinne wird total unterschätzt.

    Trotzdem solange Herr Draghi die Märkte weiter stimuliert, wird es nicht zum großen Crash kommen. Könnte mir auch noch eine schöne Jahresendrally dieses Jahr vorstellen. Die Einstiegskurse werden aktuell vorbereitet.

  13. Andre

    @Tim

    Ja klar, habe damals P&G Aktien bekommen. Die habe ich natürlich immer noch. Sind ja auch ein Grundsolides Investment. Bin sehr zufrieden.

    Halte unter anderem noch Allianz, BASF, Pfizer, Telefonica, Lockheed Martin, Reynolds American ……usw

    Möchte eigentlich nie mehr verkaufen. Später von den Dividenden leben und die Aktien vererben. So oder so ähnlich.

  14. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Andre

    Das klingt nach einer sehr vernünftigen Strategie. Gratulation.

  15. Christian

    Ja, Geduld ist superwichtig. Man sollte geduldig bei guten Dividendenaktien auf schöne Einstiegskurse warten. Geduldig. Das erhöht schließlich die eigene Rendite.

    Zum Traden nutze ich einen Straddle aus zwei Knockouts. So für den kleinen Geldbeutel zwischendurch.

     

    80% Dividendenwerte, die ich auch nicht mehr verkaufe,

    20% Traden.

  16. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Christian, interessant Sache. Auf welchen Basiswert machst Du den Straddle? Währung?

    Ich weiß zwar wie das funktioniert, aber könntest Du das trotzdem mal an einem Beispiel darlegen.

    Beste Grüße

    MS

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