12 Tipps für die aktuelle Börsenlage


New York, 14. September 2012

Ich habe Ihnen heute zwölf Tipps für die aktuelle Börsenlage zusammengestellt. Die Börse befindet sich seit ein paar Wochen in einem Höhenflug. Die Kurse laufen wie am Schnürchen gezogen nach oben. Wie geht es weiter? Denken Sie über meine zwölf Thesen nach.
1. Angst überwiegt in der Krise. Auf jede Krise folgt ein Boom. Die Masse ist nicht zurück an der Börse, weil sie noch die blanke Angst hat. Wenn die Lemminge anfangen, Aktien einzusammeln, geht es an den Weltbörsen schnell rauf. Die Menschen sind momentan viel zu pessimistisch. Sie horten ihr Geld auf unrentablen Konten, halten mickrig verzinste Staatsanleihen. Selbst die Großkonzerne haben Billionen auf der hohen Kante, weil deren Manager Angst vor der Zukunft haben. Das Geld ist der Inflation ausgesetzt.
2. Börse ist günstig. Das ist eigentlich ein herrliches Umfeld zum Einsammeln fundamental guter Aktien. Das durchschnittliche KGV ist in den großen Indizes mit zwölf oder 13 im historischen Vergleich nicht teuer. Die Dividenden sind zur Zeit zudem saftig.
3. Übernahmen stehen bevor. Wenn erst mal die Fusionen und Übernahmen beginnen, gehen die Kurse zügig rauf. Dann blickt die Meute über den Kurszettel und fragt sich: Wer ist der nächste Übernahmekandidat? Die Kriegskassen müssen ja irgendwann investiert werden. Es braucht nur ein paar Eisbrecher. Anschließend geht es Schlag auf Schlag. Ich vermute im nächsten Jahr (nach den Wahlen) kann es los gehen.
4. Korrektur möglich. Keiner weiß natürlich, was kurzfristig passieren wird an der Börse. Vielleicht kommt es zu einer Stagnation oder zu einer kleinen Korrektur bis zum Jahresende. Wir wissen es nicht. Korrekturen sind Teil der Börse.
5. Langfristig geht es immer höher. Aber eines wissen wir: Es geht langfristig immer weiter nach oben. Das ist einfach so. Die Börse ist eine Gewinnmaschine. In den großen Indizes sind die besten Unternehmen versammelt. Die stärksten, die profitabelsten.
6. Sperren Sie die Gefühle weg. Wer erfolgreich sein will, sollte seine Gefühle ausblenden. Kaufen Sie nur Firmen, deren Geschäft Sie verstehen bzw. kennen. Auch wenn dieser Rat Schwächen hat, überwiegen die Vorteile. Nutzen Sie Werkzeuge wie KGV, KBV oder Dividendenrendite bei der Auswahl Ihrer Aktien. Mit Hilfe dieser einfachen Formeln entlarven Sie vergessene Wertpapierperlen und emotional hochgetriebene Aktien wie Facebook.
7. Qualität ist besser. Ziehen Sie Qualitätsaktien immer Schrottbuden vor. Selbstverständlich sind die guten Firmen etwas teurer. Das macht nichts, das zahlt sich aus. Setzen Sie lieber auf die großen, starken Schlachtschiffe, auf die Marktführer, auf die Qualitätsführer.
8. Schulden sind Gift. Sie sollten auf Schulden strikt verzichten. Geben Sie niemals Geld aus, das Sie nicht haben. Verzichten Sie auf unnötigen Luxus.
9. Nur Fakten zählen. Nur Fakten zählen bei der Aktienauswahl, keine Wunschträume.
10. Die Rente reicht nicht. Auf die staatliche Rente oder das Sparbuch können Sie sich nicht verlassen. Also spielen Sie besser kein Poker an der Börse, denn das geht meistens schief. Schnell sind Ihre Ersparnisse verspielt. Einen Fondsmanager brauchen Sie nicht unbedingt. Es geht billiger und besser. Entweder kaufen Sie einen Indexfonds oder hochsolide Dividendentitel, die Sie über zehn Jahre halten sollten. Weil wir kaum besser als Warren Buffett sind, lohnt es sich, auf seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zu setzen. Streuen Sie. So haut Sie eine Kodak-Pleite oder ein Enron-Betrug nicht aus den Socken.
11. Der nächste Crash kommt. Ein kräftiger Kursrücksetzer, eine Krise, eine Katastrophe, eine Panik, eine Rezession sind immer eine Chance, ein Geschenk (so hart es klingt). Kaufen Sie in solchen Phasen nach.
12. Vergessen Sie die Schwarzmaler. Glauben Sie nicht solche unsinnigen Prophezeiungen. Natürlich kommt der nächste Crash. Nur lässt sich das nicht exakt vorhersagen. Ein Crash ist, wie gesagt, eine Chance und keine Katastrophe.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „12 Tipps für die aktuelle Börsenlage

  1. Frank

    Hallo,
    wie immer ein sehr schöner Value Artikel der Hektik ablehnt und Geduld fordert. Ich kann zu 95 % zustimmen, allerdings muß man wenn eine Story bei einer Aktie nicht mehr sieht auch mal die Reißleine ziehen.Dein Link bzgl. Geduld zeigt einen Artikel von 2003 in dem Citigroup und Nokia empfohlen werden.
    Hält man 10 Aktien in seinem Portfolio wären 20 % des Gesamtkapitals auf lange Sicht verloren!
    Daher meine gestrige Anmerkung zu Leucadia,Raven.
    Ich glaube auch die technische Verfassung von Märkten und Einzelaktien sind wichtig.
    Ich meine keine Charttechnik, sondern wie reagieren Aktien auf gute bzw.schlechte Nachrichten. Ziel sollte sein zu erkennen ob mehr Idioten oder mehr Papiere am Markt sind.(bin Anhänger von Kostolany)
    Ich gebe Dir Recht .Aktuell ist viel Geld auf der Seite welches wohl bald in die Märkte fließt.Ich könnte mir vorstellen daß dann nicht die langweiligen Aktien gekauft werden sondern die Zykliker. Die Angsthasen springen erst zum Schluß auf den Zug auf, dann muß es aber die schnelle Rendite sein.
    Auch den Unsinn der anderen muß man antizipieren wenn sie in der Mehrzahl sind.
    Frank

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Frank

    Stimmt. Vielleicht ist es wegen der Abstürze von HP oder Nokia ratsam, auf Technologie/Konsumelektronik zu verzichten. Weil die Trends so schnell drehen.

    Daher eigenen sich die Tech-Titel nicht zum Value Investing nach der Methode des Warren Buffett. IBM ist eine Ausnahme. Die zahlen seit über einem Jahrhundert ununterbrochen eine Dividende!

    VG
    Tim

  3. Tobi

    Hallo Tim & Mitlesende,

    ich folge deinen Beiträgen nun seit geraumer Zeit und möchte mich auch kurz zu Wort melden.
    Deine Philosophie vom Value Investing finde ich grundsätzlich nicht schlecht. Allerdings wird sie meines Erachtens von über 99% deiner Leser nicht durchführbar sein. Mal abgesehen davon, dass Value Invests nicht ganz so schnell und simpel getan sind wie das hier gern propagiert wird (es bedarf schließlich wahnsinnig viel Research – einfach nur zu schauen wie lange schon eine Dividende ausgeschüttet wurde genügt definitiv nicht) fehlt den meisten Leuten doch das Geld um Value Investing zu betreiben. Ich denke viele deiner Leser haben 10.000 – 20.000 Euro zum investieren zur Verfügung, monatlich vielleicht noch einen kleinen Sparbetrag dazu. Wenn man solch eine Summe in Value Werte steckt, dann greift man in den nächsten 10 Jahren vielleicht 5000,- Dividende ab, hat diesen Betrag unter Umständen aber auch an Börsenwert wieder eingebüßt. Warren Buffet ist sicher nicht aufgrund einer Dividendenzahlung reich geworden – das funktionierte doch erst ab dem Moment, an dem er bereits sehr wohlhabend war. Summa summarum finde ich das Anpreisen von Value Titeln zwar besser als die 1000% Chancen, die andere Börsengurus ausrufen… aber eine wirklich korrekte Darstellung ist das auch nicht.
    Was den Lesern mitgegeben werden sollte ist – lasst die Finger vom „Investieren“ in einzelne Aktientitel wenn ihr keine exakte Ahnung vom Geschäft, den Strukturen, dem Management, etc. habt. Und ehrlicherweise – die Leute die Ahnung von diesen Dingen haben, die werden hier nicht lesen. Sinnig für den „Jedermann-Anleger“ ist, wie du schon oft gesagt hast, den Fondsmanager einzusparen und selbstständig im Berkshire Hathaway zu investieren. Die monatlichen Sparbeiträge sammeln und einmal jährlich nachkaufen um Ordergebühren klein zu halten. Diese Methode beinhaltet natürlich immernoch ein ordentliches Risiko, vermutlich aber weit geringer als einfach mal eine CocaCola, WalMart und Exxon zu kaufen und über einige Dekaden liegen zu lassen. „Investieren“ verlangt einfach auch ein sehr tiefgreifendes Wissen über das, in was man investieren möchte. Das wird wohl gern vergessen. Zum „Trading“ hingegen genügt der Blick auf den Chart – die PriceAction sagt dir was zu tun ist, es kommt dann nur noch auf dein Ego an, auf deine Fähigkeit nüchtern zu handeln. Du vermischst hier irgendwie beides (einfach investieren…)
    Ist nun doch etwas länger aber hoffentlich nicht allzu wirr geworden. Die Gedanken mussten sich während des Schreibens erst formieren 😉
    Ich bin sicher nicht der erste mit solch einer Kritik, würde mich über eine Antwort dennoch freuen.
    Grüße und einen schönen Sonntag
    Tobi

  4. Sams

    Auch einen Schönen Sonntag.
    Ich bin jetzt sehr kurz mit Investments in Einzelaktien an der Börse.
    Da ja 80% an der Börse Geld verlieren und ich erst seit 2 Jahren direkt in Unternehmen investiere war meine realistische Schätzung ein Verlust.

    Deshalb sind meine Aktien für mich die Spitze des Eisbergs nicht die Basis.
    Ich lese gerne Bücher von, über, Buffett. Aber realistisch betrachtet sind seine Fähigkeiten nicht ansatzweise meine. Deshalb ist z.B. eine Fokus-Strategie in meinen Augen für mich Gift. Ob jetzt alles in BH zu stecken weniger oder mehr spekulieren ist als einige Einzelwerte zu kaufen? Ich glaube darüber kann man streiten. In meinen Augen spekuliere ich mehr da ich ansatt in 10 in einen Wert investiere.

    Ob meine Beobachtungen und Einschätzungen richtig oder falsch sind wird die Zeit zeigen müssen.

    Aber für dieses Jahr kann ich sagen bei 12 tsd Euro bleiben 550 Euro netto an Dividenden hängen.
    Um also Ihre 5 000 zu erreichen müssen die Dividenden um 10% für mich sinken.
    Kann so sein, muss aber nicht eintreten. 3/5 zahlen mehr statt weniger, dieses Jahr. Eines hält sie konstant, eins hat gekürzt.
    Wie gesagt die Zeit wird der Richter sein.
    So unter dem Strich nach 2 Jahren bleiben je nach den Börsenkursen des Tages mal 3-6% über 2 Jahre.
    Nicht berauschend aber meine Erwartungen siehe oben.
    So wenn ich dann mal meine anderen Geldanlagen durchsehe befinden sich die Aktien im gehobenen Mittelfeld.

    Nicht berauschend aber bei Bausparern und Lebensversicherungen etc greifen wegen längerer Anlagendauer doch schon Zinseszinseffekte. (Freistellung…,die steuerliche Seite lass ich mal weg, mal abwarten was am Ende bei der Steuererklärung rauskommt.)
    Wie gesagt die Spitze des Eisberges.

    Ob ich jetzt Glücksspiel betreibe? Wenn das jemand meinen mag ok.
    Aber wenn nur noch Erleuchtete Aktien kaufen sollen wer soll denn noch eine z.B. General Electric kaufen? Wer kann ernsthaft von sich behaupten, ich durchschaue dieses Unternehmen. lol. Ehrlich niemand dürfte diese Aktie im Depot haben.

    Naiv wie ich bin sage ich mal, jeder Fachmann wird da scheitern, die Frage ist doch nur ob sich das Scheitern auf höherem Niveau als mein Scheitern für mich Auszahlt?

    Bis sich diese Frage für mich geklärt hat nehme ich mal alle 3 Monate die 1% Verzinsung meines eingesetzten Kapitals mit.
    In diesem Sinne mfg und noch einen schönen Sonntag

  5. Turing

    @Tobi
    Ich finde es besorgniserregend, was du schreibst. Mit 10000-20000 € und einem stetigen Arbeitseinkommen kann man meines Erachtens Value Investing betreiben. Viel Recherche ist auch nicht nötig. Ein paar Grundregeln:

    1. Diversifikation ist wichtig. (Hat aber nichts mit Value-Investing zu tun.)

    2. Die Transaktionsgebühren sollte in einem gesunden Verhältnis zum Transaktionsvolumen stehen. 10,60 € (soviel zahle ich bei meiner Bank, wenn ich über Xetra ordere) sollte man nicht für 10 Post-Aktien (ca. 10 * 15 €) ausgeben.

    3. Die Unternehmen sollten langfristig eine gute Perspektive haben. Meine RWE-Aktien gingen nach Fukushima in den Keller, aber ich habe nicht verkauft. Der einstige Kaufkurs von 50 € ist leider noch in weiter Ferne, aber ich bin überzeugt, dass RWE eine Zukunft hat. Ich hatte sogar noch billig nachgekauft. Die Perspektive ist es. RWE wird übel mitgespielt, genauso wie den anderen Versorgern in Deutschland, aber RWE ist immer noch solventer als die gepamperten Solarklitschen. Das sollte zu denken geben. Ich bin absoluter Gegner der Energiewende, des Atomausstiegs und jeglicher Ökoträume. Ein durch „erneuerbare Energien“ verursachter Blackout wird den Rest der Bevölkerung und die Politik zur Räson bringen.

    Man muss gar nicht alles über die Unternehmen wissen. Viel Informationen können auch schaden. Dieses Phänomen kann jeder bei den EM- und WM-Tipp-spielen in seiner Firma erleben. Die Fußball-Experten landen immer in den hinteren Rängen; ich gehöre selbst dazu. Das Problem ist, dass man auch die starken Spieler der schlechteren Mannschaften kennt und diese möglicherweise überbewertet. Oder aber man weiß, wie schlecht die Saison eines Schlüsselspielers einer starken Mannschaft ablief und bewertet dies über. – Nicht anders ist es an der Börse. Mit zu vielen Informationen wird deine Entscheidung nicht besser.

    Wenn man einfach die Fußballweltrangliste hernimmt und konsequent für die Mannschaften tippt, die in der Rangliste höher stehen, dann gewinnt man. Und was die Fußballweltrangliste für den Fußball ist, sind für den Aktienmarkt der Leitindex und der Index für Mittelwerte, in Deutschland DAX und MDAX. Mit gesundem Menschenverstand bedient man sich aus diesen Indices und fertig.

    4. Die Idee, dass Dividendenzahlungen durch einen sinkenden Kurs bezahlt werden, ist einfach abstrus. Ein Kiosk, der jahrzehntelang eine Familie ernährt (Die Gewinnentnahme ist praktisch eine Dividende.), wird schließlich auch nicht weniger wert. Die Kurse dividendenstarken Aktien steigen auch kontinuierlich. Die Volatilität ist eine geringere, aber die spielt beim Value-Investing eine geringere Rolle, weil man für die Dauer sein Geld anlegt. Wer in kurzer Zeit viel Geld verdienen will, sollte sich Aktien von Internetfirmen kaufen. 10 Titel zu jeden 1000 €. Wenn auch nur ein neues Google darunter ist, dann macht man den Reibach, auch wenn die anderen 9 * 1000 € den Bach runtergingen. Die Wahrscheinlichkeit, ein neues Google zu finden, ist aber gering. Dann kann man auch Lotto spielen.

    5. Zum Value-Investing gehört auch, dass man sich mit dem Geschäftsmodell auskennt. Buffet hält sich strikt daran.

  6. Frank

    Hallo,
    ich glaube daß Value Investing für Kleinanleger die einzig profitable Anlageart ist.Natürlich kann man Einzelaktien kaufen. Die Dividende ist wichtiger als allgemein behauptet wird. Verdoppelt sich die Aktie was bei mir schon bei einigen Aktien passiert ist so erhöht sich auch die persönliche Div.Rendite. Diese nicht verkloppt sondern wieder angelegt macht den Renditeturbo aus. Damit können auch Kleinstanleger im Laufe eines Arbeitslebens eine gute zusätzliche Einnahme im Alter erreichen.
    Mit viel Erfahrung und zugegenermaßen auch Glück kann man dann auch mal einen Zock wagen.
    Ich habe aktuell Wacker Chemie gekauft ( zu 60 €) weil dieses Unternehmen u.a. auch Polysilizium für die Solarbranche herstellt und daher im allgemeinen Solarniedergang furchtbar bestraft wurde.
    Auch eine EON ist grundsolide trotz „Atomausstieg“. Hier gabs schon ein paar hundert Euro Dividende, leider noch keine Gewinne( Einstieg 20 €)
    Man sollte versuchen allgemeine Meinungen und Mehrheiten zu finden und dann das Gegenteil tun.Geht das dann auf ist das ein extrem befriedigendes Gefühl.
    Ich habe auch einige Berkshire Aktien und aktuell ist der Preis sehr günstig, ich würde aber nie alleine darauf setzen. Stirbt Buffet rauscht auch die Aktie in den Keller, ob daß logisch ist oder nicht.
    Frank

  7. Tobi

    @Turing
    Warum ist es besorgniserregend wenn ich schreibe, dass man mit 10.000-20.000 Euro kein Value Investing betreiben kann?? Ich denke besorgniserregend war die Tsunami Welle die auf Fukushima zurollte aber sicher nicht meine Aussage.

    Besorgniserregend den Börsenneulingen gegenüber ist vielleicht auch deine Aussage „Man muss gar nicht alles über die Unternehmen wissen“. Das ist Unsinn und sollte nicht einfach so in einem Blog wie diesem geschrieben werden. Wenn schon alle Herrn Buffet so anhimmeln, dann sollte doch bitte erwähnt bleiben das dieser die Unternehmen in die er investiert in- und auswendig kennt. Er betreibt monate- wenn nicht gar jahrelanges Research bis er eine Investition eingeht. Welche Anmaßung ist es also zu behaupten „viel Recherche ist nicht nötig“?!

    Ich habe ebenfalls nie gesagt, dass die Dividende grundsätzlich zu Lasten des Kurses geht. Ich wollte nur ausdrücken, dass der ValueTitel in dem Moment in dem man ihn versilbern möchte (oder muss) unter umständen gerade ein dickes Formtief hat und sämtliche Dividenden-Gewinne durch den schlechten Kurs aufgefressen werden. Nicht jeder hat in so einem Moment weitere 10 Jahre Zeit um zu warten bis sich der Kurs wieder erholt. Soll heißen – auch ein Value-Titel bedarf ständiger Beobachtung (neues Management, neuer Geschäftsbereich, neue Absatzmärkte…). Niemand kann sich erlauben eine Aktie zu kaufen und einfach liegenzulassen. Es gibt ausreichend Beispiele für „StirbLangsam“ Titel.

    Vielleicht haben wir schlicht unterschiedliche Erwartungen an das, was am Ende rauskommen soll aber… so nett deine „Grundregeln“ auch gemeint waren – professionell und fair den weniger wissenden gegenüber ist auf jeden Fall etwas anderes.

    Ich halte mich jetzt wieder zurück… war offenbar doch ein Vorstoß in die falsche Richtung.

    Viel Erfolg am Aktienmarkt, auch mit RWE. Übrigens hätte man sich diese Verluste ersparen können wenn man einen einzigen Blick auf den Chart geworfen hätte. Seit 2008 besteht dort ein Abwärtstrend der seither im großen Zeitfenster nicht gebrochen ist… warum also maßt sich ein „ValueInvestor“ an schlauer zu sein als der Markt und greift ins fallende Messer? Sollte der Einstieg bereits 2005 geschehen sein, Frage ich mich warum man nach Etablierung des Abwärtstrends nicht mit Gewinn aussteigt?

  8. Robert Michel

    @Tobi: Muss man schlauer sein als der Markt, um an der Börse erfolgreich zu sein? In Einzeltitel zu investieren hilft einem sein Change-Risiko-Profil zu bestimmen, die Suche nach Überrendite muss gar nicht das entscheidende Sein. Man muss nicht das Unternehmen monatelang auswendig lernen, wenn man sich mit der Markrendite zufrieden gibt. Ein Blick in die Bilanz braucht vielleicht eine Stunde und hilft einem möglicher Weise einen schweren Fehler zu vermeiden. Auf jeden Fall ist ein Blick in die Bilanz mehr Recherche als das wozu 90% der Wochendtrader bereit sind.

  9. Tobi

    @Robert Michel

    Du magst recht haben.
    Diese Info geht schon in die Richtung dessen, was ich sagen wollte. Ich würde grundsätzlich noch jedem empfehlen ganz banal den Langzeitchart anzuschauen… das ist nicht schwer und offenbart mehr als man glauben mag.

    Ich erwarte von meinem Depot auch keine überirdische Rendite. Allerdings möchte ich die 20-25% doch gern jedes Jahr erreichen. Und das funktioniert eben nicht mit dem blinden Kauf von ValueTiteln, mögen sie noch so etabliert sein, mögen sie noch so konstant ihre Dividende ausschütten.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ alle
    @ Tobi

    Kritik ist immer gut. Danke für die Gedanken.

    An der Börse braucht man Geduld. Einer der Kernfehler der Masse ist das Trading. Die Meute kennt einfach nicht die wissenschaftliche Forschung zu diesem Aspekt. Darüber wird auch in den Medien viel zu selten geschrieben. Es ist erwiesen: Je länger die Anlagezeiträume (in solide Aktien), desto besser fällt die Rendite aus. Das wirkt sich besonders ab 10 Jahre und länger aus. Die Menschen haben kein Problem, eine Hypothek oder Lebensversicherung für 30 Jahre abzuschließen. Wenn es aber um Aktien geht, ist die Meute spätestens nach einem halben Jahr schon wieder raus, was natürlich ein gravierender Fehler ist. Etliche können noch nicht mal einen Monat eine Aktie behalten. Ich kenne keinen Daytrader, der auf Dauer von seinem Daytrading leben kann. Es funktioniert einfach nicht.

    Je kürzer die Zeiträume, desto eher macht der Zufall dem Anleger einen Strich durch die Rechnung. Ich werde im Oktober bzw. November hierzu im Blog Studien vorstellen, die den Zusammenhang zwischen der Anlagedauer und Rendite klar herausarbeiten.

    Gute Aktien findet man am besten in den Indizes wie dem DAX oder Dow Jones. Das ist alles gar keine Zauberei. Wer ein paar Grundregeln beachtet, der schneidet gut ab. Natürlich kann jeder Fehler machen. Missgriffe gehören einfach dazu. Die lassen sich leider nicht vermeiden.

    20 bis 25% Rendite ist die Königsklasse. Das schaffen Genies wie Buffett im Schnitt. Ich finde 10 Prozent im Jahr sind schon super. Mit der Berkshire-Aktie kann man vermutlich 10 bis 20% p.a. auch zukünftig erzielen. Im Schnitt natürlich.

    Einen guten Start in die Woche wünscht allen
    Tim

  11. Anna

    Hallo,
    ich mache mir gerade mal paar Gedanken übers Investieren.
    Was braucht der Mensch?
    Gefressen und gesoffen wird immer (gibts einige Aktien), Wohnung braucht er auch, also Immo-Aktien.
    Eingerichtet werden muss sie auch, Kinder kommen vielleicht, da braucht man z.B. P & G (die Aktie von Beate Uhse ist aber z.Z. auch nicht das wahre). Macht Euch Gedanken. Der Mensch braucht Strom und Wasser, also Versorger, Dreck macht er auch (Entsorger).
    Bei der ganzen Völlerei wird er mal krank (Pharma – wenn nichts läuft, läuft Pharma).
    Der Mensch braucht ein Auto, das läuft nicht mit Wasser, also Auto- und Ölaktien (zahlen gute Dividende). In den Urlaub will er auch fahren (Airlines, oder sowas wie Wyndham).
    Vielleicht muss er auch mal seine Knete als Leiharbeiter verdienen (da gibt es auch paar börsennotierte).
    Sollte das Leben nun fast vorüber sein, der Rollator muss auch finanziert werden (da gibt es sicher auch was).
    Nur, welche AG verdient nun an meinem Ableben??
    Also, seht die Investiererei locker.
    VG
    Anna

  12. Anna

    Danke Tim,
    ich werde es mir vormerken…
    VG
    Anna

    Übrigens, ich hatte die Krankenhäuser vergessen.

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