10 Lehren aus: Die grössten Investoren aller Zeiten


New York, 11. Februar 2013

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Schauen Sie auf die erfolgreichsten Anleger der Welt. Lernen Sie von ihnen. Von Stars wie Peter Lynch oder George Soros können Sie die Strategie kopieren. Ich lese gerade das Buch von Glen Arnold: „Die größten Investoren aller Zeiten: Investieren lernen mit Warren Buffett, George Soros, Peter Lynch und Benjamin Graham“.
Im Hintergrund auf meinem Foto sehen Sie Manhattan. Es regnet. Ein kalter nebliger Tag ist dieser Montag.
Das Buch ist spannend geschrieben. Es hat viele Hintergrundinformationen. Es beschreibt sehr anschaulich die Gurus, ihr Leben, ihre Strategie. Die vielen Beispiele sind hilfreich.
Wenn ich die Quintessenz des Buchs beschreiben müsste, würde ich zehn Lehren daraus ziehen:
1. Keine Modethemen
Die Gurus meiden die Masse, sie meiden die Lieblinge der Börse. Modeaktien mögen die Superreichen nicht. Die besten Anleger kaufen, was die Mehrheit gerade hasst oder übersieht. Eine Aktie, die sich in einem Dauerlauf nach oben befindet, mögen die Stars nicht. Denn diese Aktien sind in der Regel teuer. Derzeit werden zum Beispiel Finanzdienstleister (Versicherungen und Banken) „gehasst“. Viele notieren unterhalb des Buchwerts.
2. Reduzieren Risiken
Die Stars halten die Risiken gering. Sie lieben Marktführer. Ihre Konzerne haben einen schützenden Graben, einen hohen Marktanteil, sind stabil. Gleichwohl wissen die Stars, dass es immer Risiken gibt. Sie akzeptieren überschaubare Risiken, setzen aber niemals alles aufs Spiel mit einer heißen Wette. Peter Lynch und George Soros sind von kleinen Unternehmen begeistert. Auf diesem Link erhalten Sie übrigens einen Blick in das Portfolio von Hedgefondslegende George Soros.
3. Fehler sind OK
Sie lernen aus ihren Fehlern. Sie gehen offen mit Fehlern um, sprechen darüber. Sie wissen, dass Fehler an der Börse einfach dazu gehören.
4. Klare Strategie
Ihre Argumente zum Kauf einer Aktie sind klar strukturiert. Die Stars können in wenigen Worten erklären, warum eine Aktie ein Kauf ist. Die Strategie der Gurus ist logisch. Es macht Sinn. Die Milliardäre setzen den gesunden Menschenverstand ein, auf komplizierte Computermodelle verzichten sie. Warren Buffett hat in seinem Bürozimmer keinen Computer, keinen Taschenrechner. In den USA ist der sogenannte „Elevator Pitch“ ein Trend geworden. Sie müssen den Kauf Ihrer Lieblingsaktie innerhalb einer Fahrstuhlfahrt den Mitfahrenden erklären können. Das ist nicht einfach. Probieren Sie es aus. Sie haben 50 Sekunden Zeit. Wenn Sie es nicht in dieser Zeit schaffen, ist die Aktie wohl nix.
5. Im Erfahrungsumfeld bleiben
Die Gurus kaufen nur, was sie verstehen. Sie bleiben in ihrem Feld der Expertise. Sie halten sich fern von Sachen, die zu kompliziert sind, die sie nicht verstehen. Jahrzehnte lang bleiben sie in ihrem Spezialgebiet.
6. Unentwegt lesen und lernen
Sie machen ihre Hausaufgaben. Lesen und lernen unentwegt. Sie networken.
7. Panik der Meute ist eine Riesen-Chance
Wenn Panik herrscht, wenn die Masse Angst bekommt, haben die Gurus den Mut zuzugreifen. In Finanzkrisen gehen sie auf Shoppingtour. Weil es alle paar Jahre zu einer Baisse kommt, haben die Gurus die Geduld abzuwarten. Sie sitzen auf einem dicken Cashpolster. Stets eine schöne Kriegskasse für den Fall der Fälle vorzuhalten, sorgt dafür, dass sie ganz entspannt sind. Kredite meiden sie in der Regel. Sie schlafen nachts ruhig. Sie investieren. Das Spekulieren überlassen sie den anderen. Die Profis wissen: Sie besitzen Unternehmensanteile und keine Lotteriescheine. Sie denken wie ein Unternehmer. Ping Pong spielt Buffett nur zum Spass, aber nicht in seinem Depot.
8. Geduld
Geduld ist wichtig. Sie investieren für lange Zeiträume. Wenn es Sinn macht, bleiben sie Jahrzehnte hinweg an Bord. Die Gurus schauen lange nach vorne. Sie haben eine Vision. Ob der Kurs an einem Tag einbricht oder das Unternehmen ein schwaches Quartal hat, juckt sie kaum. Sie möchten langfristig gut abschneiden. Schlechte Jahre stecken sie weg. Sie lassen sich nicht verunsichern. Sie ändern ihre Strategie nicht.
9. Der Preis ist heiß
Der Preis ist für sie verdammt wichtig. Am liebsten kaufen sie grundsolide Aktien mit einem Discount zur Vergleichsgruppe. Ihre Aktien sind günstig mit Blick auf das KGV, KBV, KUV usw. Sie mögen in der Regel eine hohe Dividende. Sie schätzen eine geringe Konzernverschuldung und hohe Cashflows. Sie sehen einen Katalysator (Produktneuheit, Auslandsexpansion, Kostensenkung), der den Gewinn nach oben treiben wird.
10. Seriöse Manager
Die Gurus möchten seriöse Manager am Ruder ihres Konzerns. Wenn es Gerüchte um geschönte Bilanzen gibt, ist das ein Warnsignal.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „10 Lehren aus: Die grössten Investoren aller Zeiten

  1. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    @Tim:

    Was macht ein „Guru“ eigentlich mit einem Aktienwert der z.B. 10% p.a. Dividene zahlt und in seinem Depot bereits einen Kursgewinn von 100% ausweist ? Einfach die Aktie im Dividenden Depot lassen, da für den Value Investor die stabilen Dividenden Einnahmen wichtig sind ?

  2. Markus

    @Markos

    100 % in welchem Zeitraum? Ist die Aktie fundamental stark überbewertet? Können die 10 % Dividende auch die nächsten Jahre gezahlt werden, ohne an die Substanz des Unternehmens zu gehen…
    Ist das Geschäftsmodell leicht zu verstehen bzw. können die vergangenen Gewinne in den nächsten Jahren wieder erzielt bzw. sogar erhöht werden?
    Value Analyse ist mehr als nur die Dividende!

    Gibt es aktuell bessere Investments, die nach Abzug der Spesen des Verkaufs sich wahrscheinlich besser entwickeln?

    Sorry, wenn ich Dir Deine Frage mit Gegenfragen nicht beantworte. 😉

    Aber Tim schreibt auch über die größten Investoren aller Zeiten… Die sind uns Privatinvestoren um einiges im Know How, Networking, Arbeitsmoral bei der Fundamentalanalyse usw. überlegen.

    Buy & Hold ist mental wesentlich leichter bei großen Weltkonzernen oder etf`s beizubehalten, bzw. weiter zu reinvestieren.

    Wenn Dein Hauptaugenmerk auf Dividenden gerichtet ist, würde ich mich nicht wegen dem Kurs verrückt machen. Bei kleinen Anteilen von 2 – 3 k am Gesamtdepot ist das Risiko auch absehbar. Evtl. kann man natürlich auch Stop Los mit einem Abschlag setzen, wenn man sich ganz unsicher ist.

    Reinvestierst Du eigentlich auch die Dividenden oder hast monatliche Sparquoten zum weiteren Aufbau Deines Dividenden-Depots?

  3. Reinhard

    Nicht zu vergessen ist, dass die
    Gurus auch mit manchen Investments richtig Schiffbruch erlitten haben. Sie hatten allerdings das Glück (und das darf man nicht vergessen als wichtigen Faktor), dass die großen Deals aufgegangen sind. Sonst wären sie nämlich keine Gurus geworden.
    Es gibt sicherlich viele Profis, welche auch diese Qualitäten haben, die aber einfach nicht das nötige Glück hatten. Deswegen kennt sie keiner.
    Das Reichwerden an der Börse lässt sich m.E. nicht erzwingen und auch nicht planen, das Armwerden schon eher 🙂

  4. David

    Hallo Tim,

    Die 10 Lehren – letztendlich ist es immer dass selbe – sind es immer die selben. Jedem, der deinen Blog liest sind sie bestimmt schon mehr als oft über den Weg gelaufen. Und trotzdem ist es so extem wichtig dass man sich diese 10 Lehren, Regeln wie auch immer man sie nennen mag, vor Augen hält und einfach 1 zu 1 umsetzt.
    Sich eben nicht von Gefühlen der Angst und Gier leiten lässt. Nicht nochmal die Fehler begeht die man schon oft genug wiederholt hat, auch wenn sie ähnlich waren.

    Es ist so einfach. Zudem ist dieses Wissen jedem öffentlich verfügbar. Wirklich jedem. Das Beispiel „Wie ein Parkplatzwächter reich wurde“ zeigt es am besten,- und hat mich persönlich wirklich berührt, mir gezeigt das wirklich jeder, jede Reinigungskraft, jeder noch so niedrig bezahlte Mensch finanziellen Reichtum, finanzielle Freiheit erreichen kann.

    Danke dafür.

    Gruß David

  5. Martin

    In der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts hat der amerikanische Aktienmarkt signifikant outperformt. Die Gurus sind also meistens Amerikaner, welche zu dieser Zeit angelegt haben 🙂
    Eine positive Realrendite war damals geschenkt. Selbst Bonds haben sich seit 1980 sehr positiv entwickelt. Die alten Renditen sind daher nicht 1:1 auf heute übertragbar. Komischerweise scheinen die alten Strategien aber weiterhin zu funktionieren.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Markus
    Danke für super Antwort.

    @ Reinhard
    Ich glaube ein wenig Glück gehört schon dazu. Das stimmt. Aber es steckt vor allem verdammt viel Arbeit dahinter. Hinzu kommt eine extrem hohe Intelligenz. Die Gurus sind Arbeitsmenschen. Sie lieben den Job. Es ist deren Traumjob. Das ist ein weiteres Erfolgsgeheimnis.

    @ David
    Stimmt, es ist immer das gleiche mit Blick auf die Strategie. Oh ja. Beim Parkplatzwächter und bei Buffett fällt auf, dass es sich um langweilige Sachen handelt: Öl, Farben, Eiscreme, Toilettenpapier, Cola, Kaugummis etc. Keine Neuheiten, alltägliche Produkte. Es ist so einfach diese Strategie. Schon merkwürdig, warum so viele Menschen daran scheitern, Geld an der Börse zu verdienen.

    @ Markos
    Das sind ja zwei Dauerläufer. Gratulation zu den Aktien. In der Tendenz würde ich Gewinneraktien laufen lassen, wobei ich mir die Details nicht angeschaut habe.

    @ Martin
    Ja, die alten Strategien laufen immer weiter. Weil halt Kaugummis, Benzin, Cola, Zahnpasta, Spülmittel, Eiscreme noch morgen und übermorgen konsumiert werden. Wenn so ein Weltmarktführer günstig bewertet wird und 2,5 bis 3,5% Dividendenrendite abwirft, ist das ein Dauerläufer.

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